Fremde Pflanzenarten: Einbürgerung oft absichtlich

Der Mensch prägt die globale Pflanzenwelt. Nach aktuellen Untersuchungen haben sich durch seinen Einfluss mindestens 13.200 Pflanzenarten außerhalb ihres heimischen Lebensraums verbreitet.

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Der Mensch prägt die globale Pflanzenwelt. Nach aktuellen Untersuchungen haben sich durch seinen Einfluss mindestens 13.200 Pflanzenarten außerhalb ihres heimischen Lebensraums verbreitet. Das entspricht knapp vier Prozent der Flora weltweit. Vermutlich wird sich dieser Trend in Zeiten der Globalisierung mit steigendem internationalen Verkehr und Handel noch verstärken.

Erstmals haben Wissenschaftler eine globale Übersicht über die Einwanderung und Ausbreitung von Pflanzenarten auf fremden Kontinenten erstellt. 38 Forschungseinrichtungen werteten unter Leitung der Universität Konstanz Daten aus 481 Festlandgebieten und 362 Inseln aus und erfassten damit über 80% der weltweiten Landfläche. Vier Jahre hat es gedauert, um regionale Listen "eingebürgerter" Pflanzen aus allen Teilen der Welt zu sammeln und in einer globalen Datenbank (GloNAF, Global Naturalized Alien Flora) zusammenzuführen. "Eingebürgert" sind Arten, die außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets in freier Natur wachsen und sich fortpflanzen.

"Invasive" Arten dagegen sind solche, die sich rasch in fremden Territorien ausbreiten, einen deutlichen Einfluss auf ihre neue Umgebung haben und unter Umständen die heimische Flora verdrängen können. Ein bekanntes Beispiel ist der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), auch Herkulesstaude genannt.

Nordamerika liegt an der Spitze mit knapp 6.000 gebietsfremden Arten, gefolgt von Europa mit über 4.100. Beide Kontinente haben den internationalen Handel dominiert, viele Pflanzenarten sind absichtlich für landwirtschaftliche oder gärtnerische Zwecke eingebürgert worden.

Die pazifischen Inseln zeigen im Vergleich zu ihrer Fläche den größten Zuwachs an fremden Pflanzenarten. In Kontinenten mit einem hohen Anteil tropischer Regionen (z. B. Afrika, Südamerika) haben sich weniger fremde Pflanzenarten niedergelassen als in Kontinenten mit überwiegend gemäßigtem Klima (Nordamerika, Europa). Vermutlich stehen dort weniger freie ökologische Nischen zur Verfügung. Die größten "Exporteure" von Pflanzenarten sind Europa und der nicht-tropische Teil Asiens.

In zukünftigen Studien sollen die biologischen Hintergründe für die weltweite Ausbreitung gebietsfremder Pflanzenarten untersucht werden. Interessant ist die Frage, warum manche Pflanzenarten erfolgreicher sind als andere. Welche Eigenschaften sind für die Ansiedlung günstig, und was treibt die Ausbreitung an? Es sei wichtig, die Verbreitung fremder Pflanzenarten zu kontrollieren, zu managen und zu verstehen. (Quelle: www.aid.de) 

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