Schnitthortensien: Üppige Blütenbälle für opulente Vasen

Es war ein heißer Sommer. Wer einen Garten mit Bauernhortensien hat, kann ein Lied davon singen. Ohne reichliche Wassergaben schlappten viele der Blütenbälle, die doch sonst so viel Eindruck machen, wenn es ihnen gut geht.

Bartjan Kolk zeigt stolz seine Hortensien. Schon seit Vater Ko Kolk hat in den 90er Jahren mit der Kultur von Schnitthortensien unter Glas angefangen. Floristen in ganz Europa schätzen die großen Blütenbälle, mit denen sie langlebige, eindrucksvolle Blumendekorationen kreieren. Foto: PFFH.

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Im Schnittblumensortiment des Blumenladens stehen die holzigen Stiele mit den schweren Blütenköpfen dagegen wie eine Eins. Für uns ein Grund, uns mit der Kultivierung von Schnitthortensien einmal näher zu befassen.

Hortensien sind tatsächlich Gehölze und ihre professionelle Verwendung in der Floristik ist gar nicht alt. Noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts kamen die Stiele tatsächlich aus Baumschulen, die die Zweige der Hortensien im Sommer und Herbst an Floristen verkauften. Schnittzweige hieß das damals und es ging um Flieder, Schneebälle, Kirschen und Hortensien. Während die ersteren nur eine kurze Saison haben, ist die der Schnitthortensien ziemlich lang. Deshalb werden sie beispielsweise in den Niederlanden längst geschützt, d.h. unter Glas, von spezialisierten Gärtnern kultiviert und fast ganzjährig angeboten. Der Schwerpunkt liegt allerdings zwischen Mai und November.

Eine starke Rolle im Schnittblumensortiment

Floristen und Blumenfreundinnen haben in den letzten Jahrzehnten die Hortensien für die Vase schätzen gelernt: Sie sind lang haltbare, hochwertige Akzentblumen, die Sträuße opulent und luxuriös aussehen lassen. Sie haben einfach eine sehr starke Präsenz und Farbwirkung, an ihnen guckt man nicht vorbei. Man will sie sogar gern in Sträußen und Arrangements instinktiv anfassen, um ihre Stärke fühlen zu können. Die Farbpalette ist breit, und reicht von Weiß und Grün über Rosa, Blau und Violett bis zu Rot- und Zweifarbvarianten.

Wenn Leidenschaft auf Technik trifft

Bartjan Kolk ist Gärtner und sein Betrieb in Amstelveen befasst sich seit 30 Jahren mit Schnitthortensien. Kolks Vater war einer der Pioniere, der seine Leidenschaft für die Veredlung und die Kultur von Schnitthortensien unter Glas entwickelte. Die erfolgreiche ‘Verena‘ Hortensie (rosa, blau, weiß), stammt beispielsweise aus seiner Züchtung. Kolk bewirtschaftet heute eine Unterglasfläche von 6 Hektar und er ist stolz auf seine Groen Label Gewächshäuser. Groen Label steht für Gewächshäuser, die besonders umweltfreundlich betrieben werden, mit strengen Anforderungen an Klimatisierung, Energieverbrauch, Pflanzenschutz, Lichtemissionen und Wasserverbrauch. Die Gärtnerei hat keinen Gasanschluss mehr, sondern erzeugt eigene Energie. Für die Kultur von Schnitthortensien ist das Heizen und Kühlen der Gewächshäuser essentiell. Mit mehreren Wärmetauschern wird im Sommer Wärme 130 Meter tief im Boden gespeichert und in den kalten Monaten wieder abgegeben, um die Glashäuser zu heizen. Photovoltaikanlagen auf den Dächern produzieren Strom. Die Gewächshäuser werden energetisch nachhaltig betrieben, Gießwasser und selbst Kondenswasser werden recycelt. Ein oberirdisches Reservoir mit einem Volumen von 12.000 Kubikmetern sammelt Wasser, das selbst in diesem heißen Sommer ausreichend war. Für die Verpackung gibt es kein Plastik, nicht einmal Papier. Die geschnittenen Hortensien, - Ko Kolk Hortensia b.v. kultiviert 15 verschiedene Varietäten – sind so stark, dass sie unverpackt an die Versteigerung geliefert werden und auch ohne Folie, Kartons oder Papier in den Handel kommen. Pro Woche werden hier 40.000 Stiele mit einer Länge von 40-80 Zentimetern geschnitten, die ihren Weg über die Versteigerung in Aalsmeer in den Blumenhandel in ganz Europa finden, überall dorthin, wo man die opulenten Blütenbälle für eindrucksvolle Blumensträuße schätzt.

Langlebige Pflanzen für langes Vasenleben

Bartjan Kolk lebt mit seinen Hortensien und er hat für sie das Wetter, die Temperatur im Gewächshaus und auch den Wasserverbrauch ständig im Blick. Um festzustellen, ob die Hortensien Wasser brauchen, werden die Töpfe auf einer speziellen Waage gewogen. Er produziert seine Schnitthortensien in fünf Liter Töpfen auf Steinwolle. Sein Ziel ist die perfekte, klimaneutrale Erzeugung hochwertiger Schnitthortensien, im Pflanzenschutz so weit wie möglich chemiefrei zu sein und gern würde er der Leidenschaft seines Vaters folgend noch mehr gute Sorten veredeln. Aber auch das braucht Zeit - mindestens zehn Jahre bis eine neue Sorte marktfähig ist. Die Kultivierung von Schnitthortensien denkt wirklich in großen Zeiträumen. Die Pflanzen können gut 10 Jahre im Gewächshaus stehen und Blüten treiben. Kolk rechnet mit ungefähr 25 Stielen pro Quadratmeter und Jahr, und selbst wenn die Pflanzen im Gewächshaus ausgedient haben, können sie immer noch weiterleben und blühen.

Hortensientipp vom Profi

Vor allem die Hortensien für die zweite Jahreshälfte, die im Laufe ihrer Blüte auch noch die Farbe wechseln, sind ein großes Vergnügen in der Vase. Die ersten Wochen stehen sie voll im Wasser, dann wird das Wasser langsam reduziert und die Blütenbälle trocknen, ohne wesentlich an Farbe zu verlieren. Wer will, hängt sie für ein paar Tage kopfüber an trockener Stelle an eine Wäscheleine. Wenn auch die Blätter trocken sind, dann können die Schnitthortensien sehr lang trockenstehen und viel Freude machen. Außerdem lassen sie sich auch in winterlichen Kränzen und zu Tischdekorationen verarbeiten. Auch das ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit.

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