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Züchtung bei Lubera Edibles®: Vom Kopf auf die Füße
So selbstverständlich und banal es klingt, so ist diese Ausrichtung eine real existierende Marktlücke. Denn fast alle Arten der essbaren Pflanzen werden nur mit Blick auf die industrielle Landwirtschaft züchterisch bearbeitet - der Garten darf dann die alten Sorten und übriggebliebenen Restposten aufnehmen. Genau diese Prioritätenordnung hat Lubera® mit einer dezidiert auf den Hausgarten ausgerichteten Züchtung von Gemüse, Obst- und Beerenpflanzen vom Kopf auf die Füsse gestellt. Nadja Caille hat ein kurzes Interview mit dem Lubera® Züchter und Spaßvogel Raphael Maier geführt.
Raphael Maier, wie können wir uns das vorstellen, wie wird Züchtung bei Lubera® und Lubera Edibles® praktiziert, wie wichtig ist sie?
Wir betreiben in Buchs (Schweiz) Züchtung auf insgesamt 6 ha, manchmal auch ein bisschen mehr. Bis jetzt haben wir für die Kreuzungen und Sämlingsanzuchten mit Plastiktunnels gearbeitet, aktuell wird gerade das neue Lubera® Züchtungs- und Produktionszentrum gebaut, ein Gewächshauskomplex von 1.6 ha, der dann auch der Züchtung mehr Möglichkeiten gibt. So werden wir in der Lage sein, 12 Monate im Jahr Kreuzungen durchzuführen. Insgesamt sind wir 3 Züchter, viele Kulturarbeiten werden von unserem Produktionsbetrieb erledigt. Aber auch wir Züchter stehen fast täglich in den Kulturen. Wir sind überzeugt, dass es trotz aller Wissenschaft für kreative und produktive Züchtung den direkten Kontakt mit der Pflanze braucht. Geführt wird die Züchtungsabteilung direkt von Lubera® Gründer Markus Kobelt, ist also direkt bei der Geschäftsleitung ‘aufgehängt’.
Mit welchen Projekten sind Sie aktuell im Juni und Juli beschäftigt?
Da komme ich mit Aufzählen fast nicht nach; unsere Saison beginnt im Frühling mit Erstbeeren (Lonicera) und Rhabarber, dann folgen die einmaltragenden Erdbeeren, aktuell selektionieren wir gerade immertragende Erdbeeren mit schönen, halbgefüllten Blüten und Sommerhimbeeren. Mein Highlight heute: ich konnte gerade die ersten reifen Wassermelonen und Honigmelonen aus meinem Melonenprojekt ernten. Ziel: Die Melonen resistenter gegen kühleres und im Sommer doch feuchtwarmes Klima (Pilzkrankheiten!) zu machen, so dass sie in jedem Hausgarten, in jedem Kübel in Mitteleuropa Zuckerwerte von 12 Brix und mehr erreichen.
Was sind die wichtigsten Zuchtziele, kann man das verallgemeinern?
Ja, ganz einfach: Geschmack, Resistenz, Einfachheit der Kultur im Garten. Punkt
Gibt es für Züchter auch den Heureka-Moment, den mystischen Augenblick, wo man plötzlich eine neue Sorte entdeckt, oder ergibt sich alles aus Daten und ihrer sorgfältigen Auswertung?
In der Züchtung hat beides seinen Platz, und das macht unsere Arbeit ja auch so spannend. Gerne sagen wir auch, dass Pflanzenzüchtung Wissenschaft und auch Kunst ist. Wir sammeln von einigen Kulturen, wo dies notwendig ist (z.B Süßkartoffeln) große Mengen von Daten, neben der Selektion vor Ort (von der Pflanze und ihren Früchten) werden dann vor allem diese Daten herangezogen, weil wir ja eine Vielzahl von Eigenschaften züchterisch erreichen möchten. Dazu braucht es zur richtigen Beurteilung auch Daten aus mehreren Versuchsjahren. Aber es gibt auch die anderen Momente, wo man vor einer Pflanze oder einer Pflanzengruppe steht, und wo man nur sagen kann: «Danke oder eben ‘Heureka’, das hier ist garantiert eine neue Sorte. Einen solchen Moment hatte ich vor einigen Tagen in der Brombeerzüchtung, als ich zum ersten Mal die fruchtenden, neuen, kompakten Hängebrombeeren sah: Wenn daraus keine neue Beerenkübelpflanze wird, dann muss ich meinen Beruf überdenken…
Wer entscheidet dann, welche Pflanzen neue Sorten werden und oder was nochmals in die Wartschlaufe muss oder sogar entsorgt wird?
Das entscheiden die Züchter in den von ihnen verantworteten Kulturen grundsätzlich selber, mindestens die Kandidaten werden von den Züchtern ausgewählt. Aber es ist später dann auch sehr hilfreich, wenn man Besucher/Gäste und auch andere Teammitglieder an der Entscheidungsfindung beteiligt. Dazu veranstalten wir auch sehr viele Degustationen, am exotischsten und schwierigsten sind Chili- und Rhabarber-Degustationen… Aktuell ist es gerade etwas, na ja sagen wir mal: angenehmer und einfacher, wir genießen zurzeit die ersten Wasser- und Honigmelonen aus den Züchtungsfeldern…
Raphael Maier, herzlichen Dank für das Gespräch!

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