Beelitz: Spargelanstich nach kurzem Winterschlaf

Auch wenn in diesem Jahr bereits die ersten Spargelverkäufer an Brandenburgs Straßen ihr Quartier aufgeschlagen haben, lassen es sich die Mitglieder des Beelitzer Spargelvereins, die im Osten Deutschlands das größte Anbaugebiet dieses Edelgemüses repräsentieren, nicht nehmen, die Erntesaison mit einem feierlichen Anstich zu begrüßen.

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Auch wenn in diesem Jahr bereits die ersten Spargelverkäufer an Brandenburgs Straßen ihr Quartier aufgeschlagen haben, lassen es sich die Mitglieder des Beelitzer Spargelvereins, die im Osten Deutschlands das größte Anbaugebiet dieses Edelgemüses repräsentieren, nicht nehmen, die Erntesaison mit einem feierlichen Anstich zu begrüßen. Ist doch die offizielle Saisoneröffnung alljährlich auch eine gute Gelegenheit, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen und auf die vielen Veranstaltungshöhepunkte auf den Spargelhöfen in den kommenden Wochen hinzuweisen. Am heutigen Dienstag ist es wieder soweit: Dann wird Agrarminister Jörg Vogelsänger mit Stecheisen und Körbchen auf das Spargelfeld von Familie Simianer in Busendorf ziehen, um für das erste Freilandgemüse des Jahres 2014 aus Brandenburg die Werbetrommel zu rühren.

Vogelsänger: „Es wird höchste Zeit, dass wir den offiziellen Spargelsaisonstart nachholen. In den vergangenen fünf Jahren war der offizielle Erntestart meist ein ziemlich kalter und regnerische Reinfall: Die Winter waren meist bitter kalt und teilweise ungewöhnlich lang. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Ein selten milder Winter, das frühe Abdecken der Spargeldämme mit Folie und die Wirkung der Sonne brachte es fertig, den Spargel drei Wochen früher aus seinem Winterschlaf zu holen. Bereits viele Freunde des Spargels konnten die ersten zarten Stangen genießen. Das Einläuten der Spargelsaison ist gleichzeitig auch der Start für alle anderen Brandenburger Gartenbaukulturen. So wünsche ich allen Gärtnern ein gutes und ertragreiches Erntejahr, um auch die geringeren Erträge der vergangenen Jahre wieder ausgleichen zu können.“

Spargelsoldatin geht in Stellung
Eine Beelitzer Saisoneröffnung ohne eine neue Spargelkönigin ist nicht denkbar. So wurde wie in jedem Jahr am 3. März eine neue Spargelkönigin gekürt. Gewonnen hat Stephanie Bathe, die in ihrer Amtsperiode 2014/2015 den Beelitzer Spargel auf Veranstaltungen, Stadtfesten und Messen landes- und bundesweit würdig vertreten wird. Sie ist erst vor kurzem hierher, in die 1. Kompanie des Logistikbataillons 172, versetzt worden. Bislang war ihr Dienstort in Schleswig-Holstein. „Ich bin so dankbar, dass ich zurück in meine Heimat kommen durfte“, sagt sie. Die 24 Jahre alte Zeitsoldatin wurde in Rathenow geboren. Sie dient seit fünf Jahren bei der Bundeswehr und ist nunmehr in Beelitz im Dienstgrad Stabsunteroffizier in der Kompanie für Personalangelegenheiten zuständig.

Baden in der Mark
Der Beelitzer Zweig des Familienunternehmens Hugo Simianer und Söhne GbR geht auf das Jahr 1991 zurück. Neben dem im Namen bereits genannten Landwirt Hugo Simianer gründeten auch der Diplomagraringenieur Gerald Simianer sowie Hans-Günther Simianer (bis 2004) den Betrieb. Das nötige Knowhow brachten die Simianer aus dem Badischen mit, wo sie bereits in vierter Generation in Hambrücken dieses Gemüse anbauen (100 Hektar Spargel und Grünspargel). In Brandenburg wurden 1992 die ersten Spargelanlagen gepflanzt. Mittlerweile wachsen hier auf 95 Hektar Spargel, davon 8 Hektar Grünspargel. Insgesamt bewirtschaften die Neu-Brandenburger 300 Hektar – 200 Hektar mit Ackerkulturen und auf einem Hektar Kulturheidelbeeren.

Von der Bückware zum Beelitzer Markenzeichen
Vor mehr als 150 Jahren begann der Spargelanbau im heutigen Land Brandenburg. Viel hat sich von den Anfängen bis in die Gegenwart verändert. 2013 erreichten die Erntemenge und die Anbauflächen einen neuen Höchststand.

Der Erfolg datiert mehr als 100 Jahre zurück, als 1861 der Ackerbürger und Glasermeister Herrmann den ersten Beelitzer Spargel nach Berlin brachte. Die Großstädter kamen auf den Geschmack. Dennoch gingen zu DDR-Zeiten die Anbauzahlen zurück. Spargel wurde zur Bückware – leider auch im übertragenen Sinne. Dennoch wurde – vor allem in Berlin - die Erinnerung an die Beelitzer Stangen in Zeiten der Teilung und der Mangelwirtschaft bewahrt. Nach 1990 hat kein anderes Gemüse in Brandenburg so einen Aufschwung genommen wie der Spargel.

Brandenburgs Gemüseanbau wird wie in den Vorjahren vom Spargel bestimmt. 2013 wuchs Spargel auf 3.480 Hektar. Davon stehen 2.860 Hektar im Ertrag. Die größte zusammenhänge Anbaufläche liegt im Beelitzer Raum. Von diesem Gemüse wurden 54,7 Dezitonnen je Hektar gestochen. Im Jahr 2012 waren es 53,3 Dezitonnen je Hektar.

Bezogen auf die Anbaufläche steht der Brandenburger Spargelanbau nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf Platz drei in Deutschland und ist demzufolge Spitzenreiter der neuen Länder. Mit mehr als 2.500 Hektar Anbaufläche kommen fast 75% der Brandenburger Spargelernte aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark. Die Frische und die Qualität des Produkts aufgrund der kurzen Wege und sicher auch die besondere Zusammensetzung der märkischen Region mit ihren leichten, sandigen Böden mit unterschiedlichen Lehmanteilen, die für den Anbau nahezu ideale natürliche Voraussetzungen bieten, sind die Voraussetzungen für den Qualitätsbegriff Beelitzer Spargel.

Da es sich bei Spargel um ein vergleichsweise teures Gemüse handelt, ist der Verbrauch sehr stark konjunktur- und einkommensabhängig. Der regionale Markt gilt als gesättigt, auch weil neben den Beelitzern andere Brandenburger Regionen ihr Angebot verbessert haben. Neben den dominierenden Mittelmärkern gibt es erfolgreiche Spargelbetriebe, zum Beispiel in Oberhavel oder in der Lausitz.

Nicht wenige Berliner und Brandenburger nutzen auch Einkaufstouren ins benachbarte Polen, um sich auf den Märkten in Grenznähe mit dem Edelgemüse einzudecken. Dennoch: In Verbindung mit ihren zu richtigen Erlebnishöfen ausgebauten Spargelbetrieben, ihrem gut funktionierenden Netzwerk bei der Vermarktung, das dafür sorgt, das die Stangen auf kurzen Wegen frisch auf den Tisch kommen, werden die Beelitzer auch in diesem Jahr ihre Professionalität und Qualität unter Beweis stellen – bis es dann am Johannistag, am 24. Juni, wieder heißt: Kirschen rot – Spargel tot! Dann aber lockt Brandenburg mit neuen Genüssen. (bra)

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