BGI: Blumen eignen sich nicht als anti-emanzipatorisches Symbol

Dem Zusatz „statt Blumen“ begegnete man bisher überwiegend auf Traueranzeigen, bei denen um Geldspenden gebeten wurde, die gleichlautende Hashtag-Kampagne trägt jedoch ganz nebenbei das Blumengeschenk als anti-emanzipatorisch, anti-feministisch und Ausdruck eines rückwärtsgewandten Rollenverständnisses zu Grabe.

"Wir können die Diskreditierung des Blumenschenkens in keiner Weise teilen", sagt der BGI.

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Die Kampagne „Gleichberechtigung statt Blumen“ fordert gleiche Rechte und einen stärkeren Fokus auf Gleichstellungspolitik in der Corona-Krise und wendet sich in ihrem Aufruf, an die Bundeskanzlerin und die zuständigen Bundesminister*innen. Der Appell umfasst sechs Punkte, die jeweils mit der Formulierung „Statt Blumen fordern wir…“ beginnen. Das anerkennende Blumengeschenk an Frauen, die in der aktuellen Krise „den Laden am Laufen halten“ sei nicht genug. „Wir wollen keine Blumen. Wir wollen gleiche Rechte“, fordern die Initiatorinnen und alle, die den Aufruf unterzeichnet haben.

Blumengeschenke sind kulturelle Gesten der Dankbarkeit

„Bei allem Verständnis für die polarisierende Wirkung eines starken Slogans für ein wichtiges Anliegen, wie die Gleichstellung von Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft, können wir die Diskreditierung des Blumenschenkens, als ein kulturelles Zeichen der Anerkennung, in keiner Weise teilen. Die Initiatorinnen implizieren mit ihrem Aufruf, dass Blumen schenken einer emanzipatorischen und feministischen Grundeinstellung im Wege steht und Frauen mit Blumen „abgespeist“ werden. Unserer Auffassung nach ist das Blumengeschenk an alle, die während der Corona-Pandemie oft eine größere Belastung tragen müssen, Ausdruck dafür, dass vielen Menschen für deren Leistung die Augen geöffnet wurden. Das Blumengeschenk ist als kulturelle Geste ein Ausdruck der Dankbarkeit, einer Emotion, die mit Blumen sehr unvermittelt ausgedrückt werden kann. Dass es gilt, aus dem Erkennen dieser besonderen Leistungen auch Konsequenzen zu ziehen, ist eine berechtigte Forderung, hat mit der Aufrichtigkeit des Blumengeschenkes jedoch nichts zu tun.“ betont Frank Zeiler, vom Verband des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels.

In der Blumenbranche stehen Frauen häufig an der Spitze

Dass ein solcher Hashtag die Blumenbranche trifft, ist besonders kritisch zu sehen, da in dieser Branche Frauen häufig Führungspositionen einnehmen wie beispielsweise als Geschäftsinhaberinnen von Blumengeschäften, Gärtnereien oder Event-Floristik-Unternehmen. Auch international gesehen spielen Blumen eine wichtige Rolle bei den Bemühungen um die Gleichstellung von Frauen. So setzt sich beispielsweise das BGI Mitglied Fairtrade für die Stärkung von Frauen im Blumensektor ein. Im Rahmen der Fairtrade-Gender Strategie erfahren diese Frauen eine individuelle Förderung um sozial, finanziell und physisch selbstbestimmt handeln zu können. Zertifizierungen wie das MPS Social Qualified Label und die FSI2020 Initiative tragen ebenfalls zu mehr Gleichstellung in der international agierenden Blumenbranche ein.

Blumen sind kein Mittel der Retraditionalisierung

„Wir sind nicht der Auffassung, dass Blumengeschenke an Frauen der Forderung nach einer angemessenen Bezahlung, Wertschätzung und einer geschlechtergerechten Krisenpolitik entgegenstehen. Sie sind auch kein Mittel der Retraditionalisierung oder geeignet, überwunden geglaubte Rollenklischees zu festigen. Hier werden Blumen zu einem anti-emanzipatorischen Symbol stilisiert, das sie nicht sind“, so Zeiler.

Gleichstellung als Querschnittsthema einer wirksamen strukturellen Politik der Bundesregierung ist ein Thema in und nach der Corona-Krise. Jeder der sich dafür vorurteilsfrei engagiert verdient Blumen. (BGI)

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