Friedhofsgärtner: Nachallerheiligenbegehung in Augsburg

Die diesjährige Nachallerheiligenbegehung (NAB) führte die bayerischen Friedhofsgärtner am 9. November nach Augsburg.

Über hundert Friedhofsgärtner aus Bayern trafen sich am 9. November auf dem Protestantischen Friedhof in Augsburg zur Nachallerheiligenbegehung.

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Herbert Wörner, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der TBF, hatte zunächst in seinen Betrieb eingeladen. Nachdem alle Gärtner eingetroffen waren und die Schaugrabanlagen und das Gartencenter besichtigt hatten, berichtete Herr Wörner über die Entstehung der unterschiedlichen Betriebsteile und die große Bedeutung der Ausbildung in seinem Betrieb. Bei der anschließenden Begehung des Protestantischen Friedhofs in Augsburg erinnerte er an den Tag des Friedhofs, der dort vier Wochen zuvor aus Anlass des 500. Jubiläums der Reformation stattgefunden hatte. Die Gärtner konnten vor der denkmalgeschützten Kirche, in der Mitte des Friedhofs, die speziell zu diesem Jubiläum von der Gärtnerei Wörner gepflanzte zwei Meter breite Lutherrose bewundern. Friedhofsleiter Erwin Stier übernahm die Führung der NAB-Teilnehmer und gewährte lebendige und interessante Einblicke in 500 Jahre Friedhofs- und Stadtgeschichte. Der sehr gepflegte Protestantische Friedhof beeindruckte einerseits durch den schönen Baumbestand mit seinen Lindenalleen, andererseits aber auch durch die vielen besonderen Grabdenkmäler. Der Friedhofsleiter wies auch auf die Galvanik-Engel hin, die damals exklusiv von der Firma WMF produziert worden waren. Um die hohen Kosten für die Renovierung der Engel zu erwirtschaften, setze er sich derzeit für Patenschaften für diese Gräber ein. Die Augsburger Gärtner lobten Herrn Stier für seinen großen Einsatz für diesen besonderen Friedhof und dankten ihm mit einem Blumenstrauß dafür, dass er am ersten Tag seines Ruhestands noch die Führung übernommen hatte.

Im anschließenden Tagungsteil fasste Gärtnermeister Josef Häusler das Gesehene kritisch zusammen und stellte die einzigartige Bedeutung des historischen Friedhofs heraus. Er rundete seinen Vortrag ab mit einem Erlebnisbericht aus inzwischen drei Jahren Grabkontrolle für die TBF, in denen er gute, sehr gute, aber auch weniger gute friedhofsgärtnerische Arbeiten gesehen habe. Anhand unterschiedlichster Bilder machte er klar, welchen Standard ein TBF-Grab erfüllen soll und wie Gräber nicht aussehen sollten. Er schloss daher mit dem Appell an alle, sich gemeinsam auf die Qualität zu besinnen und hohe Standards zu pflegen.

Die Gäste aus Köln, Marc Zillken und Dirk Klein, Vorstand und Geschäftsführer der Genossenschaft der Kölner Friedhofsgärtner, berichteten über die Kölner Bestattungsgärten. Auf den unterschiedlichen Friedhöfen können ein oder mehrere Module umgesetzt werden. Die vierzehn verschiedenen Module haben Namen wie Ruhegarten, Pfade der Erinnerung oder Rosengarten. Die inzwischen fast 20-jährige Geschichte habe als kleine Idee angefangen, und sei inzwischen ein echtes Erfolgsmodell, das rund 50% der Vertragsabschlüsse der Genossenschaft ausmache. Auch aus umliegenden Städten kämen Anfragen, und man hätte sich eine bedeutende Marktposition erarbeitet. Aus der Erfahrung riet Zillken den bayerischen Kollegen, gerade im Umgang mit Kommunen möglichen Widerständen nicht zu leicht nachzugeben, sondern die Idee weiter zu verfolgen und überzeugt und beharrlich Unterstützer zu suchen. Grund für den Erfolg sei aus seiner Sich auch das stimmige Gesamtkonzept bestehend aus professionell geplanten Modulen, passendem Marketing und einer Internetseite, auf der sich auch ein Bestattungsgärtenkalkulator befindet. Wie zuvor Herr Häusler wies auch Herr Zillken darauf hin, dass nur gleichbleibend sehr gute Qualität die Menschen von diesem Produkt überzeuge. Er berichtete darüber, dass die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner mit einem Leistungskatalog arbeite, der Qualitätsstandards bei der Pflege und der Bepflanzung festlege. Diesem Leistungskatalog müssen auch die an den Bestattungsgärten beteiligten Gärtner zustimmen. Nur so könne gewährleistet werden, dass möglichst jedes Modul auf jedem Friedhof gleich hohen Ansprüchen gerecht werde.

Claus Rankl und Stefan Wagner berichteten für die Fachgruppe über die diesjährigen Aktivitäten in den Bereichen Ausstellung und Ausbildung. Zahlreiche bayerische Betriebe hätten wieder zum großen Erfolg der Landesgartenschau in Pfaffenhofen beigetragen. Auch bei der IGA in Berlin seien Bayern erfolgreich gewesen und hätten in den Wettbewerben viele Medaillen erhalten. Die Teilnehmer aus Bayern waren Kakteengarten Graf aus Oettingen, die Gärtnerei Wiehl aus Kulmbach sowie die Gärtnerei Ziereis aus Schwarzenfeld. Das unter Anleitung des Fachgruppenvorsitzenden Claus Rankl von Auszubildenden auf der IGA gestaltete Grab erhielt sogar mehrere Medaillen. Der Friedhofsgärtner aus München wies seine Kollegen darauf hin, dass es durchaus noch Auszubildende gebe, die wirklich Freude an der Arbeit hätten und dass es sehr wichtig sei, seinen Auszubildenden so etwas wie die Teilnahme an der IGA zu ermöglichen, um sie für den Beruf zu begeistern.

Stefan Wagner informierte über die Abschlussprüfung der Friedhofsgärtner aus Südbayern, deren praktischer Teil zum wiederholten Mal auf dem Westfriedhof in München stattgefunden hatte. Die Prüfungsgräber blieben für vier Wochen bestehen, damit die Besucher über das schönste Grab abstimmen konnten. Herr Wagner freute sich über das offensichtlich große Interesse der Friedhofsbesucher an der Grabgestaltung. Die Prüfung im öffentlichen Raum sieht Herr Wagner als eine Möglichkeit, den Münchner Bürgern den Ausbildungsberuf Friedhofsgärtner näher zu bringen und Interesse an diesem besonderen Beruf zu wecken. (TBF)

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