Phosphor: Revolution aus Regensburg

Im 17. Jahrhundert wurde Phosphor mit Gold aufgewogen. Heute sind dessen Verbindungen aus Alltag und Industrie nicht wegzudenken. Regensburger Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, Phosphor-Produkte deutlich effizienter und umweltfreundlicher herzustellen. Die neue Methode könnte weltweit für Furore sorgen.

Regensburger Wissenschaftler setzen bei der Herstellung von Phosphorverbindungen auf ein neues Verfahren. Foto: obx-news/Uni Regensburg/Ulrich Lennert.

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Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel - Phosphorverbindungen sind in Alltag und Industrie heute unverzichtbar. Hergestellt werden sie jedoch in einem wenig effizienten mehrstufigen Verfahren, bei dem Chlorgas verwendet wird. Chlorgas ist eine aggressive, giftige Chemikalie. Das Chlor muss anschließend wieder aus den Phosphorverbindungen entfernt werden, denn es ist nicht in den gewünschten Endprodukten enthalten, sondern wird nur für deren Herstellung benötigt. Regensburger Wissenschaftlern ist es jetzt gelungen, eine neue, einfachere und umweltfreundlichere Methode zu entwickeln, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Die Regensburger Forschergruppe um den Chemiker Professor Dr. Robert Wolf hat nun eine katalytische Methode für die direkte Herstellung von Phosphorverbindungen entwickelt, die ohne chlorhaltige Zwischenprodukte auskommt. Das renommierte Magazin "Nature Catalysis" veröffentlichte die Erkenntnisse der ostbayerischen Wissenschaftler jetzt.

Die Chemiker setzen dabei auf einen Katalysator aus dem Edelmetall Iridium. Dadurch lässt sich weißer Phosphor - im 17. Jahrhundert einst mit Gold aufgewogen - direkt in organische Phosphorverbindungen umwandeln. Das neue Verfahren ist einstufig und ermöglicht die direkte Synthese nützlicher Phosphorchemikalien. Der Katalysator wird hierbei in geringen Mengen benötigt, um die Reaktion zu beschleunigen. Damit sei diese Methode effizienter und umweltfreundlicher als herkömmliche Verfahren, sagt Professor Wolf.

Die Wissenschaftler untersuchen nun, wie sie die Iridiumverbindung durch einen anderen Katalysator ersetzen können. Denn Iridium ist teuer. Dadurch ist die neue Methode derzeit noch mit hohen Kosten verbunden. Auch die bisher verwendeten Ausgangsmoleküle wollen die Forscher austauschen. Das neue Verfahren könnte künftig noch große Schlagzeilen machen: Durch einen günstigeren Katalysator und gut verfügbare Ausgangsmaterialien, wie Chlorbenzol, könnte das katalytische Verfahren zu Herstellung von Phosphorverbindungen auch für die Industrie eine attraktive Alternative sein. (obx)

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