Hessen: LLH prüft neue Anbauperspektiven

Die Fachinformation Gartenbau des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) untersucht in Geisenheim das Potenzial von Melonensorten für den regionalen Anbau.

Im ersten Versuchsanbau der Fachinformation Gartenbau des LLH in Geisenheim wurden sieben verschiedene Charentais-Melonensorten hinsichtlich ihrer Eignung für den regionalen Anbau untersucht. Bild: © LLH.

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Der Klimawandel verändert die landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktionsbedingungen in Hessen. Steigende Temperaturen, längere Vegetationsperioden und eine höhere Sonneneinstrahlung können dazu beitragen, dass künftig auch Kulturen angebaut werden können, die bislang mit wärmeren Regionen verbunden wurden. Ein Beispiel dafür sind Charentais-Melonen: Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) untersucht aktuell, unter welchen Bedingungen sich die französische Spezialität im Rheingau kultivieren lässt.

Ziel der Versuche ist es, belastbare Erkenntnisse für den hessischen Erwerbsgartenbau zu gewinnen. Der LLH untersucht, welche Sorten, Kulturverfahren und Anbauzeitpunkte unter den sich verändernden Klimabedingungen geeignet sind und welche Kulturen künftig eine sinnvolle Ergänzung für Betriebe darstellen können. Die Ergebnisse dienen als unabhängige Entscheidungsgrundlage für Gartenbaubetriebe, die ihr Kulturspektrum erweitern möchten.

Charentais-Melonen im Sortenvergleich

Im Versuchsanbau der LLH-Fachinformation Gartenbau am Standort Geisenheim startete am 13. März ein Sorten- und Kulturtechnikversuch, bei dem sieben Charentais-Melonensorten verschiedener Zuchtbetriebe miteinander verglichen wurden, darunter drei Neuzüchtungen. Im Parallelanbau wurden die Sorten hinsichtlich ihres Reifeverlaufs, ihrer Fruchteigenschaften, ihrer Ertragskennzahlen und ihrer Wachstumscharakteristik untersucht. Erfasst wurden unter anderem der Zeitpunkt der ersten Ernte, die Erntedynamik und das Erntezeitfenster, Fruchtgrößen und Süße sowie die Anzahl der Früchte je Quadratmeter und der Fruchtertrag. Auch Blattentwicklung, Pflanzengesundheit und Wuchskraft flossen in die Bewertung ein.

Die Früchte konnten kürzlich geerntet werden und zeigen: Der geschützte Anbau bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für die Kultivierung. „Insbesondere durch die bereits zu beobachtende verlängerte Vegetationszeit und höhere Einstrahlung kommen für den Anbau in unseren Breiten zunehmend auch Nutzpflanzen infrage, die wir bislang eher aus wärmeren Regionen kennen“, erklärt Versuchsingenieur Michael Kloss, LLH-Fachinformation Gartenbau.

Von Frankreich in den Rheingau

Die Charentais-Melone entstand im 19. Jahrhundert in der französischen Region Charente aus der Cantaloupe-Melone und gehört zur Art Cucumis melo, zu der beispielsweise auch Honig- und Galia-Melonen zählen. Aufgrund ihrer hohen Aromadichte und ausgeprägten Süße zählen Charentais-Melonen zu den hochwertigen Vertretern dieser Sortengruppe. Gleichzeitig sind sie empfindlicher gegenüber Druck und daher weniger gut für lange Transportwege geeignet. Dies kann ein Vorteil für eine regionale Vermarktung sein. Für Gartenbaubetriebe können hochwertige Spezialkulturen wie Charentais-Melonen interessante Möglichkeiten bieten, das Sortiment zu erweitern und sich mit regional erzeugter Premiumware von Importprodukten abzugrenzen.

Ernteerfolg mit honigsüßem Duft

Während Wassermelonen mittlerweile auch im Freiland in einigen Regionen angebaut werden, stellen andere Melonenarten höhere Ansprüche an die Wachstumsbedingungen. „Für eine gute Aromaausbildung benötigen Vertreter der Art Cucumis melo konstant hohe Temperaturen und ausreichend Einstrahlung. Der geschützte Anbau kann diese Voraussetzungen bieten – insbesondere in klimatisch begünstigten Regionen wie dem Rheingau mit seinem ausgeprägten Weinbauklima“, so Kloss.

Dass die Früchte erntereif sind, sei an einem charakteristischen honigsüßen Duft erkennbar. Bereits während der Erntephase zeigten sich im Geisenheimer Gewächshaus Unterschiede zwischen den Sorten – unter anderem beim Zeitpunkt der Erntereife, beim Abreifezeitraum, bei der Fruchtgröße und beim Ertrag. Eine abschließende Auswertung der LLH-Versuchsergebnisse steht noch aus. Geschmacklich überzeugten die geernteten Früchte bereits: Die regional vermarkteten Melonen erhielten von Verbraucherinnen und Verbrauchern eine sehr positive Resonanz.

Weiterer Versuch gestartet

„Trotz wechselhafter Witterungsbedingungen im Mai ist der Anbau eines frühen Melonensatzes erfolgreich verlaufen“, fasst Michael Kloss die bisherigen Ergebnisse zusammen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen interessierten Praxisbetrieben unter anderem über Versuchsberichte, Fachveranstaltungen und weitere Veröffentlichungen zugänglich gemacht werden.

Da Melonen weiterhin ein interessantes Thema für den regionalen Gartenbau sind, wurde Ende Juli ein weiterer Versuchsanbau gestartet. Im Mittelpunkt steht dabei die Eignung von zwei verschiedenen torffreien Kultursubstraten. Eines der Substrate ist eine neue, auf Holzspänen basierende Profimischung eines hessischen Substratproduzenten. Für den Versuch werden die drei leistungsstärksten Sorten aus dem ersten Anbau erneut kultiviert. Außerdem erfolgt die Kulturführung unter arbeitsökonomischen Effizienzgesichtspunkten: Mit minimal notwendiger Kulturarbeit soll ein guter Ernteertrag erzielt werden.

Als unabhängige Beratungseinrichtung stellt der LLH die Ergebnisse anschließend der Praxis zur Verfügung und unterstützt Betriebe dabei, mögliche neue Kulturen fachlich fundiert zu bewerten. Bereits Anfang September werden voraussichtlich die nächsten Charentais-Melonen im Rheingau geerntet.

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