Mindestlohn: Bereitet Betrieben und Saisonarbeitern ernste Probleme

Aus Sicht der Landwirtschaft ist der Mindestlohn in Deutschland grundsätzlich wichtig, um den Arbeitnehmern eine angemessene Grundsicherung zu gewährleisten.

Anzeige

Aus Sicht der Landwirtschaft ist der Mindestlohn in Deutschland grundsätzlich wichtig, um den Arbeitnehmern eine angemessene Grundsicherung zu gewährleisten. Die Neuregelungen zum Mindestlohn haben aber bereits im vergangenen Jahr bei der Einführung für reichlich Frust in der heimischen Landwirtschaft gesorgt. Vor allem Sonderkulturbetriebe, die sich seit vielen Jahren auf die Hilfe meist osteuropäischer Saisonarbeitskräfte stützen, klagen über eine massive Zunahme bürokratischer Lasten nach dem Inkrafttreten des neuen Mindestlohns am 1. Januar 2015.

Jörg Umberg, Direktvermarkter aus Bottrop-Kirchhellen, hat in den vergangenen Monaten festgestellt, dass der Druck auf den Markt deutlich zugenommen hat. „Die neuen Regelungen zum Mindestlohn waren sicherlich gut gemeint, aber leider sind sie nicht gut gemacht. Steigende Kosten auf dem Betrieb führen auch dazu, dass die Leistungsbewertung der einzelnen Mitarbeiter stärker in den Fokus rückt – mitunter müssen wir auch prüfen, ob der maschinelle Einsatz auf Dauer kostendeckender ist“, weiß Jörg Umberg.

„Einige Saisonarbeitskräfte haben den Weg auf die Höfe in diesem Jahr gar nicht erst angetreten, weil sich nach ihrer Einschätzung die Stundenreduzierung durch einen Tag verordneter Arbeitspause finanziell nicht rentiert. Die Mitarbeiter haben durch die Anreisekosten, die doppelte Haushaltsführung und andere Faktoren bislang kaum oder sehr wenig Lohnsteuer zahlen müssen. Mit nun steigenden Bruttolöhnen müssen auch sie nun Lohnsteuer bezahlen. In zunehmendem Maße bleibt die Lohnerhöhung also theoretisch: Zum einem weil die Personen weniger Stunden arbeiten dürfen, zum anderen weil die Lohnsteuer das Netto-Entgelt schmäler“, so Betriebsleiter Jörg Umberg.

Seitens der Landwirtschaft wird vor allem gefordert, dass es Erleichterungen im bürokratischen Bereich insbesondere bei den Aufzeichnungspflichten gibt. Dies hätte Vorteile für Betriebsabläufe und würde sich insofern auch auf die Mitarbeiter positiv auswirken. „Unsere Betriebsinhaber sind in der Erntezeit ganz besonders auf die Unterstützung durch Saisonarbeitskräfte angewiesen. Wenn diese mit ihren Arbeitszeiten nicht zufrieden sind und im nächsten Jahr nicht mehr auf die Betriebe kommen, kann uns das nicht zufriedenstellen“, weiß Friedrich Steinmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, aus Gesprächen mit seinen Berufskollegen. (WLV)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.