Energieeffizienz im Gartenbau: Wie Betriebe ihre Wärmeversorgung zukunftssicher gestalten

Steigende Energiekosten und ein wachsender regulatorischer Druck zwingen Gartenbaubetriebe zum Handeln. Ein Überblick über Heiztechnologien, Fördermittel und erste Praxisschritte.

Das Thema Heizen ist im Gartenbau ein wichtiger Hebel für einen effizienten Betrieb. Bild: GABOT.

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Warum Heizkosten im Gartenbau so ins Gewicht fallen

Im Unterglas-Anbau verschlingt die Beheizung von Gewächshäusern einen durchaus erheblichen Teil des Jahresbudgets. Tomaten, Gurken oder Paprika verlangen beispielsweise über Monate hinweg gleichbleibend hohe Temperaturen. Schon ein Absinken um wenige Grad kann bei solch wärmeliebenden Kulturen Ertragseinbußen verursachen, die sich in der Jahresbilanz bemerkbar machen.

Baumschulen stehen vor ganz ähnlichen Herausforderungen, wenn empfindliche Gehölze frostfrei überwintern sollen. Selbst Gartencenter mit beheizten Verkaufs- und Sozialräumen spüren den Kostendruck bei jeder Abrechnung.

Die CO2‑Bepreisung, die für alle fossilen Brennstoffe gilt, treibt die Ausgaben zusätzlich nach oben. In diesem Zusammenhang weist der Zentralverband Gartenbau darauf hin, dass größere Betriebe bereits heute mit Mehrkosten von über 100.000 Euro pro Jahr allein durch die CO2‑Abgabe kalkulieren müssen. Mit dem geplanten europäischen Emissionshandelssystem ETS 2 dürfte sich diese Last noch vergrößern. Betriebe, die jetzt ihre Heiztechnik anpassen, positionieren sich gegenüber Mitbewerbern besser, deren Kostenstruktur weiterhin an Öl oder Gas hängt. Das Gebäudeenergiegesetz setzt zudem klare Fristen für den Austausch veralteter Heizanlagen.

Den tatsächlichen Wärmebedarf ermitteln

Bevor eine Investition in neue Technik ansteht, braucht es Klarheit über den realen Verbrauch. Die Kulturart, die Glasfläche, der Dämmzustand der Gebäudehülle und die Frage, ob ganzjährig oder saisonal geheizt wird, beeinflussen den Bedarf erheblich. Ein Gewächshaus mit Dauerbetrieb hat andere Anforderungen als ein Kalthausbereich, der nur wenige Monate im Jahr Wärme benötigt.

Auch der Zustand der Verglasung macht einen großen Unterschied: Einfachglas verliert deutlich mehr Wärme als aktuelle Stegdoppelplatten.

Tipp: Eine systematische Energieanalyse erfasst sämtliche Verbraucher im Betrieb. Die Ansätze zu nachhaltigen Betriebskonzepten für Gartenbaubetriebe verdeutlichen, dass Heizung, Beleuchtung, Bewässerung und Lüftung einander beeinflussen. Eine isolierte Betrachtung einzelner Bereiche verschenkt also viel Optimierungspotenzial. Die Zählerdaten aus mehreren Vorjahren liefern einen Vergleichsmaßstab, an dem sich spätere Einsparungen objektiv messen lassen. Digitale Monitoring-Systeme erleichtern die Auswertung dabei erheblich, da sie Verbrauchsspitzen automatisch erfassen und einzelnen Gebäudeteilen zuordnen. Bereits bei mittleren Betriebsgrößen rechnet sich ein Energieaudit, weil die identifizierten Einsparpotenziale die Kosten dafür in der Regel schnell wieder ausgleichen.

Heiztechnologien im Vergleich – Es gibt nicht die eine Patentlösung

Die eine perfekte Heizung für den Gartenbau existiert nicht. Je nach Betriebstyp, Flächengröße und vorhandener Infrastruktur eignen sich unterschiedliche Systeme. Neben den Anschaffungskosten gehören die Betriebskosten, die Lebensdauer sowie der erwartbare Wartungsaufwand in jede Vergleichsrechnung. Sich allein am günstigsten Kaufpreis zu orientieren, führt erfahrungsgemäß zu höheren Gesamtkosten über die Nutzungsdauer.

