ÖKO-TEST: Schimmelige Tomaten in jeder fünften Passata

Zehn von 50 passierten Tomaten im Test haben ein deutliches Problem mit Schimmelpilzgiften.

Zehn von 50 passierten Tomaten im Test haben ein deutliches Problem mit Schimmelpilzgiften. Bild: ÖKO-TEST.

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Bei der Herstellung landen schimmelige Tomaten in den Gläsern und Dosen. Betroffen sind vor allem Bio-Marken. Immerhin schneiden aber auch 17 Passata mit Bestnote ab. Passierte Tomaten bilden zu jeder Jahreszeit eine aromatische Grundlage für Saucen und Suppen. Allerdings hat unser Test Unappetitliches zu Tage gefördert: In jeder fünften Passata kritisiert ÖKO-TEST giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen. Das bedeutet, bei der Herstellung sind schimmelige Tomaten in Gläser und Dosen gewandert.

Die entdeckten bedenklichen Schimmelpilzgifte zählen zu den Alternariatoxinen. Die Schwärzepilze der Gattung Alternaria, die auf Pflanzen weit verbreitet sind, produzieren diese Gifte.

Kritik an Schimmelpilzgiften in passierten Tomaten

"Wir kritisieren Schimmelpilzgifte, weil sie ein mögliches Gesundheitsrisiko bergen. So hat das Gift Alternariol (AOH) in Zellstudien das Erbgut geschädigt und eine östrogenähnliche Wirkung gezeigt. Die in unserem Test häufiger festgestellte Tenuazonsäure (TEA) hat in Tierversuchen die Bildung körpereigener Proteine gehemmt, was zu Organschäden führen könnte.Um mehr über die Wirkungen der Gifte zu erfahren, müsste die Wissenschaft sich dringend intensiver mit den Stoffen befassen: "Insgesamt ist die Datenlage noch dünn und es besteht dringender Forschungsbedarf", sagt Markus Schmidt-Heydt, der sich am Max Rubner-Institut mit den Schimmelpilzgiften beschäftigt.

Neben hohen TEA- oder AOH-Gehalten ist der Stoff Ergosterol ein Hinweis auf verarbeitete gammlige Früchte. Er steckte auch in den meisten passierten Tomaten mit hohen TEA- oder AOH-Gehalten. Der Stoff an sich ist allerdings gesundheitlich unbedenklich.

Übrigens: Verpflichtende gesetzliche Grenzwerte für Alternariatoxine gibt es bislang nicht. Sie sind auch nicht in Arbeit. Vorgesehen sind zunächst nur Richtwerte ("indicative levels"), bei deren Überschreitung die Hersteller gehalten sind, die Ursachen zu ermitteln.

Passata mit Bio-Qualität besonders betroffen

Auffällig: Drei der vier besonders deutlichen Belastungen mit Pilzgiften hat das beauftragte Labor in Bio-Produkten gefunden. Das ließe sich zwar erklären. So argumentierte ein Hersteller, er habe es deshalb schwerer, Schimmelpilzbelastungen zu minimieren, weil Bio-Landwirte keine Fungizide spritzen dürfen.Allerdings zeigen 19 von 27 Bio-Produzenten, dass es besser geht. In der Praxis heißt das: Verdorbene Tomaten vor dem Verarbeiten per Hand oder elektronisch aussortieren.

Pestizidgehalt überschreitet gesetzlichen Grenzwert

Was gibt es außerdem über die Inhaltsstoffe der passierten Tomaten im Test zu sagen? Einmal hat das von ÖKO-TEST beauftragte Labor das in der Europäischen Union längst verbotene Pestizid Chlorfenapyr gefunden. Der Wert liegt klar oberhalb des gesetzlichen Rückstandshöchstgehalts. Chlorfenapyr steht etwa beim Pestizid Aktionsnetzwerk PAN auf der Liste der weltweit besonders gefährlichen Pestizide, weil es stark bienengiftig ist.

Doch damit nicht genug. In dem Produkt stecken sechs weitere Pestizide in Spuren, darunter das ebenfalls bienentoxische Cypermethrin. Laut Anbietergutachten waren in einem chargengleichen Rückstellmuster keine Pestizidrückstände nachweisbar.

Passierte Tomaten: Über Arbeitsrecht und Transparenz

Weil im Geschäft mit den Tomaten weltweit viel im Argen liegt, was Arbeitsrecht, Transparenz und Transportwege betrifft, haben wir den Herstellern auch Fragen zu ihren Lieferketten und zum Anbau der Tomaten geschickt.

Wie steht es um die Arbeitsbedingungen?

Reguläre Arbeitsverträge, gesetzlicher Mindestlohn, das Recht auf Gewerkschaften – das sollten auch im Tomatenanbau Selbstverständlichkeiten sein. Tatsächlich konnte uns jedoch nur knapp die Hälfte der Anbieter von ihren Bemühungen um faire Arbeitsbedingungen überzeugen: mit Zertifikaten und Auditberichten, die sich an internationalen Sozialstandards orientieren.

Branchenvereinbarungen, Lieferantenverträge oder Firmenleitbilder, die keiner unabhängigen Kontrolle durch Dritte unterliegen, ließ ÖKO-TEST nicht als Beleg gelten.

Woher kommen die Tomaten?

Auf 40 Packungen ist ausdrücklich Italien als Herkunftsland angegeben. Tatsächlich konnten die Hersteller uns in den meisten Fällen auch mit Lieferdokumenten den Anbau der Tomaten in Italien plausibel darlegen. Sogar für die acht Produkte ohne Herkunftshinweise auf der Verpackung bekamen wir Belege für den Anbau in Italien.

Nebulös bleibt dagegen ausgerechnet die Herkunft der Tomaten mit dem besonders regionalspezifischen Namen Gustibus Passierte Tomaten mit sizilianischen Kirschtomaten. Auf der Rückseite der Flasche findet sich der Hinweis, dass die sizilianischen Früchte gerade einmal 49,9% ausmachen. Belege schicktedie Firma weder dafür noch für die restlichen 50,1%. (ÖKO-TEST)

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