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DWD: Neue Strategie
Anspruch bleibt, die Qualität und Wirksamkeit der eigenen Wetter- und Klimaservices zum Wohle der Gesellschaft weiter zu entwickeln.
Komplexe Rahmenbedingungen erfordern Neuausrichtung
Dabei agiert der nationale Wetterdienst in einem komplexen Spannungsfeld: Häufigere und intensivere Extremwetterereignisse im Zuge des fortschreitenden Klimawandels, der revolutionäre Einfluss von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) auf die gesamte Wertschöpfungskette meteorologischer Dienste, die wachsende Bedeutung nationaler und internationaler Partnerschaften sowie die deutlich gestiegenen Anforderungen an die zivil-militärische Zusammenarbeit prägen das DWD-Umfeld. Hinzu kommen erhöhte regulatorische Anforderungen an Betriebssicherheit und Resilienz kritischer Infrastrukturen sowie der demographische Wandel bei gleichzeitig kontinuierlich an die allgemeine Finanzsituation des Bundes anzupassende Ressourcen.
Vier strategische Ziele bis 2035
Die neue Strategie konzentriert sich auf vier Kernziele:
1. Erneuerung der Beratungs- und Produktservices
Der DWD wird mit der Erneuerung seiner Beratungs- und Produktservices deren Integration in die Entscheidungsprozesse der Nutzenden weiter ausbauen. Konkret bedeutet dies: intensivierter Dialog mit Schlüsselkunden in den Bereichen Verkehr und Logistik, innere und äußere Sicherheit, Energie- und Wasserversorgung sowie Land- und Forstwirtschaft. Die Kundenportale werden konsolidiert und im Co-Design mit Stakeholdern weiterentwickelt, sodass Datenschnittstellen und Endnutzeranwendungen flexibel gestaltet und bedarfsgerecht erweitert werden können.
Die Wetter- und Klimaberatungskapazitäten werden neu strukturiert, um auf Bedarfsspitzen reagieren und zeitkritische, adressatengerechte Services weiterhin rund um die Uhr anbieten zu können. KI-Anwendungen werden systematisch in die Beratungs- und Produktservices integriert.
2. Transformation von Prozessen und Systemen
Die wissenschaftlich-technischen Verfahren, Anwendungen und Prozesse des DWD werden u.a. mit signifikant gestärkter KI-Kompetenz weiterentwickelt und optimiert.
Das bundesweite Messnetz des DWD wird kontinuierlich modernisiert und durch neue Messsysteme ergänzt – insbesondere durch Profilmessungen in der atmosphärischen Grenzschicht und erweiterte Niederschlagsmessung durch Radare. Neue Datenquellen wie Citizen-Science-Daten, Daten der nächsten Satellitengenerationen sowie kommerzielle Daten privater Wetterstationen werden in die Systeme eingebunden.
Das ICON-Modellsystem wird erweitert, um globale bis regionale Reanalysen, Wetter- und Klimavorhersagen sowie Klimaprojektionen aus einer Hand zu erstellen.
Das Integrierte Treibhausgas-Monitoringsystem (ITMS) wird operationalisiert, um alle relevanten Komponenten des nationalen Treibhausgasbudgets zuverlässig zu erfassen – ein zentraler Beitrag zur Überprüfung des Erreichens der deutschen Klimaschutzziele.
Eine neue hybride Hochleistungsrechner-Infrastruktur wird die Anforderungen von Modellierung, Forschung, KI-Nutzung und kritischem Produktionsbetrieb erfüllen. Dabei setzt der DWD interne und externe (Cloud-)Ressourcen stets nach neuestem Stand der Technik ein und nutzt einen Cloud-nativen Ansatz in der Anwendungsentwicklung. Die Datenhaltung und -bereitstellung wird modernisiert und für große Datenmengen mit zeitgemäßen, einheitlichen Schnittstellen ausgelegt. Durch proaktives Technologiescouting werden frühzeitig neue IT-Entwicklungen identifiziert und können zur Umsetzung innovativer Lösungen eingesetzt werden.
3. Stärkung nationaler und internationaler Partnerschaften
Der DWD intensiviert die Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Ressortforschung. Das etablierte Co-Design mit Bund und Ländern im hydrologischen Bereich wird auf weitere Kundengruppen und Sektoren ausgeweitet. Die Zusammenarbeit mit Bund, Ländern und Gemeinden wird intensiviert, um den Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.
Auf europäischer Ebene wird die strategische Kooperation mit EUMETNET, dem Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) und EUMETSAT ausgebaut, um die Infrastrukturen für Wetter- und Klimaservices in Europa nachhaltig zu verbessern. Die Nutzung von EU-Programmen wird systematisch vorangetrieben, um Synergien zwischen nationalen Aufgaben und europäischen Initiativen zu stärken.
Global wird der Austausch mit ost- und südosteuropäischen sowie afrikanischen Wetterdiensten intensiviert. Als Projektpartner der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) trägt der DWD zu funktionierenden regionalen Frühwarn- und Klimainformationssystemen bei. Das Engagement in internationalen Luftfahrtgremien wird gestärkt, um die Harmonisierungsbestrebungen im Rahmen des Single European Sky und weitere Anforderungen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) gemeinsam erfüllen zu können.
4. Moderne Unternehmenskultur und Arbeitsmethoden
Die Strategie befasst sich auch mit der internen Kultur. Fünf Leitwerte – Vertrauen, Offenheit, Zusammenhalt, Verantwortung und Mut – sollen die Zusammenarbeit in einer zunehmend diversen und von hybriden Arbeitsformen geprägten Organisation weiter stärken.
Moderne Ziel- und Berufsbilder werden eingeführt, die Förderung der Mitarbeitenden durch Karriere- und Talentprogramme gestärkt. Das Umwelt- und Energiemanagementsystem wird priorisiert, um ein belegbar nachhaltiges und umweltverträgliches Handeln zu ermöglichen – der DWD folgt damit der Vorgabe der Bundesregierung, wonach die öffentliche Verwaltung bei Klimaneutralität und Energieeffizienz eine Vorreiterrolle einnehmen soll.
Gesellschaftliche Bedeutung und Nutzen für die Öffentlichkeit
Im Kontext der Anpassung an den Klimawandel steigt der Bedarf an verlässlichen Informationen zu Wetter und Klima kontinuierlich. Die neue Strategie stellt sicher, dass der DWD diesem wachsenden Bedarf gerecht wird. Für die Bevölkerung bedeutet dies konkret: verbesserte Unwetterwarnungen mit klaren Handlungsempfehlungen, leichterer Zugang zu Wetter- und Klimainformationen über modernisierte digitale Angebote sowie noch verlässlichere Grundlagen für die individuelle Vorsorge.
„Mit unserer neuen Strategie haben wir eine klare, zukunftsorientierte Grundlage für unsere zukünftige Arbeit geschaffen“, erklärt DWD-Präsidentin Prof. Dr. Sarah C. Jones. „Gemeinsam, in enger Abstimmung mit unseren Mitarbeitenden und mit Mut sowie Selbstvertrauen gehen wir positiv in die Zukunft; wir bündeln unsere Kräfte und nutzen unsere Chancen konsequent.“





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