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Gespinstmotten: Optischer Pflanzenschaden
Kahlgefressene Hecken, überzogen mit einem silbrig glänzenden Gespinst – ein Anblick, den Gartenbesitzer in den vergangenen Jahren häufig zu Gesicht bekamen. Grund war ein Befall der Pflanzen mit Gespinstmotten. Zwar reguliert sich das verstärkte Auftreten dieser Schädlinge in der Natur mit der Zeit von selbst, doch wer rechtzeitig und regelmäßig kontrolliert, kann auch vorbeugend eingreifen.
In den vergangenen Jahren vermehrt zu beobachten waren Fraßschäden an verschiedenen Heckenpflanzen, die auf einen Befall mit Gespinstmotten zurückzuführen waren. Besonders betroffen waren Weißdorn, Schlehen, Vogelbeeren und Weiden, aber auch einzelne Pappeln oder Obstbäume wie Zwetschgen, Pflaumen oder Kirschen wiesen dieses Schadbild auf. Bei geschädigten Pflanzen wurde bis Mitte Juni das Blattwerk völlig kahl gefressen. Zurück blieb nur noch ein silbrig glänzendes Gespinst über den verbliebenen Zweigen und Ästen.
Verursacht werden solche Schäden durch Gespinstmotten der Gattung Yponomeuta spp., die bei uns zum Beispiel als Traubenkirschen-Gespinstmotten (Yponomeuta evonymellus), Pflaumengespinstmotte (Yponomeuta padellus) oder Apfelgespinstmotte (Yponomeuta malinellus) bekannt sind.
Das Ausmaß solcher Schäden war teilweise derart stark, dass manche Pflanzen völlig von dem Gespinst umwoben waren und so mancher Gartenbesitzer ein Absterben seiner Hecken bzw. Bäume befürchtete.
Die Gespinstmotten wandern im Normalfall jedoch Ende Juni zur Verpuppung ab und beenden ihren Reifefraß. Die Pflanzen erholen sich dann von dem Befall und treiben neu aus, so dass Schäden nicht mehr erkennbar sind. Nach starkem Kahlfraß werden häufig benachbarte Pflanzen, Büsche oder die Bodenvegetation eingesponnen, da die Raupen dann auf der Suche nach Nahrung sind. Fraß findet hier aber nicht statt.
Allen Gespinstmotten gemein ist eine recht ähnliche Morphologie. Die fertig entwickelten Raupen sind im letzten Stadium bis zu 20 mm groß, hellgelb bis graubraun gefärbt, schwarz gepunktet und mit einer dunklen Kopfkapsel versehen. Die gräulichen Falter treten dann ab Ende Juli in Erscheinung, wo sie nach einer Paarung mit der Eiablage an Zweigen in der Nähe von Knospen beginnen. Noch im Herbst schlüpfen aus den Eiern die Raupen der nächsten Generation zur Überwinterung.
Die Entwicklung beginnt zumeist mit dem Knospenantrieb der Wirtspflanze. Dann können die ersten Raupen der jeweiligen Gespinstmotten-Art an den Knospen nachgewiesen werden. Aufgrund des anfangs noch geringen Schadens werden die Raupen zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahrgenommen. Mit steigenden Temperaturen kommt es jedoch zur starken Zunahme der Fraßaktivität und damit zur Intensivierung der Beeinträchtigung. Zudem beginnen die Gespinstmotten nun, die gesamte Pflanze mit einem festen, weißen Gespinst einzuspinnen, um sich vor Fraßfeinden wie Vögeln und Witterung zu schützen.
Bei Kahlfraß wandern noch nicht verpuppungsreife Raupen unruhig auf der Suche nach Nahrung in der Umgebung umher und spinnen alles ein, was ihnen in den Weg kommt, nicht nur Pflanzen, sondern ggf. auch Zäune, Bänke usw. Bleibt letztlich die Frage, was man bei einem solchen massenhaften Befall der Pflanzen tun kann.
Das massenhafte Auftreten reguliert sich innerhalb weniger Jahre durch das verstärkte Auftreten von natürlichen Gegenspielern der Gespinstmotten wieder auf ein Normalmaß zurück. Dann rücken Raubwanzen, Schlupfwespen usw. den Raupen zu Leibe und es entsteht eine natürliche Regulation. Wem dies zu lange dauert, der sollte ab Anfang Mai verstärkt auf die im Vorjahr befallenen Pflanzen achten und erste Fraßschäden sofort mechanisch entfernen. Bei stärkerem Befall lässt sich eventuell ein Großteil der Raupen mit Hilfe eines Wasserstrahls abspülen.
Eine chemische Bekämpfung der Raupen ist nach derzeitiger Gesetzeslage nur gegen die Larven möglich. Hier kann das Mittel Neem Azal T/S bzw. Schädlingsfrei Neem beim Auftreten erster Fraßschäden zum Einsatz kommen. Eine spätere Behandlung wäre aufgrund der Gespinste der Raupen wenig erfolgversprechend. Ebenfalls treiben befallene Bäume und Sträucher einige Wochen nach Kahlfraß wieder aus und sterben nicht ab. Es bleibt allein der optische Schaden am Zierwert der Pflanze. (lwk-we)

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