- Startseite
- Gartenmarkt
- FNR: Torffreie und torfreduzierte Produk...
FNR: Torffreie und torfreduzierte Produkte im Handel
Der Torfausstieg entscheidet sich nicht allein im Erdenwerk und im Gewächshaus, sondern auch im Handel. Er ist die Schnittstelle zu Verbraucherinnen und Verbrauchern und beeinflusst ihre Kaufentscheidung mit. Für eine hohe Akzeptanz torffreier und torfreduzierter Erden sollten Torfersatzstoffe nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch pflanzenbaulich verträglich, verfügbar und stabil sein. In gemeinsamer Entwicklungsarbeit von Forschung und Gartenbau können hierfür belastbare Lösungen bereitgestellt werden.
Kennzeichnung: Seit dem 27. September gelten neue Regeln
Mit der EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher (EmpCo) und der nationalen Umsetzung im Rahmen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ändern sich die Spielregeln für den Handel. Pauschale Umweltaussagen wie „gut für das Klima“ oder „nachhaltige Erde“ sind demnach nicht mehr zulässig - Nachhaltigkeitssiegel müssen auf einem Zertifizierungssystem beruhen. Eine Lösung bietet HORTICERT, das unter Beteiligung von Substratindustrie, Torfersatzstoffherstellern, Handel, NGOs und Forschung entstand. Es verbindet Nachhaltigkeitsanforderungen, Rückverfolgbarkeit über das Tool HORTI-TRACE und eine Treibhausgasbilanzierung.
Kaufverhalten: Wissen allein reicht nicht
Ergebnisse aus dem Modell- und Demonstrationsvorhaben „Hobbygärtnern ohne Torf“ (HOT2) zeigen, wie Kunden tatsächlich entscheiden. Analysiert wurde das Kaufverhalten von 70 Kundinnen und Kunden in drei Gartencentern in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Erdenkauf ist demnach ein Low-Involvement-Geschäft: Die Kunden suchen selten aktiv nach Informationen, und es gibt wenige Anlaufstellen am Verkaufsort. Die Ergebnisse der Studie am Verkaufsort zeigen:
- Aushänge: Informationsschilder wurden kaum wahrgenommen, teils wurde nur die Überschrift gelesen. Beim Kauf torfhaltiger Erde schauten die Kunden auf den Schildern häufiger nur auf den Preis.
- Beratung: Von neun beratenen Kunden kauften sechs torfhaltige Erde, zwei torffreie, einer beides. Das Verkaufspersonal scheint also häufiger torfhaltige Produkte zu empfehlen.
- Wissen: Wer nichts über Torf wusste, entschied sich in der Stichprobe zu gleichen Teilen für torffrei und torfhaltig. Bei Kunden mit etwas Wissen kauften 70 Prozent torffrei. Wissen führt aber nicht automatisch zum torffreien Kauf und muss in der Kaufsituation aktiviert werden. Verbreitet sind zudem Fehlinformationen, etwa Torf sei ein Dünger.
- Platzierung: Die Regalgestaltung zeigte bei Kunden ohne Torfwissen Wirkung. Standen im ersten Gang torffreie Produkte, kauften 80 Prozent torffrei. Standen dort torfhaltige, waren es nur 29 Prozent.
Die Stichprobe ist klein, und die Auswertung läuft noch. Die Richtung ist dennoch klar: Prominente Platzierung, geschultes Personal und schnell erfassbare Informationen auf der Verpackung erleichtern die Kaufentscheidung.

Kommentare (0)
Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.