Berlin: Großhandelszentrum Beusselstraße wächst

Berliner Blumengroßmarkt zieht 2010 auf dem Großmarkt an der Beusselstraße ein. Landgard mietet großen Teil der Fläche für neuen Abholmarkt. Großhandelszentrum bietet in Zukunft Komplettsortiment mit Obst, Gemüse, Südfrüchten, Fleisch, Fisch und Blumen an einem Standort.

Modell des geplanten Neubaus

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Berlin - Der Aufsichtsrat der Berliner Großmarkt GmbH hatte im August 2009 „grünes Licht“ für den Neubau des Blumengroßmarktes auf dem Gelände an der Beusselstraße in Berlin-Moabit gegeben (GABOT berichtete). Baubeginn war im September 2009. Gebaut wird zur Zeit auf einer Freifläche zwischen der Obst- und Gemüsehalle des Fruchthofs und dem Fleischgroßmarkt.

Der neue Blumengroßmarkt wird mit rund 12.000 qm Verkaufsfläche etwa doppelt so groß werden wie die entsprechende Fläche in der bisherigen Halle an der Friedrichstraße. Rund 6.000 qm werden in Hallenbauweise errichtet, den Auftrag für den Bau des rund 6.000 qm großen Gewächshausteils hat der niederländische Gewächshausbauer Thermoflor/Grimbergen erhalten. Die Fertigstellung ist für Ende Februar/Anfang März 2010 geplant, Eröffnung wird am 13. März 2010 sein. Ursprünglich war die Bauzeit auf etwa 9 Monate veranschlagt. Die Berliner Großmarkt GmbH investiert rund 11 Mio. EUR.

Mit der Umsiedlung des Blumengroßmarktes an die Beusselstraße wird der Standort zu einem modernen Großhandelszentrum weiterentwickelt. Zukünftig wird das Großhandelszentrum ein Komplettsortiment mit Obst, Gemüse, Südfrüchten, Fleisch, Fisch und Blumen an einem Standort.anbieten können und so einen wichtigen Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit des Berliner Mittelstandes leisten.

Schon heute ist das Gelände an der Beusselstraße mit seiner Gesamtfläche von 33 ha (330.000 qm) Berlins Frische- und Logistikzentrum. Der Bauch von Berlin, so nannten die Berliner jahrzehntelang „ihren“ Großmarkt. Rund 350 Fachhändler als Mieter setzen jährlich Waren (ca. 500.000 t) im Wert von rund 1 Milliarde EUR um. Damit gehört der Berliner Großmarkt zu den größten Versorgungszentren in Deutschland. Zum Einzugsgebiet gehört neben der Bundeshauptstadt Berlin das Land Brandenburg - insgesamt rund sechs Millionen Menschen. Die Versorgungsfunktion des Großmarktes Beusselstraße strahlt gleichzeitig bis in die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hinein.

Mit fast 30.000 qm Grundfläche ist die Obst- und Gemüsehalle die größte zusammenhängende Handelsfläche auf dem Gelände. Moderne Bananenreifkammern, umfangreiche Lagerflächen, der Fleischgroßmarkt sowie das Umschlagzentrum für Frisch- und Tiefkühlfisch runden das Angebot des Standortes ab. Außerdem dient der Großmarkt Beusselstraße als Standort für Speditionen, Reparaturbetriebe, öffentliche Dienststellen (z.B. der Arbeitsagentur, des Landesveterinäramtes), eine Tankstelle, Waschanlagen und Recyclingfirmen. Insgesamt sind rund 2.500 Beschäftigte an der Beusselstraße beschäftigt.

Am Standort Friedrichstraße werden zur Zeit noch mit etwa 700 Kunden rund 30 Mio. Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaftet. In den neunziger Jahren wurden hier im Durchschnitt noch Waren im Wert von rund 50 Mio. EUR jährlich umgesetzt. Die unmittelbare Nähe zum Regierungsviertel und das gewachsene Verkehrsaufkommen in der Innenstadt machen den Kunden und Händlern zunehmend zu schaffen. Verbunden mit den fehlenden Erweiterungsmöglichkeiten sind die Tage dieses Standortes als Blumengroßmarkt nun endgültig gezählt.

Mit dem Umzug der Blumengroßhändler von der Friedrichstraße an die Beusselstraße siedeln sich die Betriebe an einem gut erschlossenen Standort mit direkter Autobahnanbindung an. Die neue Blumengroßmarkthalle an der Beusselstraße wird mit rund 12.000 qm Verkaufsfläche etwa doppelt so groß werden wie die entsprechende Fläche in der bisherigen Halle an der Friedrichstraße. Der Neubau an der Beusselstraße bietet somit Raum für ein wesentlich breiteres und größeres Angebot, als es bisher an der Friedrichstraße möglich war. Anders als der bisherige Blumengroßmarkt-Standort wird die neue Halle in drei Bereiche aufgeteilt sein: Den Pflanzenbereich, den für Schnittblumen und den für Floristikbedarf.

