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Ludwig Kientzler verstorben
Geboren in den Nachkriegsjahren als ältester Sohn von Ludwig und Else Kientzler erlebte er hautnah das Arbeiten in einem typischen, mittelständigen Jungpflanzenbetrieb in Bad Kreuznach. Der völlig unerwartete Tod des Vaters hat den eisernen Willen der Witwe Else Kientzler bestärkt, den Betrieb für die drei noch sehr jungen Kinder nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen mit einem Neubau im nahe gelegenen Gensingen. Diese harte Zeit prägte den Willen Ludwig Kientzlers zur Eigenständigkeit - und seinen Tatendrang – nachhaltig; aktiv arbeitete er schon in jungen Jahren am Ausbau von Kientzler GmbH in Gensingen mit.
Die große Wende für die Firma kam mit der Einführung der ersten, einzigartigen Neu-Guinea Impatiens aus den USA in den 80er Jahren. Ludwig Kientzler erkannte das Potential dieser damals völlig neuen Kultur, bemängelte jedoch das doch sehr heterogene Blüh- und Wuchsverhalten dieser ersten Hybridsorten. Also legte er selbst Hand an und züchtete weiter mit dieser vielversprechenden Kultur – seine Serie PARADISE® wurde ein Riesenerfolg, sowohl beim Produzenten als auch beim Verbraucher – und dieser Erfolg hält bis heute an. Ludwig Kientzler erkannte, dass der Markt für völlig neue Kulturen reif war und begann, das hierzulande bisher stagnierende Beet- und Balkonsortiment mit neuen Arten und Sorten aufzumischen, was große Marktverschiebungen im internationalen Gartenbau auslöste.
Ende der 80er Jahre brachen dann neue Pflanzenkrankheiten aus Übersee auf die Branche ein – ein sehr ernstzunehmendes Problem, besonders für einen Jungpflanzenlieferant wie Kientzler. Ludwig Kientzler schaffte Raum für ein Testprogramm auf phytopathogene Krankheiten, zunächst bei den „heißen“ Neukulturen, danach ausgeweitet auf alle sich in Produktion befindlichen Kulturen. Ein solches Elite-System bei Beet- und Balkonpflanzen gab es zu diesem Zeitpunkt nur für Pelargonien – es war also absolut bahnbrechend, dass man ein Elitesystem mit Testung und Gewebekultur für die ganze Palette der Kulturen in Produktion aufgebaut hat – ein System mit tausenden von Elitekulturen, das bis dato seinesgleichen sucht in der Branche. Die Tochterfirma InnovaPlant GmbH & Co. KG wurde Anfang der 90er Jahre spezifisch für das Elite-Programm, für die Lizenzverwaltung sowie für die Züchtung und Produktentwicklung gegründet.
Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Kientzler noch nicht in der Lage, andere Märkte in Übersee aktiv zu erobern, aber man hatte wirklich tolle Neuheiten und zudem auch sauberes Ausgangsmaterial zu bieten. Also suchte man nach Vertriebspartnern; die „Großen“ der damaligen Branche in Nordamerika hatten kein Interesse, besannen sich lieber auf ihre gewohnten Hauptkulturen. Also hat man unter Beteiligung von Ludwig Kientzler ein anderes Modell ausgeheckt – ein flächendeckendes Netzwerk von gleichgesinnten Jungpflanzenbetrieben, die gemeinsam diese Neuheiten aus sauberem Ausgangsmaterial mit gutem Marketing vor Ort vertreiben – also die Geburtsstunde von PROVEN WINNERS®, quasi als „verlängerter Arm“ von Kientzler/InnovaPlant in Übersee und Europa. Das internationale PROVEN WINNERS®-Netzwerk gilt nun schon seit vielen Jahren als die wichtigste Pflanzenmarke der US-Branche (PW als „the number one plant brand“).
Die steigende Nachfrage im US-Markt aber auch in Europa machte die Schaffung eines großen Mutterpflanzenbetriebes im Ausland notwendig. Dies war der Auslöser zur Gründung der Firmen InnovaPlant de Costa Rica s.a. und später TicoPlant s.a. zur Belieferung des Proven Winners-Netzwerks mit hochwertigen Stecklingen und Gewebekulturpflanzen. Unter Ludwig Kientzlers Führung wurde dort buchstäblich aus Kaffeefeldern ein Betrieb mit 12 ha hochmodernsten Gewächshausanlagen sowie ein „state-of-the-art“ Gewebekulturlabor geschaffen.
Besonders stolz war Ludwig Kientzler auf die Konzeption und Umsetzung des wunderschönen Jardín Botanico Else Kientzler in Costa Rica – zunächst gedacht als Genbank der heimischen Flora, jetzt zum Publikumsmagnet in Sarchi im Zentraltal des tropischen Landes geworden.
Ludwig Kientzler hat neue Märkte erfolgreich erschlossen, unsere Branche nachhaltig durch völlig neue Kulturen verändert, mit intensiven Züchtungsprogrammen und schlagkräftigen Konzepten, erfolgreiche Netzwerke in aller Welt mit aufgebaut – sehr zum Wohle der gesamten Branche. Ludwig Kientzler war zeitlebens eine treibende Kraft, der Stillstand verabscheute – stets hatte er neue Projekte, neue Ideen im Kopf, die er auch dezidiert, tatkräftig und erfolgreich umsetzte – nicht umsonst wurde er 2013 zum „Unternehmer des Jahres“ bei den TASPO-Awards in Berlin gekürt. Er nahm kein Blatt vor den Mund und hatte ein fast schelmisches Vergnügen an den - häufig heimlich ausgeführten - Projekten, die er gerade bearbeite.
Er liebte das Leben und wusste es auch zu genießen – sein Lachen, sein Tatendrang und sein Charisma werden wir alle sehr vermissen.

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