Im Interview: Freya von Czettritz

Interview mit Freya von Czettritz, Projektleiterin der Agritechnica, im Gespräch über das hybride Messekonzept und seine Vorteile für Aussteller und Besucher und die aktuelle Pandemie-Situation als neue Herausforderung.

Freya von Czettritz, Projektleiterin der Agritechnica. Bild: DLG.

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Frau von Czettritz, die Agritechnica wird sich in diesem Jahr mit zusätzlichen Angeboten präsentieren. Wie sieht das neue Profil der Weltleitmesse aus?

Das, was vorher „nur“ sieben Tage auf der Agritechnica in Hannover stattfand, kann man jetzt über einen längeren Zeitraum verfolgen. Im Mai startet die Agritechnica digital als Branchen- und Wissensplattform für die Agrarbranche.

Wir ergänzen also das persönliche Erlebnis der physischen Messe in Hannover mit den Vorzügen einer digitalen Plattform. In Zeiten von Corona ist unser Hybridkonzept die passende Lösung. Die daraus resultierenden Synergien ermöglichen eine neue Qualität und eine neue Reichweite der Agritechnica. Alle Aussteller profitieren von dieser neuen Plattform, denn alle sind automatisch Teil der digitalen Plattform. Und jeder kann entscheiden, wie stark er sich auf Agritechnica digital engagieren möchte, um Reichweiten zu steigern – mit beispielsweise Händlerschulungen, Pressekonferenzen oder Produkt-Launches in Eigenregie. Damit nutzen sie die Reichweite der Agritechnica ganz gezielt auch für ihre eigenen Themen.

Der Schlüssel zum Erfolg dieser Plattform ist, dass wir als DLG Ausstellern und Besuchern den für sie relevanten Content bieten. Denn die DLG wird hier ihre Stärke nutzen, praxisnahe Fragestellungen, Inverstitionsfragen und Lösungen der zukunftorientierten Landwirte schon weit vor der physischen Messe zusammen zu bringen. Das Programm der Agritechnica digital ist schon bald auf unserer Website zu finden.

Was sind die Vorteile des neuen Hybridkonzepts?

Es liegen noch ein paar angespannte Pandemie-Monate vor uns. Ich glaube aber, der Wunsch nach persönlichen Treffen – sei es privat oder geschäftlich – ist riesengroß. Aktuell gehen wir davon aus, dass ab Sommer 2021 Messen wieder stattfinden werden. Mit unserem Hybridkonzept füllen wir bis dahin und natürlich darüber hinaus wichtige Informationslücken: Mehr Informationen vor dem Messetermin, direkte Vernetzung mit Geschäftspartnern, längere Verfügbarkeit von Beiträgen des Fachprogrammes nach der Messe.

Ab Februar startet bereits die neue Digital-Plattform der DLG mit der „EuroTier digital“, der Weltleitmesse für Tierhaltungsprofis, und der DLG-Wintertagung. Danach folgen digitale Formate im Vorfeld der DLG-Feldtage und natürlich der Agritechnica. Ein wesentlicher Vorteil dabei ist, dass Besucher, die schon einmal auf unseren Messen waren, ihre Ticket-Login-Daten nutzen können, um sich zu registrieren. Alle registrierten Besucher der Agritechnica erhalten einen kostenfreien Zugang zur Digital Plattform per E-Mail von uns. So kann jeder sehen, was dort entsteht und welche Vorteile diese Plattform bringt.

Die Plattform ist ThinkTank und Netzwerk in einem. Es werden keine Stände in 3D gezeigt: Die Plattform lebt von echten Menschen, die sich darauf registrieren und aufgrund ihrer Interessen mit anderen in Verbindung treten. Was ich an der Plattform besonders schätze ist, dass sie selbsterklärend und leicht bedienbar ist, und natürlich der Nutzen, den wir Landwirten bieten: Marktüberblick (mit Herstellern, Produkten, Marken, Innovationen), Fachinformationen und Networking.

Das ist Plattform machen und Community bilden. Und das macht die DLG jetzt verstärkt auch in der digitalen Welt – hybrid eben.

Die Corona-Pandemie stellt Messeveranstalter vor organisatorische Herausforderungen in der Durchführung physischer Messen. Wie hat sich die Agritechnica auf das „new normal“ vorbereitet?

