Pflanzenschutz: Traktorkabinen können ausreichend sein

Einsatz von dicht schließenden Fahrerkabinen mit Luftfiltration im Pflanzenschutz.

Tabelle 1 liefert eine Definition der verschiedenen Kabinentypen im Sinne dieser neuen Regelung. Bild: BVL.

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Auch Traktorkabinen der Kategorie 2 können Anwender ausreichend vor Spritznebel schützen. Deshalb können Anwender in solchen Kabinen unter bestimmten Voraussetzungen auf das Tragen von Schutzausrüstung für Haut und Augen verzichten. Die neue Regelung gilt, bis laufende Versuche zum Anwenderschutz abgeschlossen sind.

Dicht schließende Fahrerkabinen können Anwender während der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln wirksam vor einer Exposition insbesondere durch Spritznebel schützen. Die Schutzwirkung ist abhängig von der technischen Ausgestaltung und Handhabung der verschiedenen Kabinentypen und lässt sich in Kategorien mit unterschiedlichem Schutzniveau einteilen.

Bisher regelte die Kennzeichnungsauflage SB1991, welche Kabinentypen bei selbstfahrenden Anwendungsgeräten oder Traktoren geeignet sind, persönliche Schutzausrüstung (PSA) beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln zu ersetzen. Seit Einführung der Auflage im Jahr 2017 wurde sie immer dann erteilt, wenn mit der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels PSA für die Ausbringung des Mittels erforderlich ist.

Auch in der BVL-Richtlinie „Persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ (BVL PSA-Richtlinie, 2017) ist die Auflage SB199 beschrieben und hat damit allgemeine Gültigkeit erlangt.

Inzwischen hat das BVL durch vielfältige Kontakte zu Praktikern und beteiligten Behörden Erfahrungen zur Akzeptanz, Praktikabilität und Umsetzung der Auflage SB199 gesammelt. Es ergab sich folgender Optimierungsbedarf:

  • In der Fachmeldung „Schutzausrüstung bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln in Fahrzeugen mit Überdruckkabinen“ fehlt bei der Liste der PSA, die durch die Abschirmwirkung einer geeigneten Schlepperkabine ersetzt werden kann, der Hinweis auf Augen- und Gesichtsschutz.
  • Es ist eine deutlichere Klarstellung erforderlich, dass der Inhalt der Auflage SB199 im Sinne der generellen Regelung in der BVL-PSA-Richtlinie für alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel gilt.
  • Die Schutzwirkung der unterschiedlichen Kabinentypen (Kategorien) sollte klarer dargestellt werden. Eine übersichtliche Darstellung wird benötigt, welche PSA durch welche Kabinen ersetzt werden kann.
  • Die meisten Bestandstraktoren verfügen nicht über Kabinen der Kategorien 3 oder 4. Die Beschränkung der SB199-Regelung auf Kabinen der Kategorien 3 und 4 birgt somit die Gefahr, dass im Zuge von Tätigkeiten beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit und Befüllen des Gerätes kontaminierte Schutzanzüge und Schutzhandschuhe nicht gewechselt werden und dadurch der Innenraum der Kabine kontaminiert wird.

Neue Regelung

Die bisherige Ausnahmeregelung der Auflage SB199 zur Eignung von Traktorkabinen als Ersatz für PSA wird um den Kabinentyp Kategorie 2 erweitert. Nach aktuellem Stand geht das BVL davon aus, dass auch entsprechend definierte, geschlossene Traktorkabinen, die nicht den Kategorien 3 oder 4 zuzuordnen sind, eine ausreichend hohe Abschirmwirkung gegen Spritznebel ausüben. In diesem Sinne können Kabinen der Kategorie 2 PSA zum Schutz der Haut und der Augen ersetzen. Die Regelung gilt für Anwendungen in Flächen- und Raumkulturen mit Kabinen, die den unten genannten Kriterien entsprechen und in Kombination mit angebauten, gezogenen sowie mit selbstfahrenden Geräten eingesetzt werden.

Aktuell werden experimentelle Studien durchgeführt, um die neue Regelung zu überprüfen. Daher wird die Erweiterung der bisherigen Regelungen aus der Auflage SB199 zunächst auf eine Übergangsphase von 4 Jahren befristet. Sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind, erfolgt eine Überprüfung und ggf. Anpassung der neuen Regelung unter Berücksichtigung der neuen Datenlage zur Abschirmwirkung von Kabinen der Kategorie 2. Die erweiterte Regelung gilt ab sofort für alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel, bei denen für die Ausbringung des Mittels PSA (Schutzanzug, Schutzhandschuhe, Augen- und Gesichtsschutz oder Atemschutz) vorgeschrieben ist.

Der Verzicht auf PSA in geeigneten Fahrerkabinen ist nur zulässig, wenn Fenster, Türen und weitere Lüftungsöffnungen während der Anwendung geschlossen sind. Die Kennzeichnungsauflage SB199 wird künftig nicht mehr im Zulassungsverfahren bei den jeweiligen Mitteln berücksichtigt. Es ist jedoch nicht vorgesehen, alle früher erteilten Kennzeichnungsauflagen (SB199) durch Änderungsbescheide zu streichen.

Über die regelmäßig erteilte Kennzeichnungsauflage SB111 erfolgt bereits jetzt der Hinweis auf die BVL-Richtlinie „Persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ (BVL PSA-Richtlinie, 2017). Die Richtlinie wird zurzeit aktualisiert. Bis zur Veröffentlichung einer aktualisierten Fassung ersetzt diese Fachmeldung den Inhalt des Abschnittes „Verwendung von Traktoren mit Luftfiltration“.

Verhalten bei Unterbrechung der Anwendung mit Verlassen der Fahrzeugkabine

Es kann vorkommen, dass die Pflanzenschutzmittelanwendung unterbrochen werden muss, um Einstellungen oder Reparaturen am Gerät oder Arbeiten an den behandelten Kulturen vorzunehmen.

Bei allen Tätigkeiten außerhalb der Kabine mit Kontakt zur behandelten Kultur oder kontaminierten Oberflächen ist die für das Pflanzenschutzmittel vorgeschriebene PSA zu tragen. Um die Kontamination des Kabineninnenraumes zu vermeiden, ist die Kabine nicht mit kontaminierter PSA zu betreten.

Ist für die Ausbringung des Pflanzenschutzmittels ein Schutzanzug (Pflanzenschutz) vorgeschrieben2, so kann bei Tätigkeiten außerhalb der Kabine alternativ zu diesem Schutzanzug auch eine Kombination aus Arbeitskleidung und Ärmelschürze getragen werden. Dies gilt, wenn Tätigkeiten durchgeführt werden, bei denen insbesondere die vordere Körperseite exponiert wird, z.B. Behebung von Gerätestörungen oder Reinigung der Ausbringungsgeräte.

Kontaminierte PSA sollte außerhalb der Kabine, vorzugsweise in einem dafür vorgesehenen Behältnis am Ausbringungsgerät oder am Traktor aufbewahrt werden. Kontaminierte Mehrweg-Handschuhe sollten vor dem Ausziehen abgewaschen werden. Generell wird die Verwendung von Einweg-Handschuhen empfohlen, die nach Gebrauch entsorgt werden. Die Hände sollten vor Wiederbetreten der Kabine mit klarem Wasser gereinigt werden. (BVL)

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