Linden-Doppel­allee Seester­mühe: Rettung gelungen

Der BdB Schleswig-Holstein ist aktives Mitglied im Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. Dort engagiert er sich u.a. für die Historische Linden-Doppelallee in Seestermühe, Kreis Pinneberg.

Die barocke Linden-Doppelallee in Seestermühe ist gerettet – Kronenpflege und Neupflanzungen können erfolgen. Bild: Dr. Frank Schoppa, FV KLPIBSL e.V.

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Die 300jährige, denkmalgeschützte Lindendoppel-Allee auf Gut Seestermühe, Teil einer barocken Gartenanlage und 2010 vom Heimatbund Schleswig-Holstein als einer der schönsten Alleen des Landes prämiert, ist akut im Bestand bedroht. Nun ist es einem Runden Tisch von Akteuren unter der Leitung und Koordination des gemeinnützigen Fördervereins KulturLandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. gelungen, knapp 200.000 EUR an Fördermitteln zur Durchführung der erforderlichen Baumpflege, von Neupflanzungen und Umweltbildung einzuwerben. Den Löwenanteil von 80.000 EUR hat die BINGO! Umweltlotterie beigesteuert.

„Die historische Lindenallee Seestermühe ist gerettet! Die notwendigen Baumpflegemaßnahmen und Neupflanzungen können ab heute erfolgen. Wir sind als Runder Tisch am Erhalt der Allee interessierter Akteure sehr erleichtert und danken allen Fördermittelgebern sowie ehren- und hauptamtlichen Mitstreitern im Projekt.“, sagt Dr. Frank Schoppa, Initiator und Koordinator des Projekts als Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V..

Mit den Arbeiten an der historischen Allee wurde der Pinneberger Baumpflege-Fachbetrieb Baumpflege Uwe Thomsen e.K. beauftragt. „Seit 1980 beschäftigen wir uns ausschließlich mit dem Thema Bäume. Wir untersuchen, begutachten, bewerten und behandeln Bäume, wir pflanzen und wir fällen auch Bäume. Wir treten vehement dafür ein, Bäume alt werden zu lassen und nicht vorzeitig zu fällen. Nur alt werdende und alte Bäume können die vielfältigen Aufgaben und Wünsche, die wir ihnen zusprechen oder abverlangen, erfüllen. Alte Bäume sind nicht zwingend krank und müssen nicht gefällt werden! Und auch kranken Bäumen kann geholfen werden!“, sagt Baumpflege-Experte Uwe Thomsen.

Der 2015 gegründete Runde Tisch „Erhalt der Barockallee Seestermühe“ umfasst neben dem Initiator und Projektkoordinator folgende Akteure:

- Prof. Dr. Holger Gerth, Landesnaturschutzbeauftragter SH
- Dr. Margita Meyer, Landesdenkmalamt SH
- Andreas Köhler, Fachbereichsleitung Kreis Pinneberg
- Jörg Kastrup, Untere Naturschutzbehörde, Kreis Pinneberg
- Antje Metzner, Untere Denkmalschutzbehörde Kreis Pinneberg
- Thorsten Rockel, Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe
- Graf und Gräfin von Kielmansegg, Gut Seestermühe
- Ernst-Wilhelm Rabius, Vorsitzender Verein zur Erhaltung Historischer Gärten SH e.V.
- Axel Huckfeldt, Vorsitzender Bund dt. Baumschulen SH e.V.
- Achim Meierewert, GF Fachverband GaLaBau SH e.V.
- Wolfram Munder, Bund dt. Landschaftsarchitekten SH e.V.

Helmuth Ahrens, Kreispräsident (Kreis Pinneberg): „Die Lindenallee bietet ein Alleinstellungsmerkmal, prägt in ihrer besonderen Eigenart diesen Standort, hat eine identitätsstiftende Funktion und einen hohen Freizeitwert. Sie ist ortsbildprägend und trägt zum kulturellen Erbe bei. Durch die Bevölkerung erhält die Allee eine hohe Wertschätzung und verbindet die Bürger mit ihrem Landstrich. Sie bedeutet ein Stück Kulturlandschaft, die zur Lebensqualität in dieser Region beiträgt und eine Besonderheit ist.“

Thorsten Rockel, Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe, Kreis Pinneberg: „Die Gemeinde Seestermühe freut sich sehr, dass das überregionale Engagement dazu beigetragen hat, dass die historische Lindenallee weiterhin für uns alle erhalten bleibt. Auf unbürokratische Art und Weise ist es gelungen, verschiedenste Akteure für das Projekt zu begeistern. Wir danken allen Mitstreitern, die durch Finanzierung und anderen Dienstleistungen zum Erhalt der Lindenallee beigetragen haben. Allen voran Herrn Dr. Schoppa, ohne dessen persönliches Engagement wir dieses Ziel niemals erreicht hätten.“

