Im Interview: Howard Misser

Howard Misser ist seit April Digital-Manager bei Royal FloraHolland. Er erläutert, weshalb Digitalisierung so wichtig ist.

Howard Misser ist seit April Digital-Manager bei Royal FloraHolland. Bild: Royal FloraHolland.

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Es ist Ziel von Royal FloraHolland, die Zierpflanzenbranche nachhaltig wachsen zu lassen und dazu Gärtner und Käufer über eine digitale Handelsplattform untereinander und mit den anderen Beteiligten aus der Zierpflanzenbranche zu verbinden. So werden die Branche stets intelligenter, nachhaltiger und effizienter und sichert eine zukunftssichere Zierpflanzenbranche. Howard Misser hat als Digital-Manager eine Aufgabe an einer dynamischen Schnittstelle, wo er in Kooperation mit allen beteiligten Teams die Digitalisierung von Royal FloraHolland und der Branche gestaltet. Aber was bedeutet Digitalisierung genau und warum ist sie so wichtig?

Was könen Sie uns zu Ihrer Aufgabe bei Royal FloraHolland sagen?

"Ich arbeite seit September 2018 für Royal FloraHolland. Ich habe in der Funktion eines Business Technology Managers angefangen, hauptsächlich für den Bereich der Uhr. Seit kurzem ist meine Funktion die eines Digital-Managers. Als die konkreten Pläne auf den Tisch kamen, Floriday von einer Angebotsplattform in Richtung einer zweiseitigen Plattform weiter zu entwickeln, wurde ich in das Programm einbezogen. Ich kümmere mich dabei insbesondere um die technischen Aspekte von Floriday, u. a. um die technische Architektur, und ich sorge dafür, dass die Teams in voller Stärke arbeiten können."

Was bedeutet Digitalisierung nach Ihrer Meinung genau?

"Digitalisierung bedeutet fundamentale Veränderungen. Deshalb bin ich da mit voller Energie dabei. Um den Begriff der Digitalisierung richtig zu verstehen, kommt es zunächst darauf an, ihn nicht mit Automatisierung zu verwechseln. Kurz gesagt geht es bei Automatisierung darum, einen physischen Ablauf mit Computern zu unterstützen oder zu übernehmen. Man denke an die klassischen Roboter am Fließband, oder die erste Generation der Navigationsgeräte. Digitalisierung bedeutet, dass nun die Datenverarbeitung und die Datenströme in den Mittelpunkt rücken, führend sind und den Wert einer Leistung bestimmen. Ein Beispiel: Google hat eine dominante Stellung im Bereich der Online-Anzeigen in der Medienbranche erworben, und zwar auf Kosten etablierter Medienunternehmen, die Google zunächst nicht einmal als Medienunternehmen gesehen haben. Die Stärke von Google liegt in der modernen Datenverarbeitung, mit der Interessen, Bedürfnisse und Kaufabsichten vorhersagbar werden. Dies wird von den Anzeigenkunden enorm geschätzt. Google hat die Branche damit vergrößert und für sich selbst eine zentrale Position in der neuen Wertschöpfungskette geschaffen. Noch ganz kurz zu den Navigationsgeräten. Die aktuelle Generation nutzt Vorhersagen zur Verkehrsdichte. In dieser Datenverarbeitung liegt der Wert des Navigationsgeräts. Es ist jetzt voll digital! Die Digitalisierung führt dazu, dass sehr viele Daten verfügbar werden. Das ist in der Zierpflanzenbranche die Basis für neue Dienste, die damit einen hohen Mehrwert schaffen."

Warum ist Digitalisierung für die Branche so wichtig?

"Ich möchte es einmal so sagen: Auf einem digitalen Marktplatz laufen Daten zusammen und können alle Stakeholder gut informiert Geschäfte machen, sodass der Handel auf dem Marktplatz in der Folge wächst. Man braucht sich nur anzusehen, wie es in anderen Branchen gelaufen ist. Jedem wird klar sein, dass solch ein intelligenter Marktplatz nur funktionieren kann, wenn es gute und klare Absprachen über Data Governance gibt. Deshalb genießt dieses Thema bei uns auch die volle Aufmerksamkeit. Wir arbeiten nun intensiv daran. In einigen anderen Branchen hat man das nachträglich reparieren müssen. Kurz gesagt: Mit der Digitalisierung macht man als Branche wirklich einen Schritt voran. Man wird vom physischen Händler, der durch eine fragmentierte Automatisierung unterstützt wird, zu einer digitalen Branche. Ich glaube fest daran, dass Royal FloraHolland von Natur aus die Marktpartei ist, die die digitalen Chancen für die Branche realisieren kann. Aber auch, dass Royal FloraHolland die Marktpartei ist, die die neue Infrastruktur anbieten kann, um diesen Digitalisierungsschritt zu gehen und den Handel wachsen zu lassen. Nur zur Klarstellung: Man sollte nicht den Fehler machen, zu denken, dass durch die Digitalisierung der Wert von Logistikleistungen abnimmt. Auch in der Welt der Logistik spielt die Digitalisierung seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. Man braucht sich nur umzusehen."

