Im Interview: Hans Dietz

Hans Dietz, Gärtner und Rosensammler aus dem brandenburgischen Michendorf hat für seine Ausstellung zu DDR-Rosen eine Große Goldmedaille der Deutschen-Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) sowie einen Ehrenpreis erhalten. Er spricht über die Züchtungsarbeit in der DDR und seine ganz besondere Leidenschaft.

Hans und Gabriele Dietz. Bild: DBG.

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Herr Dietz, was hat sie auf die Idee gebracht, sich mit dem Thema der DDR-Rosenzucht zu beschäftigen?

Mein Ziel war es, den Rosenzüchtern der DDR die ihnen gebührende Ehre zu erweisen und auf ihr unermüdliches Engagement aufmerksam zu machen. Viele wissen gar nicht, unter welch schwierigen Bedingungen in der DDR-Rosenzucht gearbeitet wurde.

Was war so schwierig?

Da der Import von Rosen in die DDR stark eingeschränkt war, dünnte sich das Sortiment immer stärker aus. Die Züchter wollten diese Lücken schließen, obwohl man keine Lorbeeren durch ernten konnte. Der Staat zeigte erst Interesse an der Züchterarbeit, als sichtbar wurde, dass man die Sorten im Devisenhandel einsetzen konnte. Im Herbst wurden dann oft über 100.000 wurzelnackte und patentfreie Rosen aus den DDR-Gärtnereien auf die Märkte der BRD geschickt.

Haben Sie eine persönliche Verbindung zum Thema der Ausstellung „Rosen und Rosengärtnerinnen“?

Ja, ich habe bereits als Lehrling in der DDR mit meinem Betriebsleiter die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG) „Roter Oktober“ in Bad Langensalza besucht. Hier wirkte Anni Berger, die bekannte Rosenzüchterin. Sie ist nach dem Tod ihres Mannes in den Gartenbaubetrieb eingestiegen und hat über 50 Sorten gezüchtet. 'Adagio' und 'IGA Erfurt' sind zwei ihrer Sorten, die ich in meiner Sammlung habe.

Gab es weitere Züchtungszentren in der DDR?

Neben Bad Langensalza war auch Sachsen ein Zentrum. Am „Institut für Obstbau Dresden-Pillnitz“ züchtete Prof. Dr. Johann Schmadlak robuste Sorten. Aktiv war auch die „VEG Saatzucht-Baumschulen Dresden“ - Volkseigenes Gut. Und an der Humboldt-Universität in Berlin war Prof. Dr. Helmut Rupprecht eine Koryphäe auf dem Gebiet.

Wo haben Sie die Rosen für Ihre Ausstellung gefunden?

Seit 2016 war ich in ganz Deutschland dafür auf „Rosenjagd“, aber auch darüber hinaus. Ich habe sogar Baumschulen in Tschechien und Polen besucht. Manchmal kam ich mir vor wie Sherlock Holmes. Von manchen Sorten besitze ich aber nur ein Exemplar.

Wo wachsen die Rosen denn jetzt?

Sie haben in meinem Garten eine neue Heimat gefunden. Allerdings war das nicht ausreichend, weshalb ich auch Flächen im Garten meines Nachbarn nutze. Da ich aber bereits seit einigen Jahren in Rente bin, brauche ich für die Sammlung ein zukunftsfähiges Konzept.

Welche Rosen waren in der DDR besonders beliebt?

Zu den Favoriten zählten die Floribunda-Rosen wie die 'Ulrike'. Eine große Knospe war damals das A und O. Heute mag man es ja eher nostalgisch. In meiner Sammlung sind aber auch Teehybriden wie 'Ballade' oder Strauchrosen wie ‘Dresdner Frauenkirche‘.

Wie präsentieren Sie die Pflanzen bei der BUGA?

Zu den Rosen und den Züchtern habe ich Informationstafeln mit Porträts, Fotografien und Texten angefertigt. Hier hat mich das Team meines letzten Arbeitgebers unterstützt, ein Berufsbildungswerk in Berlin.

Ihre Sammlung umfasst aber noch viel mehr, als Sie zeigen?

Ja, inzwischen gehören auch historische Rosen dazu. Wenn man einmal anfängt und sein Herz verloren hat, dann wächst das so. Ich finde, dass alle Rosen, auch die modernen Beet- und Edelrosen ihre Berechtigung haben, aber die historischen Rosen werden sehr unterschätzt. Auch wenn sie oftmals nur einmal blühen, ist doch ihr Duft betörend. Außerdem sind sie sehr widerstandsfähig. Eine Ramblerrose in einem alten Apfelbaum ist einfach ein toller Anblick!

Vielen Dank!

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