Hintergrund: Was bringt Torfmoosanbau für das Klima?

Herkömmliche Landwirtschaft auf Moorböden beruht zumeist auf deren Entwässerung, was zur Freisetzung enormer Mengen Treibhausgase führt.

Das Forscherteam von der Uni Rostock misst und analysiert die Emission von "Klimagasen". Bild: GABOT.

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In einem großen Feldversuch erprobt die Universität Greifswald zusammen mit Praxispartnern und der Universität Rostock erfolgreich den Anbau von Torfmoosen (Sphagnum) auf wiedervernässten, zuvor als Grünland genutzten Hochmoorflächen. Die Torfmoose eignen sich zur Herstellung von gärtnerischer Pflanzerde, gleichzeitig ist der Anbau mit deutlich weniger Klimagas-Emissionen verbunden als die Grünlandnutzung.

Drainierte Moorböden (d.h. entwässerte organische Böden) gelten als sogenannte Hotspots für Treibhausgase. Trockengelegte Moorflächen, wie z.B. Grünlandstandorte, setzen pro Jahr und Hektar ca. 14-24 t CO2-Äquivalent frei. Eine intensive Ackernutzung verstärkt die Oxidation/Mineralisation des Torfes erheblich und steigert sie auf bis zu 45 t CO2-Äquivalent je ha. Dem gegenüber kann die Torfmooskultivierung doppelt zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beitragen: Durch die Wiedervernässung von Mooren für ein optimales Wachstum der Torfmoose und durch die Verwendung der aufgewachsenen Biomasse als Torfersatz.

Beim Informationstag Torfmoos-Anbau im Hankhauser Moor am 4. September erklärte Dr. Gerald Jurasinski von der Universität Rostock wie es sich mit dem CO2-Ausstoss nachhaltiger Moorbewirtschaftung mit Paludikulturen verhält. Den Messungen der Forscher zufolge hat die reine Torfmoosanbaufläche eine netto CO2-Aufnahme von 15-20 Tonnen pro Jahr und Hektar. Da aber von der Fläche auch das klimaschädliche Methan entweicht, muss das bei den Berechnungen des CO2-Äquivalent berücksichtigt werden. Rechnet man das Methan ein, so ergibt sich aus der Anbaufläche immer noch eine CO2-Senke von 2 bis 3 Tonnen pro Jahr und Hektar. „Problem“ ist jedoch, dass die Anbauflächen der Torfmoose von Gräben umgeben sind uns diese sehr stark Methan abgeben. Messungen der Klimaforscher zufolge emittieren die Gräben ein CO2-Äquivalent von 40 Tonnen; auch die Fahrdämme um die Gräben herum geben natürlich CO2 ab. Zusammen kann man für die Gesamtflächen inklusive Gräben und Fahrdämmen von einem CO2-Äquivalent von 15 Tonnen pro Jahr und Hektar ausgehen. Das CO2-Äquivalent von den landwirtschaftlich genutzten Hochmoorböden beziffert Dr. Jurasinski auf 30 Tonnen – also doppelt so hoch wie bei der Paludikultur. Man könne die Werte bei der Torfmoosfläche sicher noch etwas verbessern, aber auf Null werde man nicht kommen, glaubt Jurasinski. Realistisch sei aber ein CO2-Äquivalent von unter 10 Tonnen.

Kommentare (1)


Gerald Jurasinski 10. Sep. | 09:10

Das ist ein spannender Artikel geworden. Als verantwortlicher und befragter Wissenschaftler möchte ich jedoch noch etwas ergänzen bzw. klarstellen. Die Zahlen wie sie hier stehen, sind noch in Bewegung, weil die Auswertungen der Messungen noch nicht final abgeschlossen sind. Fest steht, dass die Anbaufläche eine erhebliche Treibhausgas-Senke ist, was für natürliche Moore, wenn man Jahresscheiben betrachtet, nicht der Fall ist. Erst langfristig haben Moore eine klimakühlende Wirkung.

Was auch steht: Die Gräben emittieren verhältnismäßig viel Methan, die Fahrdämme sind starke CO2-Quellen. Daher wird im derzeitig laufenden Projekt OptiMOOS intensiv daran geforscht, wie die Fläche an Dämmen und Gräben ohne Einbußen der Produktion minimiert werden kann.

Aus heutiger Sicht, bleibe ich dabei, dass wir bei unter 10 Tonnen CO2-Äquivalent Netto-Bilanz landen können. Hierbei ist wichtig, zu bemerken, dass dieser Wert den Entzug durch die Ernte einschließt. Das geerntete Material ersetzt wiederum Torf der nicht anderswo aus dem Boden geholt wird und so deshalb das Klima nicht belastet. Dies würde bedeuten, dass die Klimabelastung durch die Flächennutzung deutlich gesenkt würde, von ca. 30t CO2-Äquivalente pro ha und Jahr auf unter 10t CO2-Äquivalente pro ha und Jahr und gleichzeitig Torfabbau andernorts vermieden wird. In der Gesamtbilanz könnte daher eine Netto-Null-Bilanz resultieren im Vergleich zum jetzigen Stand resultieren.

 
Redaktion GABOT 10. Sep. | 09:15

Vielen Dank für den ergänzenden Kommentar!

 

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