Corona lässt sich nicht schönreden, es beherrscht seit dem letzten Jahr unseren Alltag, ob im Büro oder zuhause. Jedoch wollen wir eher die Chancen in dieser Situation sehen, denn wir alle leben aktuell unter den gleichen Bedingungen. So ist es inzwischen „normal“ geworden, mit Maske einzukaufen oder Meetings digital abzuhalten. Als Veranstalter internationaler Messen hat sich die DLG weltweit intensiv mit Hygienekonzepten und deren Umsetzung beschäftigt. Daraus ist ein Safe Business-Konzept entstanden, das in der Messe-Branche große Beachtung findet. Das macht mich besonders stolz, weil hinter unseren Messen Profis stehen, die tagtäglich Großartiges leisten.

Wir haben alle Stellschrauben zur Risikominimierung fest im Blick und werden diese aktiv justieren. Bei der Agritechnica denkt jeder sofort an ein extrem hohes Besucheraufkommen. Wir müssen davon ausgehen, dass wir im November eventuell noch nicht unbegrenzt Besucher auf das Messegelände lassen dürfen. Aktuell rechnen wir mit ca. 320.000 Besuchern, zuzüglich Stand- und Servicepersonal, die sich dann gleichmäßig auf die sieben Messetage verteilen sollen. Das wirft neue Fragen in Bezug auf das Ticketing auf. Wir arbeiten mit Hochdruck an den Szenarien, die wir für einen reibungslosen Ablauf vor Ort vorbereitet haben und die wir so schnell wie möglich an Aussteller und Besucher kommunizieren werden.

Wir haben Mitte Januar dazu unser erstes Webinar mit ca. 280 deutschen und 170 internationalen Ausstellern veranstaltet, um offene Fragen zu beantworten. Die Webinare sind auf der Website unter www.agritechnica.com/marketingday abrufbar. Der Austausch mit den Ausstellern ist sehr intensiv, da viele jetzt die aktuelle Situation abwägen müssen, um sich für die Teilnahme der Agritechnica zu entscheiden. Das Commitment der Landtechnikindustrie zur Agritechnica ist da und wenn die weltweite Impfkampagne wirkt, werden alle Landtechnikhersteller bei der Agritechnica dabei sein.

Welches sind die zentralen Themen der Agritechnica 2021?

Unter dem Leitthema „Green Efficiency – inspired by solutions” fassen wir alles zusammen, was die Branche aktuell bewegt. Landwirtschaftliche Unternehmer suchen immer nach der besten Lösung für ihren Betrieb. Wir werden unser Fachprogramm in Hannover und auf unserer Digital-Plattform deshalb zielgruppenspezifisch clustern, wobei die Fokusthemen des internationalen Pflanzenbaus wie Düngung, Pflanzenschutz oder Bewässerung im Rahmen von Spotlights die Säulen des Fachprogramms bilden. Aber auch nationale und internationale Veranstaltungen von Partnern tragen dazu bei, dass die Agritechnica 2021 wieder der internationale Branchentreff sein wird. Besucher dürfen sich wieder auf eine Fülle von Innovationen freuen. Und dann sind es natürlich die Begegnungen, die Kontakte und die Begeisterung für die Landtechnik, die die Agritechnica so einzigartig machen.

Wie ist die Resonanz der Branche auf das Angebot der Agritechnica 2021?

Alle Aussteller, denen wir bisher das neue Hybridkonzept der Agritechnica vorgestellt haben, waren sehr angetan. Die bekannten Vorteile des Messeauftritts in Hannover werden durch die Angebote der Digital-Plattform ergänzt. Das begrüßen vor allem die Aussteller, die schon jetzt auf digitale Formate umgesattelt haben und bereits Ideen haben, wie sie die „Agritechnica digital“ für sich nutzen können. Im Mittelpunkt des Hybridkonzepts für Aussteller stehen immer Reichweite, Sichtbarkeit und Leads. Aussteller erreichen mehr potenzielle Kunden und erhalten auf der Digital-Plattform wertvolle Detailinformationen über ihre Kontakte. Gleichzeitig hat der Besucher immer die Hoheit über seine Daten. Er entscheidet, ob und in welchem Umfang er diese wem zur Verfügung stellt.

Besucher dürfen sich auf ein noch abwechslungsreicheres Informations- und Ausstellungsprogramm freuen. Wir sind überzeugt, dass wir die Agritechnica in diesem Jahr in eine neue Richtung professionell weiterentwickeln.

Vielen Dank!

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