DBV: Wandel und Umbau brauchen wirtschaftliche Perspektive

Zur Auftaktpressekonferenz der digitalen "IGW Spotlights 2022" gab der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, eine Einschätzung zur Situation der Landwirtschaft und zu den Herausforderungen der kommenden Jahre.

"Für uns ist entscheidend, dass unsere Betriebe auch eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive haben."

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"Unsere Bauernfamilien ernähren nicht nur die Gesellschaft, sondern engagieren sich stark im Klima-, Arten- und Naturschutz. Doch die wirtschaftliche Situation unserer Betriebe ist seit längerem angespannt, teils desaströs. Entsprechend schlecht ist die Stimmungslage unter den Landwirten. Das bestätigt das jüngste Konjunkturbarometer Agrar aus dem Monat Dezember 2021. Die Ursachen sind die fehlende Planungssicherheit, die sehr niedrigen Schweinepreise und die deutlich gestiegenen Betriebsmittelpreise. Außerdem machen sich die Landwirte, wie die Umfrage bestätigt, Sorgen um die Auswirkungen des Berliner Politikwechsels.

Der Indexwert des Konjunkturbarometers falle mit 8,8 im Dezember 2021 gegenüber 10,6 aus der vorangegangenen Befragung von September 2021 sogar etwas niedriger aus", so Rukwied. Die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage fällt gegenüber der Septembererhebung zwar etwas besser aus, die Hoffnungen auf eine künftig bessere wirtschaftliche Lage sind dagegen weiter gesunken.Trotz der schlechten wirtschaftlichen Stimmung ist noch etwas Investitionsbereitschaft der Landwirte vorhanden, vor allem bei Maschinen und Geräten, Hof- und Stalltechnik und Erneuerbaren Energien. Bei Wirtschaftsgebäuden bleibe das geplante Investitionsvolumen indes unverändert niedrig. Gründe dafür sind wenig Planungssicherheit und hohe gesetzliche Auflagen.

DBV-Präsident Rukwied wörtlich: „Für uns ist entscheidend, dass unsere Betriebe auch eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive haben. Dafür muss mehr Geld auf den Höfen ankommen. Positiv ist, dass der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir dies angehen will und hier nicht nur die Preise an der Ladentheke in den Blick nimmt, sondern auch die Erzeugerpreise. Mit einem Erlösanteil von gerade einmal 21% an den Ausgaben für Lebensmitteln gibt es keine vernünftige langfristige Perspektive für die Landwirtschaft.“

Eine weitere große Herausforderung ist laut Rukwied der Green Deal. „Der Green Deal darf die Versorgung mit nachhaltig erzeugten heimischen Lebensmitteln nicht konterkarieren. Die EU-Kommission hat die darin enthaltene Farm-to-Fork-Strategie ohne Folgenabschätzung und ohne Beachtung vorhandener Zielkonflikte formuliert. Gerade während der Corona-Pandemie haben wir aber gesehen, wie wichtig eine eigenständige und qualitativ hochwertige Lebensmittelerzeugung ist. Produktionsverlagerungen in Drittländer aufgrund einseitig hoher Auflagen müssen vermieden werden“, sagt Rukwied und bekräftigt, dass ein CO2-Grenzausgleichs-mechanismus auch für Agrarerzeugnisse notwendig sei.

„Der Klimawandel belastet auch die Landwirtschaft. Hier müssen wir handeln“, so Rukwied weiter. „Die Landwirte sind grundsätzlich bereit, über Erneuerbare Energien und gezielten Humusaufbau in Böden noch mehr zum Klimaschutz beizutragen. Wenn die Politik es ernst meint mit der CO2-Neutralität, dann muss sie Landwirte hier unterstützen und Klimaschutzleistungen entsprechend vergüten.“Auch den eingeschlagenen Weg des kooperativen Natur- und Artenschutzes wolle der Berufsstand weitergehen.

DBV-Präsident Rukwied im Wortlaut: „Wir setzen auf kooperative und produktionsintegrierte Konzepte. Schwarz-Weiß-Denken können wir uns nicht leisten; wir müssen Lebensmittelerzeugung und Artenschutz gemeinsam denken. Zudem brauchen wir Technologieoffenheit, um Pflanzen schützen zu können und Ernten abzusichern. Effizienz, Digitalisierung und auch moderne Züchtungstechniken sind der Schlüssel. (DBV)

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