Alexander Graf von Kielmansegg, Eigentümer: „Ich bedanke mich sehr für die Initiative von Herrn Dr. Schoppa, seit 2015 den Runden Tisch zur Sanierung der Lindenallee immer wieder zusammengeführt zu haben. Außerdem auch allen Beteiligten des Runden Tisches für die Mitarbeit und Ideen, um immer wieder Förderungsmöglichkeiten aufzutun. Wir sehen heute den Erfolg dieses gemeinsamen Projektes.“

Dr. Margita Meyer, Gartendenkmalpflegerin beim Landesamt für Denkmalpflege SH: "Wir freuen uns riesig, dass es mit einer Förderung nun doch bei Bingo-Lotto noch geklappt hat. Da das Landesamt für Denkmalpflege selbst nur Zuwendungen von 80.000 Euro für alle Gärten, Parks und Ehrenmalanlagen hat, beim Kreis keine Gelder für historische Gärten vorhanden sind, war für die Denkmalpflege die notwendige Summe von 160.000 Euro nicht schulterbar. Die barocken Alleen in Seestermühe gehörten zu den ältesten erhaltenen Alleen in Schleswig-Holstein und sind in der Marsch sicher einzigartig."

Ernst-Wilhelm Rabius, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten Schleswig-Holstein e.V.: „Die Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten Schleswig-Holstein e.V. beteiligt sich an der Sanierung der Lindenallee in Seestermühe mit einem Zuschuss. Sie hatte bereits den ersten Bauabschnitt gefördert. Der Verein, der erst vor sechs Jahren gegründet worden ist, unterstützt die Eigentümer historischer Garten- und Parkanlagen in vielfältiger Weise. In Seestermühe hat ihn besonders das große ehrenamtliche Engagement des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. beeindruckt, der in enger Abstimmung mit dem Eigentümer, Graf Kielmansegg, viele Akteure und Unterstützer zusammengebracht hat, um diese besonders wertvolle historische Allee zu erhalten. Dies ist nun schon die vierte private Allee, an deren Sanierung sich die Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten beteiligt.“

Axel Huckfeldt, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund dt. Baumschulen (BdB) e.V.: „Ich freue mich, dass es uns allen zusammen gelungen ist, die Allee vor dem Untergang zu bewahren und dass die Baumschulen mit ihrer Expertise bei Pflanzenauswahl und Beschaffung dazu beitragen konnten. Zu den Wohlfahrtswirkungen von lebendem Grün gehören auch die Stichworte Lebensqualität, Identifikation, Erholung und Raumwirkung. Man stelle sich nur mal Seestermühe ohne die Allee vor. Seestermühe wäre ärmer!“

Achim Meierewert, Geschäftsführer des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein e.V.: „Wir freuen uns, dass nun ein Mitglied unseres Fachverbandes die Bedeutung der Baumpflege anhand dieses einmaligen Objektes der barocken Doppel-Allee demonstrieren kann. Das Pflanzen allein genügt nicht: sollen Bäume in Stadt und Kulturlandschaft alt werden können, müssen sie fachgerecht gepflegt werden.“

Hintergrund: Die Historische Linden-Doppelallee Gut Seestermühe

Seestermühe ist die bedeutendste barocke Herrenhausanlage im Pinneberger Kreisgebiet. Die Anlage (einschließlich Park und Alleen) ist seit 2005 als gesamte Gutsanlage unter Denkmalschutz gestellt worden und ist seit 1751 in Besitz der Grafen von Kielmansegg, die das Gut in der holsteinischen Elbmarsch seitdem bewirtschaften. Der Barockgarten, zwischen 1700 und 1710 erbaut, besteht bis heute in seinen Grundstrukturen aus der ca. 700 Meter langen Linden-Doppelallee (572 Bäume, ca. 300 Jahre alt), mit Kanal und Teehaus, und ist teilweise (im rechtsseitigen Alleeflügel mit Weg) öffentlich zugänglich. 2010 wurde die Linden-Doppelallee im Rahmen eines BINGO-Projektes durch den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund als schönste Allee Schleswig-Holsteins in privatem Besitz gekürt. Die historische Linden-Doppelallee ist denkmalschutz- und naturschutzrechtlich geschützt.

