Baumschulpflanzen in Rinnen: Neues System erlangt Praxisreife

Seit sieben Jahren wird an der Applied Plant Research-Versuchsstation im niederländischen Randwijk an der Kultur von Baumschulpflanzen in großen Rinnen geforscht. Inzwischen hat das System die Praxisreife erlangt und bietet gegenüber der Kultur im offenen Boden einige Vorteile.

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Seit sieben Jahren wird an der Applied Plant Research-Versuchsstation im niederländischen Randwijk an der Kultur von Baumschulpflanzen in großen Rinnen geforscht. Inzwischen hat das System die Praxisreife erlangt und bietet gegenüber der Kultur im offenen Boden einige Vorteile.

Auch Baumschulgärtner sind immer an neuen, besseren Kulturverfahren interessiert. Praktiker haben zusammen mit Praktijkonderzoek Plant & Omgeving Boomkwekerij daraufhin dieses System entwickelt, dass das Superoots Airpot-Material nicht als Pflanzcontainer nutzt, sondern als eine lange, mehr oder weniger endlose Rinne. Die wird dann mit Substrat befüllt und im Frühjahr mit den passenden Kulturen bepflanzt. Im Herbst kann dann geerntet werden: Eine Maschine zieht den Rinneninhalt komplett aus der Unterkonstruktion, wickelt das Kunststoffmaterial auf und schneidet die Pflanzen auseinander, so dass feste Ballen bleiben.

Dieses Anbaumethode, auch Dutch-U-System genannt, bringt gegenüber dem Freilandanbau sehr viele Vorteile: 
- effiziente Wasser- und Düngergaben in einem mehr oder weniger geschlossenen System 
- sehr gut steuerbare Kultur 
- deutlich weniger Unkraut im Bestand – daher geringerer Herbizideinsatz nötig 
- bessere Arbeitshöhe bei Kulturarbeiten an der Pflanze 
- Maschineneinsatz beim Ernten/Roden möglich 
- System ist sehr umweltfreundlich (kein Dünger und Herbizideintrag in den Boden, das Rinnenmaterial kann mehrfach wiederverwendet werden

Der wichtigste Punkt für den Gärtner ist aber die bessere Pflanzenqualität, weil Ringwurzeln in diesem System vermieden werden und die Kulturen insgesamt einen besseren Zuwachs machen als bei der Kultur im Boden. Interessant kann auch die Vermarktung sein, denn mit einem neuen Produkt können auch neue Märkte erschlossen werden.

"Unsere Versuche haben gezeigt, dass die Kultur im Dutch-U-System besonders erfolgreich ist, wenn die Pflanzen aus der Rinne im Herbst in einen Großcontainer verpflanzt werden. Nach einem weiteren Kulturjahr haben die 2-jährigen Pflanzen dann eine Größe, wie sie 3-jährige Pflanzen im Freiland haben. Das ist eine große Einsparung an Kulturzeit", sagt Henk van Reuler von der Versuchsstation in Randwijk. Nachteile des Systems sind einerseits die Kosten, die van Reuler mit rund 30 Euro pro laufenden Meter Rinne beziffert; andererseits die Notwendigkeit, die Pflanzen im Herbst in jedem Fall roden zu müssen, da die Bestände im Rinnensystem nicht überwintert werden können.

Seit 5 Jahren testet Baumschulgärtner Wim Crum das System in seinem Betrieb auf Herz und Nieren. Als Hauptvorteil der Rinnenkultur nennt Crum die Verpflanzreife der Bäume, die im Gegensatz zum Freiland bereits im September erreicht wird. "In der heutigen Zeit müssen wir in unserem Betrieb die Arbeiten zeitlich gut verteilen, um die Mitarbeiter immer auszulasten und Arbeitsspitzen zu vermeiden", sagt Crum. Zudem sei es aufgrund des Maschineneinsatzes eine etwas "leichtere" Arbeit. Allerdings seien nicht alle Pflanzengattungen für die Kultur in der Rinne geeignet; auch nach 5 Jahren würde man in diesem Punkt immer noch etwas experimentieren. Insgesamt sieht Crum das System aber als zukunftsweisend und will demnächst die Rinnenkultur in seinem Betrieb ausweiten – auch wenn die Kosten für einen Baumschuler der an sich im Freiland kultiviert, recht hoch seien. 

Das Dutch-U-System hat die Praxisreife erreicht, auch wenn weitere Versuche zu Kulturen, Pflanzabständen und Substraten nötig sind. Die Nachfrage nach Pflanzen aus diesem System steigt – so werden sich in Zukunft immer mehr Baumschulbetriebe für die Kultur in Rinnen entscheiden.

Autor: Andreas Henk, GABOT

 

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