Bonn: 42. Steuerkolloquium durchgeführt

Als eine regelmäßig sehr gut besuchte Fachveranstaltung mit rund 180 Teilnehmern hat sich das Kolloquium über Steuerfragen im Gartenbau etabliert. Am Dienstag, 17. September, veranstalteten der Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) und der HLBS - Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen e.V. dieses Kolloquium zum 42. Mal in der Stadthalle Bonn-Bad Godesberg.

Anzeige

Als eine regelmäßig sehr gut besuchte Fachveranstaltung mit rund 180 Teilnehmern hat sich das Kolloquium über Steuerfragen im Gartenbau etabliert. Am Dienstag, 17. September, veranstalteten der Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) und der HLBS - Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen e.V. dieses Kolloquium zum 42. Mal in der Stadthalle Bonn-Bad Godesberg.

Unter Leitung von Dipl.-Finanzwirt, Steuerberater Ernst Gossert, Vorsitzender des Steuerausschusses des HLBS und Helmut Rüskamp, Vorsitzender des Arbeitsausschusses für Recht und Steuern des ZVG, wurden aktuelle Themen aus dem Steuer- und Sozialversicherungsrecht mit besonderer Relevanz für gartenbauliche Betriebe erläutert und zur Diskussion gestellt. In seiner Begrüßung wies Ernst Gossert auf die Themenfülle von besonderer Aktualität hin, die sicher auch ausreichend Anregungen für Diskussionen lieferten.

Den Auftakt machte Rechtsanwalt und Steuerberater Ralf Stephany von der PARTA in Bonn und informierte über den aktuellen Stand der Diskussion mit der Finanzverwaltung zu Fragen der „Umsatzbesteuerung der Hin- und Rücklieferung von Transportbehältnissen“. Auch wenn das für April 2013 zu dieser Thematik angekündigte Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) noch nicht vorlag, gab er anhand des Entwurfs einen Überblick über die möglichen Veränderungen. Dabei machte er deutlich, dass nach seiner Auffassung bei der umsatzsteuerlichen Behandlung von Transportkisten eine Verbesserung für die Gartenbaubetriebe eintreten könnte, sofern das BMF-Schreiben tatsächlich in der angekündigten Weise veröffentlicht werde.

Ein für viele Gartenbaubetriebe existenzielles Thema griff Steuerberater Sebastian Nehls vom Landwirtschaftlichen Buchführungsverband, Kiel, in seinem Vortrag „Umsatzsteuerliche Behandlung der Wärmeabgabe aus Blockheizkraftwerken/Biogasanlagen unter Berücksichtigung der Selbstkosten“ auf. Anhand einer detaillierten Analyse der unterschiedlichen Sachverhalte und der Rechtsprechung, nicht nur zur Eigennutzung von Wärme, sondern auch zu anderen Eigenverbrauchstatbeständen, setzte er sich kritisch mit der aktuellen Haltung der Finanzverwaltung auseinander und zeigte gangbare Lösungsansätze auf. Vertieft wurde das Thema steuerliche Behandlung von erneuerbarer Energie auch unter dem Blickwinkel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) durch den Vortrag „Ertragsteuerliche und umsatzsteuerliche Folgen beim Betrieb von Photovoltaikanlagen unter Berücksichtigung der begrenzten Netzeinspeisung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2012“, in dem Dipl.-Ing. agr. Steuerberater Arne Suhr, wetreu Bremervörde, Real Treuhand KG Steuerberatungsgesellschaft, die Besonderheiten aufzeigte.

In einem besonderen Block, mit zwei Vorträgen, wurden „Praktische und rechtliche Anforderungen an die elektronische Registrierkassenführung in Gartenbaubetrieben“ beleuchtet. Dr. Christian Kläne, Finanzamt für Großbetriebsprüfung, Oldenburg, stellte die Sicht der Finanzverwaltung dar und erläuterte deren Auffassung zu den verschiedenen Aufzeichnungspflichten bei den unterschiedlichen Kassensystemen bis hin zur offenen Ladenkasse. Im zweiten Vortrag zeigte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Horst-Dieter Riepe, Frankfurt/M., aus der Sicht der Beratungspraxis auf, an welchen Stellen die Finanzverwaltung nach seiner Auffassung, insbesondere so mancher Betriebsprüfer in der Praxis, über das Ziel hinausschieße. Dabei ging er auch auf ein neueres Urteil des Hessischen Finanzgerichts ein, das Grenzen des Datenzugriffs für die Finanzverwaltung aufzeige, machte aber gleichzeitig deutlich, dass diese Frage höchstrichterlich noch nicht entschieden sei. Insbesondere diese beiden Vorträge regten - wie aber die übrigen Beiträge ebenfalls - zu Diskussionen mit den Teilnehmern an.

