BDP: Jahresrückblick der Pflanzenzüchter

Im Jahresrückblick mit Vorausschau auf das kommende Jahr fasst der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP) seine wichtigsten Themen zusammen.

Im Jahr 2020 feiert der BDP sein 75-jähriges Bestehen.

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Die sich verändernden klimatischen Bedingungen und dieerneute Hitzeperiode im Sommer 2019 haben die Bedeutung der Pflanzenzüchtung für die Bewältigung globaler Herausforderungen verdeutlicht. Im Jahresrückblick mit Vorausschau auf das kommende Jahr fasst der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP) seine wichtigsten Themen zusammen:

Zukunft der Landwirtschaft

Nachdem 2019 bundesweit Landwirtinnen und Landwirte für mehr Anerkennung und angemessene Rahmenbedingungen auf die Straße gingen, ist die Landwirtschaft mehr denn je in den Fokus der gesellschaftspolitischen Wahrnehmung gerückt. Die Pflanzenzüchtung steht seit jeher am Anfang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette und trägt maßgeblich zu ihrer Produktivität bei.

Der BDP nahm Anfang Dezember auf Einladung von Bundeskanzlerin Dr. Merkel und Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner am Landwirtschaftsdialog im Kanzleramt teil. „Die angekündigte Etablierung einer Zukunftskommission Landwirtschaft begrüßen die Pflanzenzüchter ausdrücklich und sind bereit,sich aktiv am Dialog zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Agrarsystems zu beteiligen. Gleiches gilt für das heute vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichte Diskussionspapier Ackerbaustrategie 2035. "Wir halten es für den richtigen Schritt, dass der Pflanzenzüchtung in diesem Papier eine wichtige Rolle zuerkannt wird und unter anderemder Anwendung neuer Züchtungsmethoden und der Forschungsförderung hohe Bedeutung zukommt",sagt Dr. Carl-Stephan Schäfer, Geschäftsführer des BDP.

Forschungsstrategie Pflanzenzüchtung 4.0

Mit Blick auf die Aufgaben,vor denen die Landwirtschaft und die Pflanzenzüchtung stehen, kommt der Pflanzenzüchtungsforschung eine besondere Bedeutung zu. Vor allem die Bereiche der Ressourceneffizienz sowie der Insektenkontrolle werden in der Züchtungsforschung Schwerpunktthemen sein. Nur durch den Fortschritt in der Forschung können der Landwirtschaft Pflanzensorten bereitgestellt werden, die auch bei abnehmender Verfügbarkeit von Dünge-und Pflanzenschutzmitteln sowie einem wachsendenSchädlingsdruck weiterhin ein stabiles Ertragsniveau gewährleisten. Die Kernthemen für die Pflanzenzüchtungsforschung hat die Gemeinschaft für Pflanzeninnovation e.V. (GFPi) 2019 in dem Strategiepapier Pflanzenzüchtung 4.0 festgehalten.

Neue Züchtungsmethoden

Nachdem der Europäische Gerichtshof im Juli 2018 geurteilt hat, dass Pflanzen, die durch die Anwendung von neuen Züchtungsmethoden entstanden sind, als gentechnisch veränderte Organismen(GVO) zu regulieren sind, besteht weiter Unklarheit darüber,wie zum Beispielder Nachweis einer Veränderung aufgrund der Anwendung von neuen Züchtungsmethodenbei Importen erbracht werden kann, obwohl sich die genetische Veränderung nicht von solchen unterscheidet, die auch natürlicherweise auftreten können.

Auf Initiative der finnischen Ratspräsidentschaft hat der Rat der Europäischen Union im November 2019 die EU-Kommission per Beschluss aufgefordert, bis April 2021 eine BUNDESVERBAND DEUTSCHER PFLANZENZÜCHTER E.V. Untersuchung anzufertigen, die den Status der neuen Züchtungsmethoden analysieren soll. Weiterhin ist geplant,auf Grundlage dieser Untersuchung notwendige rechtliche Maßnahmen vorzuschlagen.

