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Dirk Böhlje: Baumschuler in sechster Generation
Dirk Böhlje ist 33 Jahre jung und führt seit 2006 die traditionsreiche Baumschule Böhlje im norddeutschen Westerstede - er vertritt die sechste Generation der Familie in diesem Beruf und ist stolz darauf. Auf die Frage, ob er ernsthaft einen anderen Beruf für sich in Erwägung gezogen hätte, sagt er: „Meine Eltern haben mir die freie Wahl gelassen, aber ich glaube, ich bin in diesen Beruf im besten Sinne hineingeboren." Nach dem Schulabschluss und einer Weiterbildung an der Handelsschule machte er mit voller Überzeugung eine dreijährige Ausbildung zum Gärtner der Fachrichtung ´Baumschule`: „Die Ausbildung erfolgte nicht im elterlichen Betrieb, sondern in einer Baumschule, die beste Voraussetzungen bot: Ein breites Sortiment, ein Betrieb mit hohem Qualitätsanspruch, erfahrenen Ausbildern und gutem Ruf in der Branche." Nach anschließenden Wanderjahren in Betrieben in Bayern und in England stieg Dirk Böhlje in den elterlichen Betrieb ein, absolvierte 2005 die Meisterschule und übernahm 2006 vollverantwortlich als Geschäftsführer und Betriebsleiter die Baumschule ... wie vor ihm schon fünf Generationen der Familie.
Am Anfang war ...
... das Interesse an Pflanzen. Dirk Böhljes Ur-Ur-Ur-Großvater, der Landwirtssohn Johann Hinrich Böhlje (1828 - 1880) interessierte sich auch schon früh für die Anzucht von Bäumen und Sträuchern und machte eine Gärtnerlehre in einer kleinen ortsansässigen Baumschule. Wenngleich sein Vater damals von diesem Tun nicht eben begeistert war, stellte er seinem Sohn in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände des heutigen Betriebes Flächen für den Aufbau einer Baumschule zur Verfügung. 1845 begann der Pflanzenverkauf der Baumschule Böhlje; zunächst waren dies überwiegend Obstgehölze, später kamen mehr und mehr auch Ziergehölze dazu. Als der Betriebsgründer infolge eines Unfalls verstarb, musste sein Sohn Gerhard Diedrich Böhlje (1862-1951) schon mit 18 Jahren im elterlichen Betrieb Verantwortung übernehmen. Der junge Mann hatte sich zwar schon für den Gärtnerberuf entschieden, war aber noch in der Ausbildung. 1883 übernahm er den Betrieb in eigener Regie und baute ihn erheblich aus. G.D. Böhlje engagierte sich besonders für die Kultur von Rhododendren und immergrünen Laubgehölzen. Durch die Auslese winterharter Arten und Sorten trug er wesentlich zur Einführung der Rhododendren in die deutsche Gartenkultur bei und gilt heute als einer der Rhododendron-Pioniere in Deutschland. Daneben baute er ein großes Koniferensortiment auf und stellte 1906 die Anzucht von Obstgehölzen ein. Der Betrieb spezialisierte sich auf die Vermehrung und Kultur von Ziergehölzen und Koniferen. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts waren bereits 18 Hektar winterharte Laub- und Nadelgehölze in Kultur, das Sortiment umfasste 136 Sorten. Die Baumschule Böhlje verkaufte inzwischen Pflanzen in ganz Deutschland und exportierte auch nach Österreich und in die Schweiz.
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte mit den beiden Weltkriegen, Inflation und Weltwirtschaftskrise, schließlich sogar Produktionsverboten bzw. Flächennutzungsauflagen erhebliche Schwierigkeiten auch für die Baumschulbranche. Und mittendrin, 1937 übergab G.D. Böhlje im Alter von 76 Jahren die Bewirtschaftung der Baumschule an seinen Enkel, den Gärtnermeister Gerhard Hinrich Böhlje. Dieser vergrößerte in den 50er Jahren den Betrieb, erweiterte die Sortimente und erzielte zahlreiche Erfolge auf nationalen und internationalen Ausstellungen. 1977 gab er den Betrieb an seine Söhne Gerhard Diedrich und Jochen ab. Diese fünfte Generation Böhlje modernisierte die Baumschule grundlegend und führte zunehmend die Containerpflanzen-Kultur ein.
