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Schweiz: Kartoffelbranche vor der Zerreissprobe
Die kleine Kartoffelernte 2013 kann die Nachfrage weder im Frischkonsum noch bei der Verarbeitungsware decken. Doch wer denkt, an der Kartoffelfront sei es ruhig, täuscht sich.
Der Markt ist unruhig und der Preisdruck auf die inländische Ware unverändert gross. Noch konnten die Preisbänder für die Ernte 2014 nicht festgelegt werden. Bisher galt die Kartoffelbranche als vorbildlich. Mit den swisspatat Handelsusanzen und den jährlich verabschiedeten Übernahmebedingungen bestehen Instrumente, welche die Abwicklung der Geschäfte detailliert regeln. Auch wenn die Verhandlungen hart geführt werden, fand man bisher immer einen Kompromiss, der von allen drei Trägerorganisationen - den Produzenten, dem Handel und der Verarbeitung - mitgetragen und umgesetzt wurde. Die einheitlichen Bestimmungen garantierten für alle Marktplayer gleich lange Spiesse. Doch einigen Lagerhaltern und Abpackbetrieben sind die Übernahmebedingungen zu detailliert und sie fordern eine geringere Regelungsdichte. Mit eigenen Übernahmemodellen möchten sie ihren unternehmerischen Handlungsfreiraum und ihre Konkurrenzfähigkeit vergrößern, um dem Preisdruck an der Verkaufsfront zu begegnen. Nicht zuletzt nachdem die fenaco bei einer Ausschreibung im Herbst 2013 die Migros Ostschweiz und Luzern als Kunden verlor, will nun auch der größte Kartoffelhändler Massnahmen ergreifen. Die fenaco hat ihren Lieferanten in den letzten Wochen mitgeteilt, dass sie bei den festkochenden Sorten Ditta, Nicola und Erika die Kaliber auf 70 mm erweitert, die lieferbare Menge erhöht, aber gleichzeitig den Preis pro hundert Kilo um rund Franken 5.- senkt. Was auf den ersten Blick für den einzelnen Kartoffelproduzenten verkraftbar scheint, hat mittelfristig spürbar negative Folgen auf die ganze Übernahme und Preisfindung in der Branche. Es ist eine massive Abweichung von der Qualitätsstrategie und ein Versuch, Mehrmengen zu einem tieferen Preis zu erhalten. Die VSKP hat der fenaco Lösungen aufgezeigt, die ohne Preisdruck auf die ganze Branche ebenfalls zum gewünschten Ziel geführt hätten. Auch an anderen Fronten sehen sich die Produzenten mit abweichenden Übernahmebedingungen konfrontiert. So ist die Bischofszellnahrungsmittel AG, Verarbeitungsbetrieb der Migros, auf der Suche nach Produzenten, die ?Röstiware? zu einem rund einen Drittel tieferen Preis liefern. Verschiedene Händler versuchen auch immer wieder für den passiven Veredelungsverkehr Kartoffeln günstig einzukaufen. Neuer Lieferant der Migros Ostschweiz ist notabene ein Unternehmen, das bisher nicht in die Branche eingebunden war.
Die Vereinigung der Schweizerischen Kartoffelproduzenten (VSKP) verfolgt die Entwicklung mit grösster Besorgnis. Sie befürchtet, dass sich vermehrte Abweichungen von den offiziellen Übernahmebedingungen zu Lasten der Produzenten auswirken. Beispiele dazu gibt es in der Landwirtschaft genügend! Die VSKP appelliert an alle Marktteilnehmer sich auf die Vorteile einer gut funktionierenden Branche mit fairer Verteilung der Wertschöpfung zu besinnen und sich auf allen Stufen dafür einzusetzen, dass man sich an die Abmachungen hält. Die Produzenten sind aufgefordert, sich bei ihren Abnehmern auf die offiziellen Übernahmebedingungen zu berufen. Die VSKP hat in der Vergangenheit oft bewiesen, dass sie bereit ist, die nötigen Anpassungen zu diskutieren und vorzunehmen, dies wird auch in Zukunft so sein. Die Stabilität der Branche darf aber nicht dem kurzfristigen, eigenen Vorteil geopfert werden. Dem unnötigen Preisdruck ist entschieden entgegenzutreten. Allein durch tiefere Preise kann der Kartoffelkonsum in der Schweiz nicht gesteigert werden! Die Wertschöpfung auf allen Stufen zu erhalten, sollte das gemeinsame Ziel sein. Unregelmässigkeiten sind dem VSKP Vorstand zu melden: Im Interesse aller Kartoffelproduzenten. (VSKP)

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