Im Lauf des Jahres 2019 hatten sich Wissenschaft und Wirtschaft, so auch der BDP, mehrheitlich für eine Anpassung der rechtlichen Einstufung von Pflanzen aus neuen Züchtungsmethoden ausgesprochen, sodass neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung getragen wird. Aus fachlicher Sicht hält der BDP die pauschale Bewertung von Pflanzen aus neuen Züchtungsmethoden als GVO für falsch. Pflanzen, die auch natürlicherweise bzw. durch Kreuzung und Selektion entstehen könnten, sollten nicht den Auflagen des Gentechnikrechts unterliegen.

Balance zwischen Sorten-und Patentschutz sichern

Im März 2017 hatte der Verwaltungsrat des Europäischen Patentamtes (EPA) das Patentierungsverbot für Pflanzen aus Kreuzung und Selektion beschlossen. Die Technische Beschwerdekammer des EPA hat dieses Vorgehen in einer umstrittenen Entscheidung für unzulässig erklärt.Seit März 2019 läuft ein Vorlageverfahren vor der Großen Beschwerdekammer, in dem unter anderem geklärt werden soll, ob das durch den Verwaltungsrat eingeführte Patentierungsverbot wirksam ist. Bislang haben sich unter anderem die Europäische Kommission und die Bundesregierung im Sinne des BDP für ein Patentierungsverbot für Pflanzen aus Kreuzung und Selektion ausgesprochen.

„Die Rechtssicherheit in diesem Punkt muss umgehend hergestellt werden. Nur so kann die notwendige Balance zwischen Sorten-und Patentschutz in der Pflanzenzüchtung aufrechterhalten werden“, fordert Dr.Schäfer. Der Sortenschutz ist das primäre Schutzrecht in der Pflanzenzüchtung und ermöglicht es Unternehmen, mit den Sorten ihrer Wettbewerber weiterzuzüchten und daraus entstehende neue Sorten auf den Markt zu bringen. Das Patentrecht ist dagegen auf technische Erfindungen anzuwenden.

Investitionen in neue Sorten finanzieren Pflanzenzüchter über Lizenz-und Nachbaugebühren, die grundsätzlich der Sortenschutz regelt. Das potenzielle Aufkommen an Nachbaugebühren in Deutschland liegt bei ca. 31 Mio. Euro. Tatsächlich erhalten die Züchter jedoch nur 15,4 Miio. Euro. „Dies gefährdet unmittelbar die Innovations-und Investitionsfähigkeit in der Züchtungsarbeit und somit die Zukunft der Landwirtschaft. Wir brauchen daher eine Gesetzesänderung, die den Züchtern einen vollständigen Rückfluss der ihnen zustehenden Gebühren ermöglicht“, so Dr. Schäfer.

Start des Vorbereitungskurses zum/zur Pflanzentechnologiemeister/in

Im November 2019 ist der Vorbereitungskurs zum anerkannten Fortbildungsabschluss zum/zur Pflanzentechnologiemeister/in gestartet. Der Vorbereitungskurs wurde durch den BDP ins Leben gerufen und wird von diesem in Kooperation mit der Ländlichen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt e.V. im Biotechpark Gatersleben durchgeführt. 17 Meisteranwärter und -anwärterinnen werden ihr Wissen im Bereich Pflanzentechnologie in den kommenden drei Jahren berufsbegleitend vertiefen. „Die Nachwuchsförderung und die Qualifikation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein zentraler Bestandteil der BDP-Arbeit. Nur so wird es gelingen, gut ausgebildete Fachleute, die den Anforderungen in komplexer werdenden Arbeitsumwelten gerecht werden, für unsere Branche zu begeistern“, so Dr. Schäfer.

Ausblick 2020

Im Jahr 2020 feiert der BDP sein 75-jähriges Bestehen. Seit 1945 steht der BDP für eine starke, mittelständisch geprägte Pflanzenzüchtung in Deutschland. Zahlreiche Aktivitäten und Veröffentlichungen werden das Verbandsjubiläum 2020 nach außen sichtbar machen. (BDP)

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