Gerbera: Eine junge Schnittblume mit Erfolgsgeschichte

1884 fand Robert James, ein Pflanzenhändler aus Durban in Südafrika, einen aparten Korbblütler auf den Goldfeldern von Barberton in Transvaal.

1893 gelangten die Gerbera nach Deutschland - verglichen mit der Geschichte von anderen Schnittblumen wie Tulpen oder Rosen ist das noch gar nicht lange her. Heute gehört die Gerbera weltweit zu den beliebtesten Schnittblumen überhaupt. Foto: PFFH.

Er schenkte „Barberton Daisy", das Barberton-Gänseblümchen, dem Botanischen Garten in Durban, dessen Leiter erkannte in ihr eine Gerbera. 1886 gelangte ein erstes Herbar-Exemplar in den königlichen Garten nach Kew bei London. 1889 wurden die ersten Gerbera registriert, beschrieben und der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese erste wissenschaftliche Beschreibung stammt von J. D. Hooker im Curtis Botanical Magazine. Er beschreibt die südafrikanische „Barberton Daisy" (heute Gerbera jamesonii).

1890 begannen erste Kreuzungsversuche durch Irwin Lynch am Botanischen Garten von Cambridge. Schon 1893 gelangten die Gerbera nach Deutschland, die erste Gerberapflanze wurde von Ferdinand Friedrich Haage in Erfurt kultiviert und das ist - verglichen mit der Geschichte von anderen Schnittblumen wie Tulpen oder Rosen - noch gar nicht lange her. Heute gehört die Gerbera weltweit zu den beliebtesten Schnittblumen überhaupt. Wenn Kinder Blumen malen oder zeichnen, dann ähneln diese sehr oft Gerbera und wenn man sie aus verschiedenen Blumen wählen lässt, dann greifen sie instinktiv zu dem Korbblütler. „Gerbera ist eine echte Kinderblume", das sagt auch die Gerberagärtnerin Joyce Lansbergen, die sich gemeinsam mit ihrem Bruder Mike unter dem Namen LG Flowers im niederländischen Pijnacker in der dritten Generation sehr intensiv, ganzjährig mit dieser Schnittblume befasst. Eine andere Kultur wäre für sie nie in Frage gekommen. Lansbergen gehört zu einer jungen, engagierten Generation Zierpflanzengärtner, die die Schnittblumenkultur revolutionieren und an die Gegebenheiten und Ansprüche der Zeit mit modernsten Mitteln anpassen. Für sie gehören natürliche Biologie und künstliche Intelligenz heute zwingend zusammen, um an dem Ziel festzuhalten, pestizidfrei, CO2-neutral und verantwortlich für die Welt, in der wir leben, zu produzieren. Sie klingt überzeugt und der Produktionsbetrieb spielt im Schnittblumenanbau im Nachbarland keine kleine Rolle. Insgesamt werden in den Niederlanden pro Jahr etwa 900 Mio. Gerberastiele, in 600 Sorten, geschnitten und in den Handel gebracht. Aus den vier Produktionsstätten mit 12 ha Unterglasfläche von LG Flowers kommen jährlich 95 Millionen Stiele, in 78 verschiedenen Sorten, davon 73 Mini-Gerbera. Rund 100 Menschen sind hier beschäftigt. Lansbergen ist in den Niederlanden eine wichtige Stimme für Modernisierung und Nachhaltigkeit und sie erhebt sie bei jeder Gelegenheit. Sie teilt ihr Wissen, öffnet die Türen weit, überzeugt, dass der Weg zur - wie sie sagt - „Absoluten Null" - ohne Gas, CO2-neutral, 100% Regenwasser, keine Pestizide - der einzig richtige ist. Natürlich ist ihr der grüne Daumen schon familiär in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater und ihr Großvater waren ihrer Zeit weit voraus, engagierten sich für geschlossene Wasserkreisläufe und die Verwendung von Regenwasser. In der Generation von Joyce und Mike kommt nun noch die Leidenschaft für high-tech dazu und das Streben, für ein schönes Naturprodukt, das Freude spenden soll, als Gärtner das Bestmögliche zu geben.

Mit diesem Ziel hat der Betrieb in den vergangenen Jahren viel in geeignetes Personal und in die Technik investiert. Pro Quadratmeter Gewächshausfläche liefern die Gerberapflanzen pro Jahr ungefähr 700 Stiele. Die Gewächshäuser sind geschlossene Systeme, die Pflanzen wachsen auf Steinwolle. Die Kultur wird mit künstlicher Intelligenz gesteuert, gewässert und gedüngt und die Qualität der Blüten wird mit KI-Kameras kontrolliert. Über 80 Prozent der Gerberastiele werden an Großhändler, Exporteure und Floristen direkt über den eigenen Webshop verkauft. „Nachhaltigkeit entsteht nur auf einer gesunden finanziellen Grundlage", davon ist Lansbergen überzeugt und plädiert für mehr Anerkennung einer sauberen Produktionsweise im Sektor, aber auch auf Seiten des Handels und der Konsumenten. Wenn heute Schnittblumen frei von Pflanzenschutzmitteln, ohne Gas und CO2-neutral kultiviert werden, ist das noch keine Selbstverständlichkeit. Dass es geht, dafür liefert LG Flowers mit seinen Gerbera den Beweis. Der Schlüssel im Aufspüren von Krankheiten liegt tatsächlich in der Kombination einer biologischen Kulturführung und der Anwendung von Künstlicher Intelligenz, in Kameras, die jede einzelne Blüte auf Auffälligkeiten scannen und Schäden melden. Die Technik wird immer zuverlässiger: während frühere Systeme erst bei Abweichungen von 10% vom Normal reagierten, erfolgt heute schon bei einem Prozent Abweichung eine Reaktion und Anpassung in der Kulturführung. „Jede Herausforderung, die wir mit unseren Kulturen gemeinsam meistern, ist ein Gewinn für uns alle und das macht uns auch ein bisschen stolz", so Lansbergen, für die nie eine andere Blume oder ein anderer Standort als die Niederlande in Frage kam.

Und sonst so...

Die Gerberakultur in Deutschland hatte tatsächlich ihre Wiege in Erfurt. Ihren Namen hat die beliebte Schnittblume auch von einem Deutschen. Der niederländische Botaniker Jan Frederik Gronovius (1686-1762) war unter anderem ein Förderer von Carl von Linné. Er benannte die Gerbera schon 1758 zur Erinnerung an seinen deutschen Kollegen Traugott Gerber (1710-1743). Sie wurde kurz danach in die botanische Nomenklatur aufgenommen und der Name blieb erhalten. Schon vor 300 Jahren waren internationale Beziehungen im Gartenbau gang und gäbe. Noch heute gibt es übrigens eine Traugott Gerber Gesellschaft e.V. - Der Verein hat seit seinem Bestehen (Gründung 2002) wertvolles Wissen zur Regionalgeschichte, der Biografie Traugott Gerbers sowie zur Gerbera zusammengetragen und will ein Lernort zur Bildung für nachhaltige Entwicklung werden. Joyce Lansbergen würde gut dazu passen.

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