Welche Funktion hat Royal FloraHolland dabei?

"Meine Vision ist, dass das Datenmanagement an den Marktplätzen von Royal FloraHolland im Mittelpunkt stehen muss. Unsere Attraktivität liegt darin, dass unser Marktplatz der Ort ist, wo Gärtner und Käufer bestinformiert und hocheffizient Handel treiben können. Und nochmals: Auch unsere Logistikleistungen werden dank der Digitalisierung die intelligentesten und effizientesten sein. Außerdem wird unser Marktplatz der Ort sein, an dem in Zukunft spezialisierte Marktparteien ihre Datendienste allen Parteien am besten anbieten können. Ich meine, dass die Corona-Krise den Bedarf an Digitalisierung stark herausgestellt hat. Wir müssen unseren Kurs fortsetzen und die Digitalisierung durch intelligente Entscheidungen beschleunigen.

Mein Traum ist, dass wir mit Royal FloraHolland durch den Bau der neuen digitalen Infrastruktur für die Branche, für unsere Branche zu dem werden, was Amazon mit "Cloud Computing" für die Softwarebranche und was Google und Apple mit ihren App-Plattformen u. a. für die Entertainmentbranche bedeuten."

Warum ist 100% digital so wichtig?

"Dies ist ein entscheidendes Jahr, denn wir machen 2020 mit dem Programm 100% digital einen gewaltigen Schritt voran. Mit Floriday streben wir ein vollständiges Angebot für das Bestellen, Bezahlen und die Lieferung an. Wir machen das umfangreichste, tiefste und auch nachhaltigste Angebot an Blumen und Pflanzen weltweit auf verschiedene Weise digital verfügbar. Über die Uhr und direkt. So werden die Handelsgeschäfte untereinander einfacher, effizienter und übersichtlicher. Mit dem Programm 100% digital möchten wir dafür sorgen, dass der gesamte Direkthandel ab diesem Jahr über Floriday läuft. Die Größenordnung ist nämlich ein entscheidender Punkt. Eine Plattform wie Floriday muss ein möglichst großes Netzwerk mit einem möglichst breiten Sortiment bedienen. Wenn wir unsere Ziele bis Ende dieses Jahres erreichen, haben wir einen riesigen Schritt in Richtung Digitalisierung gemacht, indem wir Gärtner und Käufer an die neue digitale Infrastruktur anschließen. Damit können wir unsere Mission weiter verfolgen und immer bessere unterstützende digitale Dienste anbieten, zum Wohl und zum Nutzen unserer ganzen Branche."

Wo siehst du Royal FloraHolland in fünf Jahren?

"Es ist wichtig zu verstehen, dass wir an einer digitalen Infrastruktur bauen, die eigentlich nie fertig wird. Natürlich ändert sich der Markt auch von selbst: Gärtner und Käufer passen ihre Art der Geschäftsabwicklung an neue Umstände an. Daneben gibt es in der Welt der Informatisierung und Digitalisierung ständig und in hohem Tempo neue Entwicklungen, wie man in anderen Branchen ja sehen kann, weshalb es wichtig ist, dass eine Plattform wie Floriday das ebenfalls tut. Man ist faktisch nie am Ziel angelangt und muss deshalb ständig in Interaktion mit den Gärtnern und Käufern bessere und neue digitale Lösungen entwickeln. Ich sehe in fünf Jahren einen digitalen Marktplatz, auf dem Nachfrage und Angebot mit verschiedenen (neuen) Methoden zusammengebracht werden und an den eine Vielzahl an (Informations-)Dienstleistern angeschlossen ist. Floriday wird die neue Infrastruktur für die Zierpflanzenbranche, die jeder nutzen kann und will. Wir sind dann auch das digitale Zentrum der Branche, und Royal FloraHolland ist die Marktpartei, die die Infrastruktur hat, um alle Innovationen durchzuführen, die in der Branche möglich sind."

Vielen Dank!

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