Visselhövede: Norddeutscher Gemüsebautag 2026

Rund 100 Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus dem norddeutschen Gemüsebau kamen in Visselhövede zum diesjährigen Norddeutschen Gemüsebautag zusammen.

Der Vorsitzende der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland Thomas Albers. Bild: Fachgruppe Gemüsebau.

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Die Fach- und Netzwerkveranstaltung der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland e. V. richtet sich einmal jährlich an Betriebsinhaber, Produzenten, Bioproduzenten und Nachwuchskräfte aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen.

Eröffnet und moderiert wurde die Veranstaltung von Thomas Albers, Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland e. V. In seiner Begrüßung dankte er den zahlreichen Sponsoren und Absatzorganisationen, die mit ihrer Unterstützung ein hochwertiges Fachprogramm erst möglich machen.

Gemüsebautag als Spiegel eines herausfordernden Jahres

In seiner Einordnung blickte Albers auf das Anbaujahr 2025 zurück, das von widersprüchlichen Entwicklungen geprägt war. Einerseits sorgten günstige Witterungsbedingungen für einen vielversprechenden Saisonstart, andererseits führten frühe Ernten, hohe Importmengen und verändertes Kaufverhalten der Verbraucher zu einem deutlichen Überangebot und massivem Preisdruck. Für viele Betriebe sei das Jahr trotz guter Produktionsbedingungen wirtschaftlich enttäuschend verlaufen.

Zudem machte Albers deutlich, dass der Gemüsebau zunehmend unter strukturellen Belastungen leidet: Steigende Lohnkosten durch den Mindestlohn, hohe bürokratische Anforderungen, verschärfte Vorgaben der GAP ab 2025 sowie ungelöste energie- und klimapolitische Rahmenbedingungen, insbesondere für den Unterglasanbau.

Pflanzenschutz und Marktbedingungen als Dauerbaustellen

Auch die Pflanzenschutzsituation bleibt angespannt. Die eingeschränkte Zulassung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel, zunehmender Schädlingsdruck – etwa durch Blattläuse, Weiße Fliege oder die Schilf-Glasflügelzikade – sowie fehlende Alternativen stellen viele Betriebe vor existenzielle Herausforderungen. Notfallzulassungen seien derzeit oft die einzige Möglichkeit, Produktionsausfälle zu verhindern.

Fachliche Impulse und Austausch

Inhaltlich bot der Gemüsebautag ein breit gefächertes Fachprogramm. Annette Weißenborn, Justiziarin des ZVG e. V., informierte über aktuelle Entwicklungen im Steuer- und Arbeitsrecht, darunter Mindestlohn, Tarifverhandlungen und Umsatzpauschalierung. Dr. Tim-C. Bartsch, Leiter Kompetenzentwicklung bei EWE NETZ, setzte mit einem interaktiven Vortrag zu Achtsamkeit und mentalem Fokus neue Impulse für Führung und Leistungspotenziale. Einen Blick in die digitale Zukunft des Gemüsebaus warf Astrid Brüggemann M.A., die praxisnah aufzeigte, wie Künstliche Intelligenz bereits heute im betrieblichen Alltag unterstützen kann. Ergänzt wurde das Programm durch Marie Hoffmann, Agrar-Influencerin, die für eine verständliche und positive Kommunikation landwirtschaftlicher Themen in der Öffentlichkeit warb.

Positive Resonanz von Teilnehmern und Sponsoren

Neben dem Fachprogramm boten Pausen und der Präsenz von 15 Sponsoren viel Raum für Austausch und Vernetzung. Die Resonanz fiel durchweg positiv aus. Jörg Greiwe, Vertrieb Agrar Deutschland, zog als Sponsor für AFFELDT Maschinenbau GmbH folgendes Fazit:

„Ich möchte mich herzlich für den sehr gut organisierten und informativen Norddeutschen Gemüsebautag bedanken – auch aus Sicht eines Sponsors. Ich habe viele positive Impulse mitgenommen und werde eine erneute Teilnahme als Sponsor anstreben. Sowohl die Gastredner als auch die Teilnehmenden aus den vielschichtigen Unternehmen und Betrieben waren äußerst interessant. Der Norddeutsche Gemüsebautag bietet einen großen Mehrwert für Austausch, Vernetzung und fachliche Weiterentwicklung.“

Ausblick

Abschließend betonte Albers die Bedeutung einer starken Interessenvertretung für den Gemüsebau. Angesichts steigender Kosten, wachsender Auflagen und zunehmender Marktunsicherheiten werde das Jahr 2026 für viele Betriebe richtungsweisend sein. Ziel bleibe es, Verbraucher weiterhin mit hochwertigem, nach deutschen Standards produziertem Gemüse zu versorgen.

Der nächste Norddeutsche Gemüsebautag findet am 26. Januar 2027 erneut im Tagungshotel Pescheks in Visselhövede statt.

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