Biomasse: regional verfügbar und klimaneutral

Holzhackschnitzel, Scheitholz und Pellets gehören zu den bewährten Brennstoffen im Gartenbau. Große Hackschnitzelanlagen versorgen komplette Gewächshauskomplexe zuverlässig mit Wärme. Behält man die Pelletofen-Branche im Überblick, zeigt sich schnell, dass sich für kleinere Einheiten wie Büros, Sozialräume oder Verkaufsflächen die effizienten Pelletkessel anbieten.

Biomasse gilt als klimaneutral, weil bei der Verbrennung nur so viel CO2 frei wird, wie die Bäume zuvor gebunden haben. Das Material stammt häufig aus der Region, wodurch die Lieferketten kurz bleiben und die Abhängigkeit von globalen Energiemärkten sinkt.

Wenn man die Qualität der Pellets bestimmen möchte, lässt sich das am besten anhand von Zertifizierungen wie ENplus prüfen. Faktoren wie etwa Feuchtegehalt und Abriebfestigkeit fallen hierbei besonders ins Gewicht. Allerdings brauchen Pellets und Hackschnitzel einen trockenen Lagerplatz mit ausreichend Fassungsvermögen, damit der Brennwert erhalten bleibt. Interessant ist, dass sich die Asche bei Holzbrennstoffen teilweise als Dünger verwerten lässt, was im Gartenbau einen zusätzlichen praktischen Nutzen mit sich bringt.

Tipp: Bei der Beschaffung empfiehlt sich ein Vergleich regionaler Lieferanten, da die Preise je nach Verfügbarkeit und Transportweg erheblich schwanken.

Wärmepumpen: effizient unter bestimmten Bedingungen

Wärmepumpen ziehen Energie aus Luft, Erdreich oder Grundwasser und wandeln sie mithilfe von Strom in Heizwärme um. Bei moderaten Temperaturniveaus, beispielsweise in gut gedämmten Kalthausbereichen oder Verwaltungsgebäuden, arbeiten sie wirtschaftlich. Sobald allerdings hohe Vorlauftemperaturen im Unterglas-Anbau gefragt sind und die Gebäudedämmung Schwächen hat, stoßen sie an ihre Grenzen. Die Jahresarbeitszahl, also das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom, sinkt dann so weit ab, dass der Betrieb wirtschaftlich fragwürdig wird.

Der Aufstellungsort ist dabei sehr wichtig: Luftwärmepumpen erzeugen je nach Modell Betriebsgeräusche, die in der Nähe von Kunden- oder Sozialräumen stören. Erdwärmepumpen erfordern dagegen Bohrungen oder Flächenkollektoren, die auf bebauten Betriebsgeländen nicht immer realisierbar sind. In Regionen mit hohem Grundwasserspiegel sind sog. Wasser-Wasser-Wärmepumpen eine leistungsfähige Alternative. Diese, setzen allerdings eine wasserrechtliche Genehmigung voraus.

Tipp: Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaikanlage senkt den externen Strombedarf und verbessert die Wirtschaftlichkeit über die gesamte Nutzungsdauer. Verbaut man zusätzlich gleich noch einen Pufferspeicher, gleicht dieser automatisch die Lastspitzen aus.

Solarthermie und Photovoltaik als Ergänzung

Solarthermische Kollektoren erzeugen Wärme direkt aus Sonnenstrahlung und eignen sich als Ergänzung bestehender Heizsysteme, etwa zur Vorerwärmung von Brauchwasser. Moderne Photovoltaikmodule liefern effizient Strom für Wärmepumpen, Bewässerungstechnik oder Bereiche wie die Ladeinfrastruktur und reduzieren so den Fremdstrombezug. Sinnvoll ist in dieser Kombination ein Batteriespeicher, der die Eigenverbrauchsquote steigert, weil sich tagsüber erzeugter Strom auch in den Abendstunden nutzen lässt.

In den Sommermonaten überschneiden sich Sonnenstunden und Kühlbedarf in vielen Gewächshäusern, sodass sich die erzeugte Energie unmittelbar verwenden lässt.

