Klasmann-Deilmann: Was ist eigentlich eine Kurzumtriebsplantage

Kurzumtriebsplantagen (KUP) zum Anbau nachwachsender Rohstoffe sind ein wichtiger Baustein in der Nachhaltigkeitsstrategie von Klasmann-Deilmann.

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Kurzumtriebsplantagen (KUP) zum Anbau nachwachsender Rohstoffe sind ein wichtiger Baustein in der Nachhaltigkeitsstrategie von Klasmann-Deilmann. In Geeste betreibt das Unternehmen auf einer Testfläche eine KUP, mit deren Energieholz das Werk Nord in Sedelsberg betrieben wird. In Litauen werden mittlerweile große Flächen bewirtschaftet, um eine nachhaltige Energiequelle bereitzustellen. Aber warum sind Kurzumtriebsplantagen überhaupt klimafreundlich und welche Auswirkungen haben KUP auf die Biodiversität und den Bodenschutz?

Diese und weitere wichtige Fragen zum Themenkomplex beantworten wir im Rahmen unserer Serie Was Klasmann-Deilmann für die Nachhaltigkeit tut.

Was ist eigentlich eine Kurzumtriebsplantage (KUP)?
Eine Kurzumtriebsplantage ist eine Schnittstelle zwischen Land- und Forstwirtschaft, die ihre Vorläufer in der traditionellen Niederwaldbewirtschaftung hat. Konkret heißt das, dass auf einer landwirtschaftlichen Fläche Baumplantagen angelegt werden, um innerhalb einer kurzen Umtriebszeit Energieholz zu gewinnen. „Die Umtriebszeit bezeichnet den Zeitraum von der Anlage der Plantage bis zur Ernte, dem sogenannten Holzeinschlag. Im Vergleich zum Wald ist die Umtriebszeit bei einer KUP wesentlich kürzer“, erklärt Michael Diekamp, der bei Klasmann-Deilmann für die Bereiche Forst, KUP und Nachwachsende Rohstoffe zuständig ist. In einem Wald geht man von einer Umtriebszeit von mindestens 100 Jahren aus, bei einer Kurzumtriebsplantage sind es im Durchschnitt lediglich drei Jahre. In der Landwirtschaft beträgt der Zeitraum von der Saat bis zur Ernte unter einem Jahr. „Eine KUP kann nach heutigen Erkenntnissen 20 Jahre, also etwa sieben Erntezyklen lang, bewirtschaftet werden“, sagt Experte Diekamp.

Welche Baumarten eignen sich besonders für die Bewirtschaftung einer KUP?
Grundsätzlich ist jedes Holz ein Energieträger. Um sich für den Einsatz auf einer Kurzumtriebsplantage zu eignen, müssen die Baumarten jedoch bestimmte Kriterien erfüllen. Einerseits sollten sie schnell wachsen, um innerhalb kurzer Zeit einen möglichst hohen Ertrag zu bringen. Andererseits kommt es auf die Stockausschlagfähigkeit an. Als Stock bezeichnet man den verbleibenden Stumpf eines Baumes oder Strauches, nachdem die oberirdischen Pflanzenteile abgeerntet wurden. Die Stockausschlagfähigkeit beschreibt die Regenerationskraft eines Baumes, also seine Fähigkeit, erneut auszutreiben. „Die Kombination aus schnellem Wachstum und guter Stockausschlagfähigkeit erfüllen vor allem Weiden und Pappeln. Deswegen eignen sich diese beiden Arten sehr gut für Kurzumtriebsplantagen“, sagt Diekamp.

Seit wann und an welchen Standorten bewirtschaftet Klasmann-Deilmann Kurzumtriebsplantagen?
In Deutschland begann Klasmann-Deilmann im Jahr 2009, die erste Kurzumtriebsplantage auf einer Fläche von 20 ha anzulegen, was knapp 30 Fußballfeldern entspricht. Seither wird im emsländischen Schöninghsdorf regelmäßig geerntet: Das geschlagene Holz wird zu Holzhackschnitzeln verarbeitet, die zur Befeuerung der Holzhackschnitzelheizung im Werk Sedelsberg beitragen. Die Holzhackschnitzelheizung versorgt das komplette Werk mit Wärme und macht es so autark. In Litauen läuft derzeit die erste Ernte auf einer KUP. In der Region Silute/Taurage sind auf einer Nettofläche von 1.500 ha Weiden gepflanzt worden, für die sich die klimatischen Verhältnisse im Baltikum hervorragend eignen. Bis zum Jahr 2016 soll die KUP auf eine Gesamtfläche von 3.000 ha erweitert werden.

