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Gemert BV: Innovative Abwärmegewinnung
Den eigenen Betrieb mit Energie aus eigenen Quellen versorgen, davon träumen viele Unternehmen, die unter hohen Heizkosten leiden. Der niederländischen Familie Van den Boomen lies diese Vorstellung auch keine Ruhe und so tüftelten sie lange, bis sie endlich eine Lösung fanden: Der benutzte Pilzkompost aus ihrem Champignon-Anzuchtbetrieb wird aufbereitet und dann in eine neuartige Anlage eingefüllt, wo der Pilzkompost, oder Champost wie die Experten sagen, kompostiert wird. Dabei entsteht Wärme, die die Pilzbauern in die Produktionsräume zurückführen und damit für die nötige Wärme im Betrieb sorgen.
Der Weg des Champost beginnt im Champignon-Betrieb Gemert mit dem Einfüllen in die Anzuchtbeete in den Produktionskammern. Das mit Pilzmycel geimpfte Substrat aus Pferdemist, Hühnermist und Stroh wird mit einer dünnen Torfschicht abgedeckt und reichlich gewässert. Nach rund 16 Tagen wird dann das erste Mal geerntet: Eine Erntemaschine schneidet die Champignons direkt über der Decksicht ab. Die Pilze werden dann gewaschen, sortiert und abgepackt und kommen so direkt zum Verarbeiter, der sie dann tiefkühlt oder in Konserven füllt. Der Pilzkompost bleibt nach dem 1. Schnitt weitere 6 Tage in dem jeweiligen Klimaraum, ehe dann ein weiteres Mal geerntet wird. Die Pilze gehen auf die Reise, das Substrat hat seine Schuldigkeit getan.
Bisher war es so, dass das "verbrauchte" Substrat für 12 Euro die Tonne nach Deutschland gefahren werden musste, um es dort zu entsorgen, weil das in den Niederlanden aufgrund strenger Auflagen nicht ohne weiteres so zu machen ist. "Champignonkompost besteht aus 60 bis 70% aus Wasser - 7,20 Euro je Tonne für das Herumfahren von Wasser ist sehr viel Geld", erklärt Hans van den Boomen. "Also suchten wir zunächst nach einer Möglichkeit, das Wasser aus dem Kompost zu entfernen um unsere Transportkosten zu reduzieren." Zusammen mit seinem Bruder Henk van den Boomen entwickelt man eine besondere Kompostierungszelle. Die 2,5 bis 3 Meter dicke Kompostschicht wird ohne die Topfdeckschickt in die Anlage eingefüllt, dann wird von unten her warme Luft durch im Boden vorhandene Löcher eingeblasen. Der Champost trocknet – die Kompostierung kommt durch die Mikroorganismen wieder in Gang und das erzeugt eine Menge Wärme. Während der Kompostierung kann die Temperatur in den Schichten 70-80 °C erreichen. Diese so entstandene Wärme, Warmluft um genau zu sein, wird aufgefangen und über ein Rohrsystem in die Produktionsräume geführt, um diese dann so zu beheizen. Das "Abfallprodukt" aus der von Van den Boomen entwickelten Kompostierung erfüllt die europäischen Vorschriften für temperaturbehandelten Kompost und kann daher als ein Bodenverbesserungsmittel exportiert werden.
Die Champignonkwekerij Gemert BV überführt gerade das Model des erfolgreichen Prototyps in eine Großanlage, die am Ende mehr Energie liefern soll, als das Unternehmen selber benötigt. Diese neue Anlage kann wirtschaftlich wie vom Umweltaspekt her ein voller Erfolg werden: Ist die neue Anlage in Betrieb will das Pilzunternehmen rund 200.000 Kubikmeter Erdgas einsparen, weitere Abwärme soll künftig an einen Erdbeer- und an einen Tomatenproduktionsbetrieb in unmittelbarer Nähe verkauft werden. Läuft die Anlage späterhin auf Volllast können insgesamt Emissionen von 3.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

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