Genom der Petunie entschlüsselt - kann das Wissen auch genutzt werden?

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gemüse und Zierpflanzenbau (IGZ) in Erfurt waren an der Entschlüsselung des Petuniengenoms beteiligt.

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Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gemüse und Zierpflanzenbau (IGZ) in Erfurt waren an der Entschlüsselung des Petuniengenoms beteiligt. Die Ergebnisse sind am 27. Mai 2016 in der international renommierten Fachzeitschrift Nature Plants erschienen. Das IGZ aber erhielt im März die Nachricht, dass der Institutsteil in Erfurt, in dem diese Arbeit durchgeführt wurde, wegen nicht ausreichend guter wissenschaftlicher Leistung geschlossen werden soll.

Die Fachzeitschrift „Nature Plants“ veröffentlichte die Publikation „Insight into the evolution of the Solanaceae from the parental genomes of Petunia hybrida“ („Einblick in die Evolution der Solanaceen durch die elterlichen Genome von Petunia hybrida“). Wissenschaftlern u.a. aus den Niederlanden, Italien, der Schweiz, Großbritannien, Deutschland, den USA und China gelang es, das gesamte Genom von zwei Petunien-Wildarten, den Urahnen der heutigen Petuniensorten zu entschlüsseln, und vielen der entdeckten Gene Funktionen zuzuordnen.

Die Petunie gehört in Deutschland zu den beliebtesten Zierpflanzen. Sie ist auch eine wichtige Modellpflanze für die Erforschung der genetischen Steuerung pflanzlicher Entwicklungsprozesse. Deshalb gründete eine internationale Forschergruppe die „PetuniaPlatform“ und ein Projekt zur Sequenzierung des Genoms der Petunie. Mitbeteiligt sind daran zwei Arbeitsgruppen, die am Leibniz-Institut für Gemüse und Zierpflanzenbau (IGZ) in Erfurt arbeiten. Die veröffentlichten Genomdaten, aus denen pro Art über 30.000 Gene vorhergesagt werden können, bieten völlig neue Ansatzpunkte, um die Steuerung pflanzlicher Entwicklungsprozesse besser zu verstehen. Das ist für die Grundlagenforschung interessant, aber daraus können auch neue Züchtungsstrategien und -methoden abgeleitet werden.

Prof. Philipp Franken, der in Erfurt an den Arbeiten beteiligt war: „Gemeinsam mit unseren internationalen Kollegen hatten wir geplant, die neuen Genomdaten zu nutzen, um neue Erkenntnisse über die Neubildung von Wurzeln und die Kommunikation der Pflanze mit symbiontischen Pilzen zu gewinnen. Das ist wissenschaftlich hochspannend und kann auch dazu beitragen, dass Zierpflanzen nachhaltig erzeugt werden und auf dem Balkon widerstandfähiger sind.“

Aber ausgerechnet der Standort Erfurt des IGZ soll nach kürzlich bekannt gewordenen Plänen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft geschlossen werden. Die Qualität der in Erfurt arbeitenden Gruppen wurde vor einige Wochen vom Leibniz-Senat als „nicht hinreichend“ bewertet. Dabei hatte eine internationale Gutachterkommission noch 2015 die Entwicklungsperspektiven gelobt. Protest gegen diese Schließungspläne gibt es zum Beispiel von Studenten, die einen Teil ihrer Ausbildung oder ihre Abschlussarbeiten am IGZ Erfurt absolvieren, und von Züchtern, die mit dem Institut zusammenarbeiten. Die in Thüringen zuständigen Minister Birgit Keller (Landwirtschaft) und Wolfgang Tiefensee (Wissenschaft) haben sich gegen die Schließungspläne ausgesprochen. Die Entscheidung über die Weiterführung der Arbeiten und damit über die Arbeitsverträge der an der Petunien-Studie beteiligten Wissenschaftler_innen fällt Ende Juni in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK).

Prof. Eckhard George, wissenschaftlicher Direktor des IGZ: „In der Grundlagenforschung ist eine Zusammenarbeit in internationalen Netzwerken wie hier im Fall der Petunie ausgesprochen sinnvoll. Mich freut es, dass die Ergebnisse dieser Arbeit nun auch durch die Publikation in einer so bekannten Fachzeitschrift anerkannt werden. Das ist Grundlagenforschung, die ganz praktisch dabei helfen kann, dass unsere Zierpflanzen noch umweltfreundlicher angezogen werden. Ich hoffe, dass die GWK uns diese Arbeiten, die gleichzeitig hohe wissenschaftliche Qualität haben und das Verbraucherinteresse berücksichtigen, auch in Zukunft ermöglicht und die Kolleginnen und Kollegen in Erfurt weiter an diesen Themen arbeiten können.“

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