- Startseite
- Memoriam-Gärten: Friedhöfe im Wandel
Memoriam-Gärten: Friedhöfe im Wandel
Neben klassischen Einzelgräbern und anonymen Bestattungen gewinnen gemeinschaftlich gestaltete, dauerhaft gepflegte Grabfelder zunehmend an Bedeutung. Eine besondere Form sind Memoriam-Gärten – gärtnerisch gestaltete Orte, die Grabstätten, Pflanzen, Wege und Aufenthaltsbereiche zu einem gemeinsamen Garten verbinden. In Berlin und Brandenburg gibt es dafür unterschiedliche Modelle.
Was ist ein Memoriam-Garten?
Ein Memoriam-Garten ist mehr als ein herkömmliches Grabfeld. Die einzelnen Grabstätten sind nicht durch starre Einfassungen voneinander getrennt, sondern fügen sich in eine gemeinsam gestaltete Gartenanlage ein. Geschwungene Wege, Stauden, Gehölze, saisonale Bepflanzungen und Sitzgelegenheiten schaffen eine parkähnliche Atmosphäre. Die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen bleiben dabei sichtbar. Eine anonyme Bestattung ist im Memoriam-Garten nicht vorgesehen. Damit verbindet das Konzept einen persönlichen Ort des Gedenkens mit einer gemeinschaftlich gestalteten und gepflegten Anlage. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die dauerhafte gärtnerische Pflege. Die Angehörigen müssen sich nicht selbst um Bepflanzung, Bewässerung und Pflege kümmern. In Berlin wird diese über einen Dauergrabpflegevertrag organisiert und durch die Friedhof Treuhand Berlin (FTB) treuhänderisch abgesichert und kontrolliert. Die Leistungen umfassen unter anderem die Pflege über die Ruhefrist, saisonal wechselnde Bepflanzungen und – je nach Anlage – ein individuell gestaltetes Grabmal.
Berlin: Sieben Memoriam-Gärten
Berlin verfügt inzwischen über sieben Memoriam-Gärten. Der jüngste wurde 2026 auf dem Heidefriedhof in Mariendorf eröffnet. Die aktuell von der Friedhof Treuhand Berlin ausgewiesenen Anlagen sind:
-
- Memoriam-Garten Steglitz – Bergstraße
Friedhof Steglitz, Bergstraße 38, 12169 Berlin. Hier gibt es bereits seit mehreren Jahren ein gärtnerisch gestaltetes Grabfeld; inzwischen wurde die Anlage um einen weiteren Bereich ergänzt. - Memoriam-Garten Lankwitz
Friedhof Lankwitz, Lange Straße 8, 12209 Berlin. Die Anlage befindet sich unmittelbar hinter der Kapelle und bietet Urnen- und Erdbestattungen. - Memoriam-Garten Zehlendorf – Onkel-Tom-Straße
Friedhof Zehlendorf, Onkel-Tom-Straße 30, 14169 Berlin. - Memoriam-Garten Zehlendorf – Potsdamer Chaussee/Wasgensteig
Auf dem Waldfriedhof Zehlendorf entstand 2018 eine weitere Anlage. Sie liegt unter alten Bäumen und verbindet eine parkähnliche Gestaltung mit verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten. Seit Januar 2026 sind dort wieder Urnenbeisetzungen möglich. - Memoriam-Garten Ruhleben
Friedhof Ruhleben, Am Hain 1, 13597 Berlin. Die Anlage wurde 2015 eröffnet und verbindet Grabstätten mit einer gärtnerisch gestalteten Gemeinschaftsanlage. - Memoriam-Garten Spandau – In den Kisseln
Friedhof „In den Kisseln“, Pionierstraße 82, 13589 Berlin. - Memoriam-Garten Heidefriedhof – Mariendorf
Der jüngste Berliner Memoriam-Garten wurde am 5. August 2026 eröffnet. Auf rund 1.000 Quadratmetern bietet er Platz für 326 Urnenbeisetzungen und 23 Erdbestattungen. Geschwungene Wege, abwechslungsreiche Pflanzungen und Sitzgelegenheiten prägen die Anlage.
