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Niederbayern: Kartoffelwissen für Deutschland und den Rest der Welt
Die "Erdäpfel-Experten" eines Traditionsbetriebs aus Ostbayern helfen neben internationalen Besuchern aus Afrika und Indien auch heimischen Landwirten dabei, ihre Kartoffelernte zu steigern - weil die niederbayerischen Erdäpfel in ganz Europa immer beliebter werden.
"Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln", heißt es im Sprichwort. Dass der Volksmund in diesem Punkt nicht Recht hat, beweist seit vielen Jahren ein niederbayerischer Traditionsbetrieb: Gäste aus der ganzen Welt geben sich dort regelmäßig die Klinke in die Hand, um die neuesten Erkenntnisse rund um den Anbau der stärkehaltigen Knollen mit nach Hause zu nehmen. Erst vor kurzem stapfte eine Expertengruppe aus Kamerun, Tunesien, Nigeria, Indien und Kenia über die Versuchsfelder der Hermann Sagstetter GmbH & Co. KG aus Stephansposching im Landkreis Deggendorf. Das Ziel der Aktion in Zusammenarbeit mit der deutschen Entwicklungshilfe: den Gästen aus Afrika und Asien zu zeigen, welche Kartoffeln bei welchen Klimabedingungen am besten angebaut werden sollten und was speziell nach der Ernte notwendig ist, um qualitativ hochwertige Kartoffeln auf den Teller des Verbrauchers zu bringen. Auch heimische Bauern beraten die "Erdäpfel-Experten" des 1927 gegründeten Handelshauses in allen Fragen rund um Speisekartoffeln und -zwiebeln.
Die Deutschen lieben ihre Kartoffel. "Morgens rund, mittags gestampft und abends in Scheiben, so soll es bleiben. Es ist gesund", wusste schon der große Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe. Knapp 60 kg der gelben Knollen verspeist der Durchschnittsdeutsche jedes Jahr. Die Pflanzen, die einst als Ziergewächse nach Europa kamen, bringen es in der Bundesrepublik auf eine Anbaufläche von rund 240.000 ha. Das entspricht in etwa der Größe des Saarlands.
So einfach, wie das Sprichwort mit den dicken Kartoffeln und den weniger intelligenten Landwirten suggeriert, ist das Anbau nicht. Maximalen Ertrag gibt es nur mit den richtigen Sorten. Denn die Pflanzen sind anspruchsvoll: Es darf nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken, nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt sein. "Deshalb beraten wir die knapp einhundert Bauern, mit denen wir zusammenarbeiten", sagt Hermann Josef Sagstetter, der das Unternehmen in dritter Generation führt.
Auf der Empfehlungsliste der niederbayerischen "Kartoffel-Forscher" steht die Sorte "Gala", die verlässlich hohe Erträge und gute Qualität liefert. Hermann Sagstetter entdeckte sie einst selbst in Ostdeutschland. Eines hat der 53-jährige Knollenexperte in den vergangenen Jahren festgestellt: Die Wünsche des Verbrauchers verändern sich. Festkochende Sorten sind stärker gefragt als früher. Und der Kunde wünscht sich seine Erdäpfel gewaschen und poliert. Auch deshalb investierte der Betrieb vor sechs Jahren in eine rund eineinhalb Millionen Euro teure neue Aufbereitungs- und Abpackanlage mit einer Kartoffelpoliermaschine. Bis zu 30 t Kartoffeln pro Stunde kann der Betrieb damit heute annehmen. Gepackt werden pro Tag bis zu 150 t Kartoffeln und Zwiebeln. Und das alles sehr schonend, denn die Knolle ist eine Diva: Mechanische Belastungen und starke Temperaturschwankungen mag sie gar nicht.
Die rund 17.000 t Kartoffeln, die die Sagstetters jedes Jahr in Deutschland, aber auch in ost- und südeuropäische Länder vermarkten, stammen überwiegend von bayerischen Bauern, denn auf den nährstoffreichen Böden fühlt sich die tolle Knolle besonders wohl.
Rund zwei Drittel des Jahresumsatzes erwirtschaften die neun fest angestellten Mitarbeiter, unterstützt von 20 Saisonkräften, mit dem Handel von Kartoffeln, den Rest mit der Vermarktung von Speisezwiebeln. Wegweisend für den Erfolg bei der Internationalisierung des Unternehmens war eine neue Vertriebs- und Exportstrategie in den neunziger Jahren. Damals entschied sich Hermann Sagstetter, ohne Zwischenhändler und Agenturen direkt mit gepackter Ware in den Export zu gehen - eine große Herausforderung. Dieser aufwendige Weg funktioniert bis heute - auch dank des exzellenten Rufs der Knollen aus dem Osten des Freistaats. "Weil die niederbayerische Kartoffel so beliebt ist, fällt es uns leicht, neue Märkte zu erschließen", sagt der Geschäftsführer. Die Zahl der belieferten Exportländer wächst laufend. Niederbayerische Erdäpfel landen neuerdings auch auf Tellern in der Schweiz und Frankreich. (obx)

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