Im Winter oder bei hohem Wärmebedarf reichen beide Technologien allein jedoch nicht aus. Als Baustein eines Hybridkonzepts erhöhen sie jedoch die Versorgungssicherheit und senken den Anteil fossiler Energieträger, ohne dass die komplette Heizanlage ausgetauscht werden muss.

Freie Dach- oder Freiflächen in ausreichender Größe sind allerdings Voraussetzung. Wo diese vorhanden sind, amortisiert sich die Investition in aller Regel innerhalb weniger Jahre. Einige Betriebe nutzen bereits die Dachflächen ihrer Gewächshäuser für Solarmodule, sofern Statik und Lichtbedarf der Kulturen dies zulassen.

Fördermittel nutzen und Investitionskosten senken

Der Umstieg auf klimafreundliche Heiztechnik erfordert hohe Anfangsinvestitionen. Einige aktuelle Förderprogramme können diese Belastung merklich abmildern. Die KfW bezuschusst etwa den Austausch von Heizungsanlagen in Nichtwohngebäuden mit 30 Prozent der förderfähigen Kosten, wie das Programm Heizungsförderung für Unternehmen – Nichtwohngebäude zeigt. Förderfähig sind unter anderem Biomasseanlagen, elektrisch angetriebene Wärmepumpen und Solarthermie, sofern das Gebäude mindestens fünf Jahre alt ist. Auch der Anschluss an ein Wärmenetz fällt unter die förderfähigen Maßnahmen.

Der maximale Förderbetrag richtet sich nach der beheizten Nettogrundfläche. Bei einem mittelgroßen Nichtwohngebäude mit rund 500 Quadratmetern liegt er im hohen fünfstelligen Bereich, bevor der 30-Prozent-Zuschuss berechnet wird. Kosten für fachliche Baubegleitung und den hydraulischen Abgleich lassen sich ebenfalls anrechnen.

Sofern möglich, ist es zudem sinnvoll, regionale Fördertöpfe der Bundesländer sowie steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für energetische Maßnahmen zu nutzen. Ein Energieberater mit Branchenerfahrung hilft hierbei, die passende Kombination aus Programmen zu finden und die Anträge fristgerecht einzureichen. Vor Antragstellung muss ein zugelassener Energieeffizienz-Experte oder ein Fachunternehmen eingebunden werden, da die Förderung sonst nicht bewilligt wird.

Praxistipps – so gelingt die schrittweise Umrüstung

Kaum ein Betrieb erneuert die komplette Wärmeversorgung innerhalb einer Saison. Viele setzen deshalb auf eine gestaffelte Umrüstung: zuerst die Sozialräume oder das Verwaltungsgebäude, dann die Hauptanlage. Damit verteilt sich die finanzielle Belastung über mehrere Jahre und der laufende Betrieb wird idealerweise nur sehr selten bis gar nicht unterbrochen.

  • Hybridlösungen aus Biomasse, Wärmepumpen und Solarthermie verteilen das Risiko auf mehrere Energiequellen.
  • Eine unabhängige Energieberatung deckt Schwachstellen in der Gebäudehülle auf, bevor neue Technik installiert wird.
  • Langfristige Lieferverträge für Biomasse-Brennstoffe sichern stabile Preise über mehrere Heizperioden.
  • Ein hydraulischer Abgleich der bestehenden Anlage verbessert die Effizienz häufig schon ohne größere Investitionen.
  • Angebote mehrerer Fachbetriebe einzuholen, schützt vor überhöhten Kostenschätzungen.

Wer handeln möchte, kann regionale Beratungsangebote von den Landwirtschaftskammern oder Energieagenturen in Anspruch nehmen. Diese begleiten Betriebe bei der Auswahl der passenden Technik und prüfen geeignete Fördermittel. Dabei profitieren Antragsteller davon, die Erfahrungen regionaler Betriebe einzubeziehen.

Die Umstellung gliedert sich so in überschaubare Schritte, die sich an der wirtschaftlichen Lage des jeweiligen Betriebs orientieren. Wichtig ist vor allem die Reihenfolge: Zuerst die Maßnahmen angehen, die den größten Spareffekt bringen. Das strategische Vorgehen stellt hier die Weichen für einen wirtschaftlich stabilen Betrieb über die nächsten Jahrzehnte.

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