Das Gut Seestermühe in Seestermühe ist neben dem Haseldorfer Gut die zweite Gutsanlage in den Pinneberger Elbmarschen. Außer dem repräsentativen Herrenhaus sind mehrere Nebengebäude erhalten. Gartengeschichtlich bedeutsam ist eine ca. 700 Meter lange vierreihige Lindenallee, an deren Ende ein barocker Gartenpavillon steht. Die Allee ist das Relikt einer größeren französischen Gartenanlage, die um 1710 angelegt wurde. Mit 700 Metern Länge hat die vierreihige Hauptallee in der ebenen Marschlandschaft eine beeindruckende Fernwirkung und erzählt anschaulich die Geschichte einstiger barocker Pracht. Die Allee besteht überwiegend aus 572 Linden. Im vorderen Teil, den Kanal begleitend, gesellen sich jedoch auch Hainbuchen dazu, die vermutlich zu einem etwas späteren Zeitpunkt gepflanzt wurden. Ursprünglich bildeten die Bäume, in sogenannter Kandelaberform geschnitten, eine geschlossene, strenge Raumkante im barocken Garten. Ausgedehnte Obst- und Küchengärten lagen südlich, östlich und auch westlich der beiden Inseln. Anders als viele andere Barockgärten ist der Garten von Seestermühe im 19. Jahrhundert nicht landschaftlich überformt worden. Seine Grundstruktur mit der großen Doppelallee mit Kanal und dem Teehaus am Ende dieser 700 Meter langen Hauptgartenachse ist bis heute erhalten.

Der in der Folge der Internationalen Gartenschau Hamburg 2013 gegründete, gemeinnützige Förderverein möchte die (garten-)kulturelle Entwicklung der Region durch den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und kulturellen Interessen nachhaltig fördern. Die Erhaltung wertvoller alter Bäume in der Kulturlandschaft des Pinnberger Baumschullandes ist ein besonderes Anliegen des Vereins, da hier die Interessen des Naturschutzes mit dem Bewahren historischer Landschaftselemente und dem Naturerlebnis übereinstimmen.

Der Vorsitzende Dr. Frank Schoppa war Mitglied der Jury im Alleenwettbewerb 2010 des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (BINGO-Projekt) und ergriff 2015 mit der Bildung eines Rundes Tisches „Erhalt der Doppel-Lindenallee Gut Seestermühe“ die Initiative. Mitglieder der Initiative sind neben der Familie von Kielmansegg und Förderverein: Dr. Margita Meyer, Landesamt für Denkmalpflege, Kiel, Prof. Dr. Holger Gerth, Landesnaturschutzbeauftragter S-H, Thorsten Rockel (BGM Gemeinde Seestermühe), Andreas Köhler, Kreis Pinneberg (Fachbereichsleiter), Antje Metzner, Kreis Pinneberg (Untere Denkmalschutzbehörde), Jörg Kastrup, Kreis Pinneberg (Untere Naturschutzbehörde) sowie das Netzwerk des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland (Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Verbände und Betriebe der Baumschulwirtschaft, des Garten- und Landschaftsbaus, der Baumpflege, Landschaftsarchitekten etc.). Sowohl der Förderverein (Antragsteller) als auch Graf Kielmensegg sind Mitglieder der Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten in Schleswig-Holstein e.V., die sich finanziell und beratend an der Sanierung beteiligt.

Der Förderverein beauftragte in Abstimmung mit dem Runden Tisch, gefördert durch das Land S-H und den Kreis Pinneberg, zunächst ein baumpflegerisches Fachgutachten. Dieses durch Fa. Baumpflege Thomsen, Pinneberg, ausgefertigte Sachverständigen-Gutachten von 2016 bestätigt den befürchtet schlechten Zustand und listet sämtliche erforderlichen Sanierungsmaßahmen auf.

Hintergrund: Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V.

Im Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. sind erstmals Gebietskörperschaften, Vereine und Verbände sowie wichtige Einrichtungen im Kreis Pinneberg mit dem Ziel zusammengeschlossen, die über 250jährige Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland zu erhalten, zu pflegen und weiter zu entwickeln. Dazu gehören explizit auch die touristische Erschließung und das Erlebbarmachen der Kulturlandschaft.

Der Zweck des Vereins ist die Förderung von Gartenkultur, Landschaftspflege, Naherholung und Tourismus im Baumschulgebiet Kreis Pinneberg und Südwestholstein. Der Verein verfolgt dabei die Idee der nachhaltigen Entwicklung durch den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und kulturellen Interessen. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch die Zusammenführung und Zusammenarbeit von Akteuren der Gartenbau- und Baumschulwirtschaft, der Gartenkultur, der Landschaftspflege, der Naherholung und der Tourismusförderung im Vereinsgebiet mit den Zielen Erhalt der Kulturlandschaft, Schutz, Erhalt und Förderung gartenkultureller Einrichtungen, Neuentwicklung und Förderung gartenkultureller, landschaftspflegerischer und umweltpädagogischer Aktivitäten und Einrichtungen. Dazu betreibt der Förderverein Öffentlichkeitsarbeit mit Veranstaltungen, Publikationen, Ausstellungen, Führungen sowie weiteren Informationsmedien, unterstützt Forschungsvorhaben, arbeitet mit in Vereinen, Verbänden, vergleichbaren Initiativen oder Dachorganisationen, die den Vereinszweck und seine Ziele unterstützen und gewinnt Fördermittel für Projekte im Vereinsgebiet. (BdB)

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