Warum ist eine Kurzumtriebsplantage nachhaltig?
KUP-Holz ist ein CO2-neutraler Brennstoff – und deswegen eine wichtige Energiequelle der Zukunft. Die Klimakonferenz in Paris hat gezeigt, dass die Nutzung fossiler Energieträger keine Zukunft mehr hat. „KUP-Holz ist der effizienteste Energieträger im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe. Das zeigt sich deutlich am CO2-Fußabdruck: Bei keinem vergleichbaren nachwachsenden Rohstoff ist der Energieinput im Verhältnis zum Output so niedrig“, sagt Diekamp.

Welche Auswirkungen hat eine Kurzumtriebsplantage auf Biodiversität und Umwelt?
Eine KUP bedeutet im Vergleich zur Landwirtschaft eine wesentlich extensivere Form der Bewirtschaftung. Während eine landwirtschaftliche Fläche jedes Jahr gepflügt, geeggt und gedüngt werden muss und jedes Jahr Herbizide und Pestizide ausgebracht werden müssen, ist das bei einer KUP nur einmal in 20 Jahren nötig. Klasmann-Deilmann verzichtet sogar komplett auf Herbizide und Pestizide und entfernt das Unkraut mechanisch. Aus Sicht des Bodenschutzes bringt das erhebliche Vorteile mit sich: Das Bodengefüge verbessert sich und Humus reichert sich im Boden an. Auch die Biodiversität und im weiteren Sinne der Umweltschutz profitieren, wenn man KUP mit herkömmlichen Ackerflächen vergleicht.

Wie viel Energie lässt sich mit einer KUP erwirtschaften?
Wenn wir von einer bewirtschafteten Fläche von 1.000 ha ausgehen, auf der alle drei Jahre geerntet wird, dann kommen dabei 48.000 t Energieholz heraus. Nehmen wir den Energiegehalt von Pappeln als Grundlage, hat die Ernte einen Energiegehalt von rund 104.000 Megawattstunden. Das wiederum entspricht dem jährlichen Energiebedarf von knapp 21.000 Vier-Personen-Haushalten.

Warum gibt es in Deutschland relativ wenige Kurzumtriebsplantagen?
Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe. In den Gebieten, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird, sind die Flächenpreise hoch. Hinzu kommen die zuletzt historisch niedrigen Preise für fossile Brennstoffe wie Öl und Gas und die vergleichsweise geringe Nachfrage nach Wärmeenergie, weil in den beiden vergangenen Jahren die Winter ausgebelieben sind. Da das Kapital bei einer KUP außerdem lange gebunden ist, erscheint diese Form der Energiegewinnung betriebswirtschaftlich betrachtet derzeit als wenig attraktiv – obwohl sie sehr umwelt- und klimafreundlich ist. In Deutschland gibt es zudem eine gewisse Grundskepsis gegenüber nachwachsenden Rohstoffen als Energieträger, die auf die Diskussion um Energiemais – Stichwort: Teller statt Tank – zurückzuführen ist.

Weshalb sind Kurzumtriebsplantagen im Baltikum wesentlich weiter verbreitet?
Im Baltikum gibt es einen starken politischen Willen, sich von ausländischen Energiequellen unabhängig zu machen. Atomenergie ist gesellschaftlich nur sehr schwer durchsetzbar. Hinzu kommt, dass es ein funktionierendes Nahwärmenetz gibt und die Flächenpreise relativ gering sind. „Diese Gründe in Kombination mit den Vorteilen Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit machen KUP im Baltikum zu einer sehr attraktiven und angesehenen Form der Energieerzeugung“, erklärt Michael Diekamp.

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