BOGK: Schwere Zeiten für saure Gurken

Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie weist darauf hin, dass der Markt für eingelegte Gurken in eine Schieflage geraten ist.

Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie vertritt den sechstgrößten Wirtschaftszweig der deutschen Ernährungsindustrie. Bild: BOGK.

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Durch die Corona-Krise ist der Markt für eingelegte Gurken in eine Schieflage geraten. Darauf weist der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) in Bonn hin. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot“, sagt BOGK-Geschäftsführer Christoph Freitag.

In den Monaten März und April lag die Verbrauchernachfrage zweifach höher als üblich. Die Läger sind leer. Auch die neue Ernte, die diese Woche beginnt, wird vermutlich zu gering ausfallen. Dies sind die Gründe:

- Für die Ernte werden rund 60.000 Erntehelfer benötigt, die überwiegend aus Polen und Rumänien kommen. Auch wenn die Grenzen jetzt wieder offen sind: Bis zum 15. Juni hat Deutschland nur 80.000 Erntehelfern die Einreise erlaubt; insgesamt sind nur knapp 40.000 eingereist – zu wenig für eine normale Ernte. Die Landwirte haben deshalb von vornherein 20% weniger Gurken angebaut. Die Arbeitskräfteknappheit treibt zudem die Lohnkosten. Die Verarbeitungsindustrie rechnet daher mit Preissteigerungen für die Rohware von 10 bis 25%.

- Die Sicherheit ihrer Mitarbeiter ist für die Branche genauso wichtig wie die Sicherheit der Produkte. Die Unternehmen haben z. B. die Unterbringung von Erntehelfern mit „halber Belegung“ organisiert; zusätzliche Schichten ermöglichen mehr Abstand. Dadurch steigen die Produktionskosten. Die Betriebe in der Gemüseverarbeitung rechnen durchschnittlich mit Kostensteigerungen von 15 bis 20%.

- Seit März ist die Nachfrage in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung dramatisch eingebrochen. Anfänglich kamen die Umsätze hier ganz zum Erliegen; für das Jahr 2020 insgesamt stellt sich die Branche auf einen Umsatzrückgang von mehr als 50% ein.

Damit die Verbraucher mit Gemüse aus Deutschland versorgt werden können, müssen sich die Erzeuger, Verarbeiter und Verbraucher auf die veränderten Mengen- und Preisrelationen einstellen.

Notwendig erscheint der Branche daher ein erhebliches Maß an Solidarität mit den in Not geratenen Betrieben, vor allem in der Landwirtschaft und Gastronomie. Die Politik ist hier aufgerufen, mit geeigneten Finanzhilfen schnell und unbürokratisch einzuspringen. Der BOGK begrüßt daher das in der vergangenen Woche von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Konjunkturpaket. Zugleich regt der Verband an, nochmals gesondert über gezielte Hilfen für die genannten Branchen nachzudenken. (BOGK)

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