- Memoriam-Garten Steglitz – Bergstraße
Und wie sieht es in Brandenburg aus?
In Brandenburg wird das vergleichbare Konzept vor allem unter der Bezeichnung „Garten der Erinnerung“ beziehungsweise als gärtnergepflegtes Grabfeld angeboten. Die Bezeichnung „Memoriam-Garten“ ist eine geschützte Wort-Bild-Marke des Zentralverbandes Gartenbau; entsprechend sollte zwischen dem markenrechtlich definierten Memoriam-Garten und vergleichbaren Anlagen unterschieden werden. Ein aktuelles und ausführlich dokumentiertes Beispiel ist der Garten der Erinnerung auf dem Neuen Friedhof in Potsdam. Die Anlage wurde im Mai 2012 eröffnet und entstand in Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft Potsdamer Friedhofsgärtner, der Verwaltungsstelle für Dauergrabpflege in Brandenburg und der Landeshauptstadt Potsdam.
Auch hier sind die Grabstätten ohne sichtbare Grenzen in eine gärtnerisch gestaltete Gesamtanlage eingebettet. Angeboten werden Erd- und Urnengräber mit individuellen Grabsteinen sowie Urnenbeisetzungen in einem Urnenhain. Zusätzlich sind Urnenbeisetzungen an Bäumen möglich; die Namen der Verstorbenen werden an Findlingen angebracht. Die dauerhafte Pflege übernimmt die Arbeitsgemeinschaft Potsdamer Friedhofsgärtner.
Friedhofsgärtner gestalten Orte der Erinnerung
Für die Friedhofsgärtnerei eröffnet die Entwicklung neue Aufgabenfelder. Friedhofsgärtnerinnen und Friedhofsgärtner planen nicht nur einzelne Grabstätten, sondern gestalten ganze Lebens- und Erinnerungsräume. Pflanzen, Gehölze, Stauden, Wege und saisonale Blüten werden zu einem Gesamtkonzept verbunden.
Dabei geht es um mehr als um Pflege: Gärtnerische Gestaltung wird zu einem wesentlichen Bestandteil moderner Bestattungskultur. Die Friedhofsgärtner sorgen dafür, dass die Anlagen dauerhaft attraktiv bleiben und sich über die Jahreszeiten verändern.
Auch für Friedhofsverwaltungen können solche Anlagen eine Möglichkeit sein, auf veränderte Wünsche bei der Bestattung zu reagieren und frei werdende Friedhofsflächen neu zu nutzen. Das Konzept setzt dabei auf eine Zusammenarbeit von Friedhofsträgern, Friedhofsgärtnereien, Steinmetzen und weiteren beteiligten Gewerken. Die hoheitliche Verantwortung bleibt beim Friedhofsträger.
Friedhöfe als grüne Orte der Zukunft
Memoriam-Gärten und Gärten der Erinnerung zeigen, wie sich Friedhöfe weiterentwickeln können: Vom klassischen Grabfeld hin zu gärtnerisch gestalteten Orten des Gedenkens, der Ruhe und der Begegnung.
Gerade in Städten übernehmen Friedhöfe dabei eine zusätzliche Funktion. Sie bieten Grün, Schatten, Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie Rückzugsorte für Menschen. Der Garten wird damit nicht nur zum Rahmen der Erinnerung, sondern selbst zu einem wichtigen Bestandteil der Friedhofskultur.
Für die Gartenbaubranche bedeutet dieser Wandel eine spannende Verbindung von Gartenkunst, Pflanzenwissen, Gestaltung, Pflege und gesellschaftlicher Verantwortung. Der Friedhof bleibt ein Ort der Erinnerung – aber er kann gleichzeitig ein lebendiger, grüner und zukunftsfähiger Teil unserer Städte sein.





Kommentare (0)
Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.