Baden-Württemberg: Parlamentarischer Abend der Gartenbauverbände

Rund 90 Gäste aus dem Gartenbau und der Politik kamen zum traditionellen jährlichen Austausch.

Von links: Reiner Bierig, GF VGL BW, Martin Joos, Vorstandsvorsitzender VGL BW, Bernd Hopp, stellv. Vorstandsvorsitzender VGL BW, Isabel Kling (MLR), Erhard Schollenberger, stellv. Vorstandsvorsitzender VGL BW, Minister Peter Hauk (MLR), Vizepräsident GVBWH Ulrich Natterer, GVBWH Präsident Gerhardt Hugenschmidt, Thomas Heiland, HGF GVBWH. Foto: Petra Reidel.

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Minister Peter Hauk, die Staatssekretärinnen Sabine Kurtz (MLR) und Gisela Splett (Ministerium für Finanzen) sowie Martin Hahn, Vorsitzender im Ausschuss für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, nahmen zusammen mit zahlreichen Landtagsabgeordneten aus Baden-Württemberg die Einladung in den Versuchsbetrieb der Staatsschule Hohenheim an. Auch Ministerialdirektorin Isabel Kling und Dr. Konrad Rühl, Leiter der Abteilung Landwirtschaft (beide MLR) sowie die Kanzlerin der Universität Hohenheim, Katrin Scheffer, waren zugegen.

Am Mittwoch, den 15. Mai, fand mit Blick auf das zukünftige Baufenster der neuen Meisterschule in Stuttgart Hohenheim der Parlamentarische Abend der Gartenbauverbände statt. Dr. Michael Ernst, Direktor der Staatsschule für Gartenbau in Hohenheim, führte die Gäste über die verschiedenen Versuchsflächen und gab Einblicke in die Versuchsarbeit.

Die Einladung wurde gemeinsam vom Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen (GVBWH) sowie vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V. (VGL BW) ausgesprochen. Bei einem gemeinsamen Abendessen kamen die Unternehmer der grünen Branche mit den anwesenden Landtagsabgeordneten intensiv ins Gespräch.

In der von Janina Treis moderierten Talkrunde mit Martin Joos, Vorstandsvorsitzender des VGL BW und Gerhardt Hugenschmidt, Präsident des GVBWH, kamen folgenden Punkte zur Sprache, um den Landtagsabgeordneten die aktuellen Probleme der Branche näher zu bringen.

Städte und Gemeinden stehen vor großen Herausforderungen

Der anhaltende Zuzug verstärkt die Lärm- und Feinstaubbelastung, der Klimawandel bringt Stark- regen, Stürme, Hitze und Trockenheit. Die Stadtentwicklung benötigt dringend einen Richtungswechsel, hin zu mehr Grün und „Blau“, um die urbanen Temperaturen zu senken, die Artenvielfalt und Biodiversität zu steigern und mehr grüne Lebensqualität zu schaffen. Hierfür benötigt es intelligente Planungen, die Neubauten und Natur, beispielsweise durch Dach- und Fassadenbegrünungen, zusammenbringen. Die grün-blaue Stadtentwicklung muss endlich ins Zentrum politischen Handelns rücken. Die richtigen Weichen sind jetzt zu stellen. Es braucht in Baden-Württemberg gezielte Förderprogramme, damit die Klimaziele der Bundesregierung und der Green Deal der Europäischen Kommission umsetzbar werden. Unternehmen, die in eine grün-blaue Infrastruktur investieren, gehören mit Ökopunkten oder Fördermaßnahmen belohnt.

Maut für leichte Nutzfahrzeuge ab 3,5 Tonnen

Mit der veröffentlichten „Liste der handwerklichen Tätigkeiten“ hat die Branche nun die Gewissheit, dass der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, aber auch der Gartenbau an sich vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) nicht berücksichtigt wurde. Keiner weiß warum. Der Garten- und Landschaftsbau und die anderen Fachsparten der Gärtner waren bislang mit dabei und erfüllen alle Voraussetzungen, unter anderem auch durch eine dreijährige duale Ausbildung mit handwerklichen Tätigkeiten. Nach welchen Kriterien hier ausgewählt wurde ist nicht nachvollziehbar, denn der Landschaftsgärtner steht auf der Liste der anerkannten Ausbildungsberufe des BIBB. Weshalb von der Ampelkoalition, die für fortschrittlichen Klimaschutz steht, Betriebe ausgeschlossen werden, die sich jeden Tag aktiv für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzen ist ein Rätsel, welches somit wohl voraussichtlich vor Gericht geklärt werden muss.

