Schleswig-Holstein: Erste heimische Erdbeeren

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat jetzt offiziell die Erdbeersaison 2022 auf dem Betrieb von Heinrich Mougin (im Kreis Ostholstein) in Lenste eröffnet.

Kammerpräsidentin Ute Volquardsen (re.) sowie Heinrich und Friederike Mougin präsentierten heute in Grömitz auf dem Familienbetrieb bei der offiziellen Saisoneröffnung die ersten leckeren Früchte. Bild: Daniela Rixen, LWK SH.

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Nach einem nassen Februar gestaltete sich der März und April sonnig. Trotz der kalten Nächte im März und April konnte die Sonne die Erdbeeren in den begehbaren Folientunneln sehr gut erwärmen und die frühe Reife ermöglichen, sodass jetzt die ersten Erdbeeren reif sind.

Präsidentin Ute Volquardsen sagte am Vormittag: „Dieses Jahr beginnt die Erdbeersaison wie im Durchschnitt der Jahre Anfang Mai. Durch den hellen März und April und den wiederum kalten Nächten in dieser Zeit erreichen wir eine gewünschte Erntestaffelung zwischen den unterschiedlichen Anbauverfahren und können den Markt gleichmäßig mit immer frischer Qualität beliefern. Die meisten Erdbeeren waren mit Vlies geschützt, sodass der Frost keinen Schaden anrichten konnte. Im Herbst haben die Erdbeeren eine ausreichende Anzahl Blüten gebildet. Daher rechnen wir in Schleswig-Holstein mit einem guten Ertrag. Aber natürlich bleibt immer noch ein Risiko, denn Landwirte sind stets abhängig vom Wetter und da kann noch einiges passieren im Laufe der Saison. Wenn alles glatt läuft, produzieren wir in Schleswig-Holstein rund 12.000 t Erdbeeren.“ Aufgrund der gestiegenen Energiekosten, Löhne und Logistikkosten ist mit rund 50 ct höheren Preisen pro Pfund Erdbeeren zu rechnen. Zum Beginn der Saison, wenn das Angebot noch klein ist, kostet die 500-g-Schale zwischen 5 und 6 Euro. In der Hauptsaison werden die Preise sinken.

Erdbeeranbau in Schleswig-Holstein

Erdbeeren wurden zuletzt von 82 Betrieben auf einer Freilandfläche von insgesamt 935 ha erzeugt. Die größten Flächen liegen in den Kreisen Herzogtum Lauenburg (200 ha), Plön und Ostholstein (200 ha). Im Erhebungsjahr 2021 wurde aufgrund feucht-warmer Witterung ein sehr niedriger Durchschnittsertrag von 78,8 dt/ha erzielt. So konnten nur rund 5.950 t der beliebten Früchte geerntet werden. Für die diesjährige Saison hoffen, die Erzeuger auf bessere Erträge. Der Anbau von Erdbeeren unter Folientunneln nimmt beständig zu. So konnten bereits 75 ha ermittelt werden, auf der diese ernteverlängernde Produktionsmethode zum Einsatz kam. Alle Erdbeerbetriebe in Schleswig-Holstein verfrühen einen Teil ihres Anbaues. Das sind rund 300 ha und 30% der Gesamtanbaufläche (darunter 75 ha in Folientunneln und 200 ha mit Vlies verfrüht). Weitere 650 ha Erdbeeren stehen ohne Verfrühung im Freiland.

Kurze Wege durch Direktvermarktung

Der Vorteil der schleswig-holsteinischen Anbauer ist die Marktnähe: Kurze Transportwege ermöglichen besonders geschmacksstarke Sorten und vor allem ein spätes Pflücken reifer Früchte. Viele Erdbeererzeuger setzen auf die Direktvermarktung: In Hofläden oder Verkaufsständen an verbrauchernahen Standorten bieten sie die Früchte pflückfrisch an. Auch bei Heinrich Mougin ist die Direktvermarktung ein wichtiges Standbein.

Wenn die Früchte zahlreich an den Pflanzen hängen, setzt er – wie viele seiner Kollegen – auf Selbstpflücken. Dann können die Verbraucher die leckeren Früchte selber ernten und probieren. Gerade für Kinder ist dieses Naturerlebnis besonders wertvoll, da sie so hautnah erfahren und schmecken, wo die gesunden Nahrungsmittel wachsen.

Regionale Erdbeeren schonen das Klima

Wenn Erdbeeranbauer bereits im Mai regional erzeugte Früchte anbieten können, geht die Nachfrage nach Import-Erdbeeren aus Südeuropa zurück. Die Erdbeerproduktion in Importländern wie beispielsweise Spanien verbraucht weit mehr Wasser als hierzulande. Zudem ist Wasser in diesen Ländern ein kostbares, knappes Gut. Außerdem entsteht beim Transport zusätzlich klimaschädliches CO2. Der Selbstversorgungsgrad, der Anteil an in Deutschland produzierten und verzehrten Erdbeeren liegt bei rund 60%. Die Empfehlung der Landwirtschaftskammer ist, Erdbeeren direkt vor der Haustür beim Erzeuger zu kaufen. Die Früchte schmecken, sind frisch und durch die kurzen Wege wird die Umwelt geschont.

Frühjahrsentwicklung und Folienschutz

Dank der Folien stehen Erdbeeren hierzulande nicht erst im Juni bereit. Die Folienauflage zur Verfrühung der Erdbeeren erfolgte wie in anderen Jahren auch im Februar. Die Erdbeeren haben schon Anfang März mit dem Wachstum begonnen. Die Felder werden zur Verfrühung ab Mitte Februar mit Folien und Vlies bedeckt. Die Sonne erwärmt dann die Pflanzen und auch den Boden viel schneller. Nach dem nassen Februar brachten der sonnenreiche März und April schnell steigende Temperaturen im begehbaren Folientunnel. Sonne bedeutet immer guter Geschmack.

Erdbeersaison reicht bis in den Herbst

Anders als beim Spargel hat die Erdbeersaison keinen Stichtag, wann sie endet. Eher im Gegenteil, mit sogenanntem Frigo-Anbau und mit tagneutralen Sorten, die den ganzen Sommer über blühen und fruchten, verlängern einige Betriebe die Erdbeersaison. Im Frigo-Anbau werden eingefrorene Pflanzen im Frühjahr zu einem planbaren Termin gepflanzt und ca. 60 Tage nach der Pflanzung kann mit der Ernte begonnen werden. Mit „tagneutralen“ Erdbeersorten wird die Ernte bis in den September hinein verlängert. Dabei gilt, dass sowohl die ersten als auch die letzten Früchte der Saison am Markt etwas mehr kosten als in der Hochsaison.

Frühe und späte Sorten

Eine sehr frühe Erdbeere im Folientunnel ist die Sorte 'Flair'. Eine weitere gängige Frühsorte für den Tunnel ist 'Clery', die auch auf dem Betrieb Mougin angebaut wird. Im Freiland kommt dann die Frühsorte 'Rumba'. Diese Sorte hat ein sehr gutes Erdbeeraroma und eine frische Farbe.

Süßes und gesundes Obst

Erdbeeren sind lecker und gesund: 100 g Erdbeeren haben lediglich 32 Kilokalorien. Sie haben einen hohen Gehalt an Fruchtsäuren, Mineralstoffen und Vitamin C. Fünf bis sechs Erdbeeren reichen, um den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C zu decken. (LWK S-H)

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