ZG Raiffeisen: Zieht gemischte Bilanz

Die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen für die gesamte Agrarbranche spürt auch die ZG Raiffeisen.

Bilanz-Pressekonferenz 2020 in der Badnerhalle in Rastatt. Bild: Ralf Peter/ZG Raiffeisen.

Die ZG Raiffeisen verzeichnet zwar für das vergangene Geschäftsjahr einen vierprozentigen Umsatzzuwachs auf 1.156 Mrd. Euro. Während sich jedoch einzelne Sparten, darunter besonders der Bereich Energie, auch ergebnisseitig hervorragend entwickelten, litt das Betriebsmittelgeschäft enorm. „Einkommensdruck und die scharfe gesellschaftspolitische Diskussion haben zu einer tiefen Verunsicherung in der Landwirtschaft geführt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Ewald Glaser bei der Bilanz-Pressekonferenz.

Die Landwirte reagierten mit Flächenreduzierungen bei Sonderkulturen und Investitionszurückhaltung, führte Glaser weiter aus. Er beobachtet die Entwicklung mit Sorge, was die Zukunft regionaler Agrarproduktion anbelangt: „Wenn die Trendwende nicht bald eingeleitet wird, sehen wir den Obst- und Gemüsegarten Baden in Gefahr.“ Glaser hofft, dass das im Kontext der Corona-Pandemie erwachende Bewusstsein für den Wert regionaler Erzeugnisse anhält und sich weiter verstärkt.

Die Genossenschaft, die im Jahr 2019 2,7 Mio. Euro weniger mit dem Vertrieb von Phytomedizin, Saatgut und Spezialprodukten für den Obst- und Weinbau erwirtschaftete, will die 2018 begonnene Umstrukturierung des Betriebsmittelgeschäftes mit der klaren Zielsetzung einer weiteren Kostenreduzierung forcieren. „Dabei liegt die Herausforderung darin, die Leistungen für unsere Mitglieder nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auszubauen“, so der Vorstandsvorsitzende. Man setze dabei verstärkt auf Digitalisierung der Arbeitsabläufe.

Nahezu alle Bereiche im Aufwind

Angesichts der teils sehr guten Entwicklungen in allen anderen Geschäftsbereichen behauptet sich die Unternehmensgruppe in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung gut. Dies gilt auch für die Agrar-Sparten Getreidevermarktung, Tiernahrung und Technik. Die ZG Raiffeisen Technik-Gruppe bleibt mit weiteren neuen Standorten auf Wachstumskurs und behauptete ihre Vertriebsstärke bei Traktoren. Der Geschäftsbereich Vermarktung konnte nach dem dürrebedingten Einbruch 2018 wieder auf größere Erfassungsmengen bei Getreide und Mais bauen und profitiert bereits jetzt von der erst vor einem Jahr erfolgten Neugründung ECU. Das Joint-Venture mit der CAC Colmar vermarktet Weizen und Mais beider Genossenschaften. Vorteile sind eine gestärkte Marktposition und Synergien insbesondere in der Logistik, die zu Kosteneinsparungen führen.

Im Verbrauchergeschäft setzte sich der starke Aufwärtstrend fort. Die Bereiche Energie und Märkte wuchsen im Umsatz deutlich über dem Branchenschnitt. Die Märkte erzielten inklusive der französischen Trèfle-Vert-Standorte erstmals mehr als 100 Mio. Euro Umsatz. Vorstandsvorsitzender Glaser ist überzeugt, dass hier die konsequente Ausrichtung auf die regionale Herkunft zahlreicher Produkte zunehmend greift. Das 2018 gegründete Joint Venture HGD mit der RWA Wien betreut immer mehr Raiffeisen Märkte auch in Württemberg, Bayern und im Arbeitsgebiet der RaiWa Kassel, wodurch sich die Einkaufsposition laut Glaser signifikant verbessert. Beim Geschäft mit Heizöl, Diesel und Tankstellenbetrieb gelang eine Ergebnisverdoppelung von 2,1 Mio. Euro im Jahr 2018 auf 4,2 Mio. Euro.

Pensionsrückstellungen stellen anhaltende Belastung dar

Dass das Jahresergebnis der Unternehmensgruppe für 2019 trotz zahlreicher positiver Entwicklungen bei lediglich 1.06 Mio. Euro (vor Steuern; Vorjahr 6,6) liegt, ist maßgeblich auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Das Unternehmen entrichtet nach der Einigung im Pflanzenschutz-Kartellverfahren eine Bußgeldzahlung von knapp 5 Mio. Euro an die zuständige Bundesbehörde, 4 Mio. Euro werden den Rücklagen der genossenschaftlichen Konzernmutter entnommen. Auf deren Bilanz drücken auch die Kosten für Pensionsrückstellungen, die infolge der anhaltenden Niedrigzinsphase seit längerem zu einer Belastung führen. „Wir haben wir allein in den vergangenen zwei Jahren fast 3 Mio. Euro zusätzliche Pensionsrückstellungen für ein Versorgungswerk gebildet, das bereits vor 20 Jahren geschlossen wurde“, erläutert Glaser.

Auf die Auszahlung der Dividende wollen Vorstand und Aufsichtsrat verzichten. Die Mitglieder müssen dem in der Generalversammlung am 26. Juni noch zustimmen. Leer ausgehen werden sie nicht. Wie Glaser berichtete, sind Warenrückvergütung und Verzinsung des Genussrechtskapitals ins Bilanzergebnis bereits eingerechnet.

„Wir müssen das Jahr 2019 mit dem negativen Einmaleffekt des Bußgelds abhaken und nach vorne blicken“, so der Vorstandsvorsitzende. Entscheidend sei, dass es sich „um einen einmaligen Vorgang und nicht um ein strukturelles Problem handelt“. Die Genossenschaft könne sich auf eine stabile Vermögenslage stützen. Die Investitionen der Unternehmensgruppe im Jahr 2019 in Standorte in Höhe von insgesamt 24,3 Mio. Euro konnten vollständig aus dem Jahres Cash-Flow finanziert werden.

Ins Geschäftsjahr 2020 gut gestartet

Im laufenden Geschäftsjahr wird die ZG Raiffeisen mit Investitionen etwas zurückhaltender sein – trotz eines sehr guten Starts in den ersten Monaten. Während andere Branchen durch die Corona-Pandemie komplett ausgebremst wurden, durften die ZG Raiffeisen-Niederlassungen als systemrelevante Bereiche geöffnet bleiben. „Wir konnten einen normalen Geschäftsverlauf gewährleisten, der durch den extremen Einsatz unserer Mitarbeiter und unser schon früh eingeleitetes Krisenmanagement abgesichert wurde“, berichtet der Vorstandvorsitzende.

Allerdings sei auch in diesem Jahr wegen relativer Trockenheit einmal mehr nur von einer unterdurchschnittlichen Ernte auszugehen. Und wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der Corona-Krise weiter entwickeln, sei nicht abzusehen. „Das bislang erwirtschaftete Polster gibt uns da ein Stückweit Sicherheit“, betont Glaser. (ZG Raiffeisen)

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