Dritter Apfeltag in Witzenhausen

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Am Sonntag, dem 23. Oktober laden das Fachgebiet Agrarbiodiversität vom Fachbereich "Ökologische Agrarwissenschaften" der Universität Kassel, der "Pomologen-Verein e.V." und der Landesbetrieb Landwirtschaft, Kassel, zusammen mit der Volkshochschule Witzenhausen zum 3. Apfeltag ein. Im Tropengewächshaus in der Steinstr. 19 in Witzenhausen werden zwischen 10 und 17 Uhr ca. 100 verschiedene Apfelsorten ausgestellt. Zu sehen und zu verkosten gibt es altbewährte wie auch neu gezüchtete, bekannte und fast verschollene Tafel-, Most- und Wirtschaftsäpfel aus allen Regionen Deutschlands. Sie haben die Möglichkeit, Ihre eigenen Früchte durch einen Sortenkenner vom Pomologen-Verein bestimmen zu lassen (Dazu bringen Sie bitte 3-5 madenfreie Äpfel von Ihrem Baum mit!). Des Weiteren stehen die "Streuobstinitiative Werra-Meißner e.V.", die Baumschule Walsetal und der Landesbetrieb Landwirtschaft für Fragen zu nachhaltiger Pflanzung, Pflege und Sortenwahl von Obstbäumen zur Verfügung. Verköstigung und Verkauf von frisch gepresstem Saft und Apfelkuchen übernehmen die Bio- und Lohnmosterei Lupus und der Naturkostladen Schachtelhalm.

 

Wer kennt sie noch, die alten Sorten?

Der Schöne aus Nordhausen, die Große Kasseler Renette, die Kirkespflaume oder die Muskatellerbirne sind in den letzten Jahrzehnten fast unmerklich aus den Gärten, von den Wegrändern und Wiesen unserer heimischen Landschaft verschwunden. Und mit ihnen verschwindet das Kulturgut vieler alter Sorten, die unsere Vorfahren über Jahrhunderte genutzt, sorgsam gehütet und vermehrt haben. Mit ihnen sind auch wertvolle Eigenschaften (z.B. Krankheits- und Schädlingsresistenzen, Klima- und Standortangepasstheit) unwiederbringlich verloren gegangen. Einige der alten Sorten sind uns nur noch aus Beschreibungen und Erzählungen unserer Eltern oder Großeltern bekannt.

 

Fortschreitende Spezialisierung auf wenige Standardsorten, verbunden mit der Entwicklung weg vom langlebigen Hochstamm-Baum hin zum kurzlebigen Busch- und Spindelbaum, dem allmählichen Verschwinden des selbst angebauten Obstes als Folge des Angebots "vereinheitlichter" Supermarkt-Früchte und gezielten politischen Maßnahmen, wie Abholzungsprämien, bewirkten im Obstbau eine Gen-Erosion nie gekannten Ausmaßes.

 

Bei der Erhaltung alter Obstsorten geht es nicht allein um die Bewahrung eines Kulturgutes und um die Rettung genetischer Ressourcen, sondern auch um eine Vielfalt der Sinneserfahrung jenseits industrieller Massenproduktion. Wer einmal den Duft eines vollsaftigen Gravensteiners, den quittenähnlichen Geschmack eines Zuccalmaglio, das würzige Aroma eines frisch gepflückten Prinzenapfels oder den fruchtig-aromatischen Geschmack eines Berlepsch kennen gelernt hat, der wird das immergleiche Angebot an Elstar-, Jonagold-, Delicious- und Gala-Äpfeln als eintönig und geschmacksarm empfinden. Wer gute Äpfel zum Kuchenbacken sucht, wird bei Riesenboiken oder Jakob Lebel fündig, alte Wirtschaftssorten, deren Früchte ebenso wenig im Laden erhältlich sind wie der Weiße Klarapfel und der Bismarckapfel, Äpfel für bestes Apfelmus. Guten Apfelsaft erhält man von Mostsorten wie dem Rheinischen Bohnapfel, der Grauen Herbstrenette oder auch Regionalsorten wie der Westfälischen Tiefblüte. Einigen Sorten wie dem wohlschmeckenden Finkenwerder fehlt nur das genormte, marktfähige "Outfit", welches Großhandel und Verbraucher heute zumeist erwarten. Die kleinen leuchtenden Früchte der Roten Sternrenette - von manchen auch als Weihnachtsschmuck verwendet - können uns lehren, dass eine Vielfalt von Augen- und Gaumenfreuden auch außerhalb von EU-Normen über Mindestgrößen (noch!) existiert. (unika)

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