Spargel- und Erdbeeranbauer: 90% melden Erntehelfer-Mangel

Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) hat eine Umfrage unter rund 1.000 Spargel- und Beerenanbaubetrieben durchgeführt.

Laut der Umfrage hat sich bei 90% der Spargel- und Erdbeeranbauer die Situation der Saisonarbeitskräfte verschlechtert. Bild: GABOT.

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Angesichts des verschärften Mangels an Erntehelfern in dieser Saison hat der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) eine Umfrage unter rund 1000 Spargel- und Beerenanbaubetrieben durchgeführt. Insgesamt nahmen 354 Mitglieder des VSSE, der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, der Spargelvereinigung Westfalen-Lippe sowie des Verbandes Ostdeutscher Spargel- und Beerenanbauer an der Befragung teil. Laut der Umfrage hat sich bei 90% der Spargel- und Erdbeeranbauer die Situation der Saisonarbeitskräfte verschlechtert, bei 50% davon sogar deutlich verschlechtert.

„In dieser Saison hat sich die Lage deutlich zugespitzt. Ein Teil der Ernte konnte sogar nicht eingeholt werden. Hier ist dringend Handlungsbedarf auf politischer Ebene notwendig. Der Erhalt der 3-Monate-Regelung für die sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung von Erntehelfern ist unabdingbar. Ein beschleunigtes Visaverfahren für Arbeitskräfte aus dem Westbalkan und der Zugang zu Saisonarbeitskräften aus der Ukraine sind für uns absolut notwendig,“ erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE).

Ernteausfall durch fehlende und vorzeitig abgereiste Erntehelfer

Laut der Umfrageergebnisse konnten 79% der Betriebe einen Teil ihrer Ernte wegen Personalmangel nicht einholen. 13% geben an, dass sie mehr als 20% des Spargels bzw. der Beeren nicht ernten konnten.

83% der Betriebe teilen mit, dass Erntehelferinnen und -helfer vorzeitig abgereist sind. Als Gründe sind unter anderem das frühzeitige Erreichen des Lohnziels und einfachere Arbeitsangebote aus anderen Industriezweigen bekannt. Über 12% der Anbauer sagen, dass mehr als ein Fünftel der Saisonarbeiterinnen und -arbeiter ihre Tätigkeit vorzeitig abgebrochen haben. 34% der Befragten geben an, dass 11 bis 20%  vorzeitig abgereist sind. Bei 18% der Befragten sind es 6 bis 10%. Bei 21% der Betriebe sind keine Arbeitskräfte, bei knapp 17% sind bis zu 5% der Arbeitskräfte vorzeitig abgereist, was einer üblichen vorzeitigen Abreisequote entspricht.

Verschärfung der Situation durch anstehender Fall der 3-Monate- bzw. 70-Tage-Regelung

2019 soll die 3-Monate- bzw. 70-Tage-Regelung auf die 2-Monate- bzw. 50-Tage-Regelung für die sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung zurückfallen. Dadurch, dass die meisten Betriebe drei Monate lang Saisonarbeitskräfte benötigen, und durch die Tatsache, dass Erntehelfer es vorziehen, drei Monate lang den Lohn ohne Abzüge der Sozialversicherung zu erhalten, wird sich der Personalmangel nochmals verschärfen. 73% der Anbauer schätzen, dass 16 bis über 20% der Saisonarbeitskräfte nicht mehr kommen, wenn sie sozialversicherungspflichtig werden.

Zudem profitieren Erntehelferinnen und Erntehelfer nur gering von den Sozialversicherungsbeiträgen, da beispielsweise die Anwartschaft bei fünf Jahren, hochgerechnet bei dreimonatiger Beschäftigung pro Jahr bei 20 Jahren, liegt, und die Rente mit rund 2,50 Euro monatlich sehr gering ausfällt.

Drohende Folgen: Flächenreduktion, vorzeitiger Erntestopp und Betriebsaufgabe

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, die Flächen zu reduzieren. 35% ziehen eine vorzeitige Beendigung der Ernte und 23% gar eine vorzeitige Betriebsaufgabe in Erwägung. Mehr als ein Viertel der Befragten möchte den Anbau auf den bestehenden Flächen intensivieren und knapp ein Viertel weiter mechanisieren. Um den Erntehelferinnen und -helfern die schwere Arbeit zu erleichtern, beabsichtigen 20% der Betrieben, Maßnahmen zur Verbesserung der ergonomischen Arbeitsbedingungen durchzuführen. (Quelle: VSSE)

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