Doch nicht alle Blumengroßhändler von der Friedrichstraße erhalten wieder einen Mietvertrag. Rund die Hälfte der neuen Fläche hat Landgard gemietet, was in Berlin zu großen Diskussionen geführt hatte. Im neuen Blumengroßmarkt wird sich Landgard auf das Gebiet Zimmer- und Gartenpflanzen spezialisieren. Die Landgard Blumen & Pflanzen GmbH betreibt im Berliner Raum bereits Abholmärkte in Berlin-Buchholz, Berlin-Rangsdorf, Michendorf (Langerwisch) und Fretzdorf und sichert sich so einen weiteren zentralen Standort. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der bisherigen 30 Großhändler aus der Friedrichstraße werden einen neuen Mietvertrag erhalten und mit ihrem Sortiment, das vor allem aus Schnittblumen und Floristikbedarf besteht, das Angebot abrunden.

Großmarkt-Geschäftsführer Andreas Foidl setzt mit dem Neubau große Hoffnungen in das sogenannte One-Stop-Shopping-Konzept für Gewerbetreibende: „Ankommen, parken und im unmittelbaren Umfeld alternative Einkaufsmöglichkeiten nutzen wie Pflanzen und Blumen, Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, ergänzt um technische und logistische Dienstleistungen wie Tanken, Waschen, Reparieren, Kühlen und Frosten.“

Der Blumengroßmarkt wird spätestens mit Ablauf der Pachtverträge 2010 an die Beusselstraße in Berlin-Moabit verlagert. Mit dem Beschluss des Aufsichtsrates, den Neubau der Blumenhalle an der Beusselstraße abzusegnen, war auch der Grundstein für den Verkauf des Objektes an der Friedrichstraße gelegt. Eine Teilfläche des Geländes, die heutige Blumengroßmarkthalle, soll an die Stiftung Jüdisches Museum verkauft werden. Notwendige Änderungen im Planungsrecht sind bereits vom Bezirk auf den Weg gebracht.

Vom Blumenmarkt an der Friedrichstraße

1970 wurde der Blumenmarkt an der Friedrichstraße vom Land Berlin an den Berliner Großmarkt übertragen. Als sogenannte „Markthalle 2“ am 3. Mai 1886 fertiggestellt, fand dort in einem Teilbereich auf einer Fläche von 250 qm der Handel mit Blumen und Pflanzen statt. In den 30er Jahren dehnte sich der Blumengroßmarkt auf eine Fläche von 3.600 qm aus und wurde damit zu einem der größten in Europa.

Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurde die Blumengroßmarkthalle vollständig durch Bomben zerstört. Eine Phase provisorischer Lösungen folgte, bis sie von 1962 bis 1965 mit einem Kostenaufwand von 9 Mio. DM (ca. 4,6 Mio. EUR) unter einer Shed-Dach-Konstruktion als moderne Halle wieder aufgebaut wurde.

Rund 24.000 qm umfasst heute das Marktgelände an der Friedrichstraße. Darauf steht eine 6.500 qm großen Verkaufshalle mit Büros und den überdachten Kundenparkplätzen. In der Halle bieten Blumenhändler, Importeure, Gartenbaubetriebe und Bedarfsartikelhändler ihre Waren an. In den neunziger Jahren wurden im Durchschnitt Waren im Wert von rund 50 Mio. EUR jährlich umgesetzt.

Mit der Wiedervereinigung haben sich die infrastrukturellen Bedingungen des Standortes spürbar verschlechtert. Das Verkehrsaufkommen hat stark zugenommen, so dass ein durchgehend reibungsloser Kunden- und Lieferverkehr nicht mehr möglich ist. Verbunden mit der momentanen Bebauung und dem sensiblen Umfeld (Wohnbebauung) bestehen auch keine Erweiterungsmöglichkeiten, um den veränderten Marktbedingungen gerecht werden zu können. Die Verlagerung des Blumengroßmarktes auf das Großmarktgelände an der Beusselstraße in den kommenden Jahren bietet enorme Chancen für alle Beteiligten: Optimale Anbindung in zentraler Lage, moderne und kostengünstige Handels- und Lagerflächen, kurze Wege und ein noch breiteres Warenangebot, so die Berliner Großmarkt GmbH.

Bilder vom Neubau

Thermoflor: Bilder vom Neubau

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