Auch der Nachmittag begann mit umsatzsteuerlichen Fragestellungen. In seinem Vortrag „Die umsatzsteuerlichen Anforderungen an eine wirksame Gelangensbestätigung auf der Grundlage der Neuregelung gem. § 17a Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV)“ setzte sich Dipl.-Oec. Dr. Matthias Winter, Flick Gocke Schaumburg Partnerschaft, Bonn, mit den aktuellen Anforderungen zum Nachweis der umsatzsteuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung auseinander. Ein Thema, das alleine dadurch besondere Aktualität bekam, dass am Tag der Veranstaltung das schon lange erwartete BMF-Schreiben veröffentlicht wurde, in dem die Finanzverwaltung ihre Auffassung zu den Nachweispflichten erläutert. In seinem praxisnahen Vortrag zeigte er auf, welche Anforderungen von Unternehmen zu erfüllen sind.

Dem Ertragsteuerrecht wandte sind dann Dipl.-Ing. (FH) agr. Steuerberater Andreas Völlinger, Burkart, Völlinger & Partner, Karlsruhe, in seinem Vortrag „Ertragsteuerliche Abgrenzungsfragen zum Gewerbe bei Tätigkeiten und Leistungen von Friedhofsgärtnereien“ zu. Im Rahmen der Auseinandersetzung mit den neuen Einkommensteuerrichtlinien und der darin neu gestalteten Auffassung der Finanzverwaltung zu den Abgrenzungsfragen zwischen landwirtschaftlichen und gewerblichen Einkünften im Ertragsteuerrecht, warf er die Frage auf, unter welchen Voraussetzungen es sinnvoll sein könnte, nach den neuen Regelungen auch bei Friedhofsgärtnereien ertragsteuerlich landwirtschaftliche Einkünfte zu generieren. Ein Thema, mit dem sich aus seiner Sicht insbesondere die Fachsteuerberater für die Gartenbaubetriebe intensiv auseinandersetzen sollten. Dabei verhehlte er nicht, dass dies durchaus zu Mehraufwand bei Mandanten und Steuerberatern führen kann, der gegen eventuelle positive steuerliche Erwägungen abgewogen werden müsse. Zu prüfen sei die Frage aus seiner Sicht aber auf jeden Fall, und zwar auch schon während der noch laufenden Übergangsregelungen. Auch dieses Vortragsthema war besonders zum Gedankenaustausch geeignet.

„Aktuelle Entwicklungen bei der landwirtschaftlichen Sozialversicherung und ihre Auswirkungen auf die Betriebe“ zeigte Rechtsanwältin Romana Hoffmann, ZVG, Bonn, in ihrem Vortrag auf. Dabei ging sie insbesondere auf Veränderungen ein, die die Gartenbaubetriebe betreffen werden. Auch wenn für viele Gartenbaubetriebe der Beitragsmaßstab Lohnsumme bzw. Unternehmerlohn im Grundsatz erhalten bleibe, werde es durch die Zusammenfassung aller bisherigen Träger der landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger zu einem Bundesträger zu Veränderungen in der Struktur der Risikogruppen aber auch zu den Anforderungen an die Jahresmeldungen kommen, insbesondere für sogenannte Mischbetriebe. Gleichzeitig machte sie allerdings auch deutlich, dass viele Details noch nicht endgültig entschieden seien.

Im abschließenden Vortrag präsentierte Rechtsanwalt Hans-Josef Hartmann, HLBS, Berlin, seine „Einschätzungen zur aktuellen Entwicklung bei der Erbschaftsteuer“ mit besonderem Blick auch auf das landwirtschaftliche Betriebsvermögen und verfassungsrechtliche Wertungen der Behandlung unterschiedlicher Vermögensarten.

In seinem Schlusswort dankte Helmut Rüskamp den Teilnehmern für ihre Bereitschaft sich mit den besonderen steuerlichen Anforderungen für die Gartenbaubetriebe auseinanderzusetzen und wies darauf hin, dass auch im Jahr 2014 der ZVG und HLBS in gewohnter und bewährter Zusammenarbeit wieder ein Kolloquium über Steuerfragen im Gartenbau in Bonn durchführen werden. Interessenten sollten sich schon jetzt den Termin 9. September 2014 in der Stadthalle in Bonn-Bad Godesberg vormerken. (ZVG)

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.