Bildungsoffensive für die Zukunftsbranche Gartenbau

Tragfähige Zukunftsoffensiven benötigen qualifiziertes Personal und als Grundlage eine moderne Bildungsinfrastruktur. Ein Baubeginn für die Meisterschule im Jahr 2028 wäre da ein gewaltiger Rückschritt für die Branche, zeigt Joos auf. Die infrastrukturelle und inhaltliche Neuaufstellung der DEULA als überbetriebliche Bildungsstätte ist Anliegen und Auftrag. Für diese Zukunftsaufgaben braucht es nicht nur Finanzmittel des Landes, sondern hier sind mittelfristig auch Fördergeber des Bundes, wie beispielsweise das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB, notwendig. Auch die personelle Infrastruktur an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg benötigt bei der Meister- und Baumpflegeausbildung sowie für den neuen Dualen Studiengang BWL-Handel-Management im Garten- und Landschaftsbau zusammen mit der Hochschule in Mosbach dringend einen Ausbau. Zurzeit muss jährlich über 30 Weiterbildungswilligen ein Platz für die Meisterausbildung aus Kapazitätsgründen abgesagt werden. Zudem ist ein gigantischer digitaler Wandel in der Ausbildung der gesamten Branche zu bewerkstelligen. Des Weiteren sind gute Betriebe mit Ausbildungswillen im Produktionsgartenbau lösungsorientiert zu unterstützen und nicht durch unnötige Schikanen auszubremsen, das wünscht sich Gerhard Hugenschmidt von den zuständigen Stellen. Alle Fachsparten benötigen gut ausgebildetes Personal, um erfolgreich fortbestehen zu können.

Gartenschauen in Baden-Württemberg

Der nachhaltige „Gewinn“ der Gartenschaustädte ist unbestritten. In diesem Jahr läuft die Landesgartenschau in Wangen im Allgäu, die bereits nach wenigen Wochen den 100.000 Besuchenden begrüßen durfte. Gerhard Hugenschmidt bittet dringend darum, eine Anpassung der Förderhöhen für die ab dem Jahr 2037 folgenden Gartenschauen vorzunehmen. Das wäre ein wichtiges Signal für alle interessierten Städte und Gemeinden im Ländle, denn es sollte zu keinerlei Verzögerung bei der neuen Bewerberrunde für die Landesgartenschauen nach 2036 kommen.

Weitere Fachsparten des Gartenbaus

Der Gemüsebau kämpft neben fehlenden Fachkräften und Aushilfskräften auch mit Erzeugerpreisen, die nicht auskömmlich sind. Die Margen im Handel vermitteln leider keine Unterstützung regionaler Produkte. Doch seit wenigen Tagen gibt es dank der Bauernproteste einige Erleichterungen aus Brüssel für diese Fachsparte. Die Zierpflanzenbetriebe sind vor allem von der Erhöhung der CO2-Steuer und den damit erheblich gestiegenen Energiepreisen massiv betroffen. Es braucht dringend ein vereinfachtes Antragsverfahren für die Unterstützung kleiner Unternehmen. Der Friedhofsgartenbau steht häufig in direkter Konkurrenz mit kommunalen Betrieben, doch gekämpft wird mit unterschiedlichen Waffen, da die Kommunen keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen und dies voraussichtlich bis Ende 2026 auch so bleiben wird.

Der Parlamentarische Abend der Gartenbauverbände ist jedes Jahr eine willkommene Veranstaltung, bei der Unternehmer und Parlamentarier in ansprechendem Ambiente aktuelle Anliegen des Berufsstandes auszutauschen und diskutieren. Der direkte Dialog mit den Abgeordneten ist von großer Bedeutung für die Unternehmen der Branche.

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