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DKHV: Branche erwartet herausforderndes Kartoffeljahr
Thomas Herkenrath, Präsident des Deutschen Kartoffelhandelsverbandes e.V. (DKHV) freut sich über die rege Teilnahme an der 69. Internationalen Kartoffel- Herbstbörse, trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Das jährliche Branchentreffen fand nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause in Hamburg statt. „Das persönliche Gespräch haben alle vermisst. Auch wenn unsere europäische Leitmesse, die PotatoEurope in Bockerode gerade einmal drei Wochen her ist, haben rund 120 Gäste und 16 Aussteller die 69. Internationale Kartoffel-Herbstbörse am 27. September 2022 als Kontaktbörse genutzt“, zieht der DKHV-Präsident Bilanz.
„Uns hat vor einer Woche die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgelegte Erntemengenschätzung von 10,3 Mio. t brutto doch überrascht. Es ist eine erste Schätzung, die im Laufe der Zeit sicherlich noch präzisiert werden wird. Die regionalen Unterschiede zwischen den Erträgen sind enorm. Dieser Bruttowert sagt auch nichts über die Ernteerwartungen für die einzelnen Verwertungsrichtungen aus. Sowohl bei der Flächenentwicklung als auch bei den Erträgen liegen noch keine belastbaren Zahlen vor. Die Anbaufläche für Speisekartoffeln ist nach unseren Einschätzungen geringer geworden. Es werden voraussichtlich weniger Kartoffeln zur Frischvermarktung zur Verfügung stehen“, sagte Thomas Herkenrath in seinen Eröffnungsworten. Diese Einschätzung teilen viele Gäste. Witterungsunbilden, die gestiegenen Rohstoffund Energiekosten, der Arbeitskräftemangel im Speditionsbereich, die überbordenden Anforderungen an die Qualität der Speiseware seitens des Lebensmitteleinzelhandels und die Attraktivität der anderen Feldkulturen lassen auch die Anbauentscheidungen der Landwirte im nächsten Jahr ungewiss werden.
Tigran Richter, Präsident von Europatat, der europäischen Dachorganisation der Kartoffelhandelsunternehmen, informierte über die Ernteprognosen in Europa. Die Europatat- Zahlen stellten lediglich einen aktuellen Zwischenstand der laufenden Erntekampagne dar. Richter betonte, der Ausblick auf die kommende Handelssaison sei schwierig: „Dies gilt insbesondere, als dass die komplizierten Witterungsbedingungen der diesjährigen Anbausaison in vielen Gebieten zu einer allgemeinen Ernteverzögerung von circa 14 Tagen geführt haben und eine zuverlässige Erhebung von Erntedaten zurzeit noch nicht möglich war. Die vorläufigen Berichte aus fast allen Regionen zeigen aber, dass mit Ertragseinbußen und einer damit verbundenen Verringerung der Gesamterntemengen zwischen 10 und 20% gerechnet wird. Außer in Skandinavien, wo eine weitgehend normale Ernte erwartet wird, ist im europäischen Durchschnitt mit einem geringeren Kartoffelaufkommen, bei zum Teil zusätzlich schwächeren Qualitäten, zu rechnen. Somit ist, auch unter Berücksichtigung der allgemein gestiegenen Produktionskosten, eine herausfordernde Vermarktungssaison 2022-2023 zu erwarten.“
Herkenrath und Richter waren in ihren Statements einig, dass auch diese Situation von den Unternehmen gemeistert werden wird. Sicher sei aber, dass der Lebensmitteleinzelhandel und die Verbraucher stärker mit ins Boot genommen werden müssen, denn in diesem Jahr werden nicht überall Bilderbuchqualitäten geerntet. Das Auge esse zwar mit, aber der Geschmack und die Verwertbarkeit der Knollen werde durch kleine äußere Schönheitsfehler nicht gemindert. Darauf komme es ja schließlich an, sagte Herkenrath in der Diskussion.
Der Buchautor und Kommunikationsexperte Dr. Andreas Möller eröffnete mit seinem Blick auf Landwirtschaft und Gesellschaft den Abend. „Es gibt bei Landwirten und Händlern derzeit durchaus eine vergleichbare Akutsituation beim Gas- und Strompreis wie bei Handwerksbetrieben oder in der Industrie. Hinzu kommt die steigende Unsicherheit der Branche, was die Regulierung bei Klima- und Pflanzenschutz anbelangt. Beides gilt es stärker im Zusammenhang zu betrachten und mit Blick auf den wichtigen Versorgungsauftrag der Landwirtschaft zu thematisieren", lautete sein Statement zu Beginn. Dr. Möllers Ansichten und Ausführungen zur Kommunikation zwischen Landwirtschaft, Politikern und Verbrauchern traf den Nerv der Gäste.
Bereits am Vormittag trafen sich die Mitglieder des DKHV zu der für alle Mitglieder offenen Vorstandssitzung. Dort stand unter anderem das Thema Nachhaltigkeit auf der Tagesordnung. Im Frühjahr hatte die Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstandes beschlossen, eine Nachhaltigkeitsstrategie für den Verband und seine Mitglieder zu erarbeiten. Der bislang mit einem renommierten Partner erreichte Sachstand in der Projektarbeit traf das ungeteilte Interesse der Teilnehmer und führte zu einer breiten Diskussion. Themen waren unter anderem ein Rückblick auf den erfolgreichen Verbändeauftritt auf der PotatoEurope. Der Überblick über die Umsetzung des Agrarorganisationen- und Lieferkettengesetzes und Informationen zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz waren weitere Tagesordnungspunkte. Die Mitglieder forderten nachdrücklich, in dieser Situation die Unternehmen nicht mit zusätzlichen bürokratischen Anforderungen zu belasten, sondern gezielt zu entlasten. Die Umsetzung dieser Tagesordnungspunkte wird weiter die aktive Verbandsarbeit bestimmen.
DKHV-Präsident Thomas Herkenrath schloss die Versammlung mit dem Dank an alle Referenten und die Mitglieder, ohne die das aktive Verbandsleben nicht gegeben wäre. Die vielen Diskussionen am Abend zeigten, dass die Themen für die Veranstaltungen gut gesetzt waren. Nun schauen alle mit großen Erwartungen auf den Internationalen Berliner Kartoffelabend am 7. Februar 2023 in Berlin. (DKHV)

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