Chancen erkennen und nutzen
Die Tatsache, dass Dirk Böhlje auf einem traditionsreichen Boden arbeitet, ist ihm im Alltag kaum bewusst. „Ich freue mich, dass es hier Betriebsgebäude gibt, die seit über hundert Jahren von meiner Familie bewirtschaftet werden. Ich weiß, dass der alte Baumbestand auf unserem Hof von meinen Vorfahren gepflanzt worden ist, aber ich spüre keine Belastung durch dieses Erbe", so Böhlje spontan, „mein Betrieb ist mein Betrieb und wenngleich ich sicherlich davon profitiere, dass die Baumschule in der Branche bestens bekannt ist, so klar ist auch, dass wir heute den Anforderungen dieser Zeit entsprechen müssen. Da ist Tradition kein Korsett, aber sie ist auch sicher keine Garantie für Erfolg." Mit 15 Mitarbeitern gehört die Baumschule Böhlje eher zu den kleinen in der Branche. Es gibt Baumschulen in Deutschland, die mehr als zehnmal so viele Mitarbeiter haben und die wesentlich größere Baumschulquartiere bewirtschaften. „Jeder muss seinen Weg finden", stellt Böhlje trocken fest und verweist auf den Konkurrenzdruck, der längst nicht nur ein regionaler oder nationaler ist. Eine Baumschule in Deutschland arbeitet heute im Wettbewerb mit vielen anderen Anbietern, auch aus dem europäischen Ausland. Der Betrieb steht inzwischen auf drei Füßen: Die traditionsreiche Baumschule produziert ein breites Sortiment, die Pflanzenhandels-GmbH vermarktet die eigenen Produkte und komplettiert das Sortiment durch Zukauf in anderen Baumschulen zum Verkauf an Wiedervermarkter sowie den Garten- und Landschaftsbau. Neu dazugekommen ist das eigene Gartencenter für Privatkunden. Dirk Böhlje: „Unser Anspruch ist es, Pflanzen anzubieten, die andere nicht haben, besondere Sorten und die in bester Qualität." Auch er hat wie schon seine Vorgänger das Sortiment verändert, nach einer Phase mit Jungpflanzenzukauf setzt der Betrieb in den letzten Jahren wieder verstärkt auf Eigenproduktion.
Ein Markt in Bewegung
Der eigene Garten ist heute für immer mehr Menschen ein wichtiger Teil der Lebensqualität. Nicht nur, weil es derzeit kaum Zinsen für Geldanlagen gibt, investieren Gartenbesitzer in ihr privates Grün. Das wirkt sich auch auf dem Markt für Baumschulpflanzen aus. Es zeigt sich deutlich eine Spaltung in eine preiswerte Schiene von Gehölzen, die in Discountern und Baumärkten angeboten werden, und das qualitätsorientierte Segment des Fachhandels, wo besondere Sorten und außergewöhnliche Formen gefragt sind. Dirk Böhlje: „Wir positionieren uns gezielt mit einem Sortiment wertvoller Pflanzen und haben als Zielgruppe den Gartenbesitzer, der das Besondere sucht." Mit Stückzahlen je Pflanzenart und Sorte von maximal einigen Hundert kann und will der Betrieb nicht den Massenmarkt bedienen. Als typische Sortimentsbaumschule wendet sich Böhlje an den Fachhandel, also andere Baumschulen mit Privatverkauf und Gartencenter mit einem botanischen Anspruch. So findet man im Angebot der Baumschule zum Beispiel nicht nur verschiedene Hortensienarten, sondern eine Vielzahl an unterschiedlichen Sorten von Eichblatthortensien, Rispenhortensien, Tellerhortensien und vieles mehr. Anregungen für neue Sorten erhält Böhlje auf Messen und Ausstellungen, aber vor allem von den eigenen Mitarbeitern, die sich auch in ihrer Freizeit und im Urlaub für Pflanzen interessieren. Jedes Jahr nimmt der Betrieb etwa fünf neue Arten bzw. Sorten in das Sortiment auf.
Gute Zukunftsaussichten
Zur Zeit sind drei der insgesamt 25 Mitarbeiter Auszubildende. „Letztes Jahr haben gleich vier unserer Auszubildenden ihre Prüfung erfolgreich abgelegt", berichtet Dirk Böhlje nicht ohne Stolz, „und die haben alle sofort eine gute Anschlussstelle gefunden." Gut ausgebildete Gärtner der Fachrichtung ´Baumschule´ zeichnen sich vor allem durch gute Pflanzenkenntnisse aus und die erwirbt man in einem breit sortierten Betrieb am besten. „Pflanzenbegeisterung ist eine absolute Voraussetzung für den Gärtnerberuf." Seine nächsten Aufgaben sieht Böhlje in einer weiteren internen Optimierung der Betriebsabläufe, eventuell auch der Investition in mehr Technik, vor allem aber in guter Planung und effizienter Arbeit. Die nächste Generation ist gerade erst geboren und „wenn mein Sohn will, würde es mich freuen, wenn er weitermachte, in Zukunft brauchen die Menschen immer mehr Pflanzen." (Quelle: BdB)

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