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Agrarchemie: Geringes Wachstum, große Unsicherheit
Gründe dafür sind vor allem im Pflanzenschutz die fortdauernden regulatorischen Unsicherheiten und auf den Düngemärkten die Energiepreisentwicklung infolge der aktuellen geopolitischen Lage.
Wichtige EU-Initiativen wie der Food and Feed Safety Simplification Omnibus oder die Neuausrichtung der deutschen Pflanzenschutzmittel-Zulassung müssen nach Auffassung des IVA konsequent fortgesetzt werden. Zugleich forderte der Wirtschaftsverband, durch Maßnahmen wie den CO2-Ausgleichmechanismus (CBAM) oder Meistbegünstigten-Zölle (MFN) faire Wettbewerbsbedingungen für deutsche und europäische Düngemittel-Produzenten weiter zu sichern.
Leichtes Wachstum auf dem Pflanzenschutzmarkt
Der Nettoinlandsumsatz auf dem deutschen Pflanzenschutzmarkt (Direktgeschäft zwischen der im IVA organisierten Industrie und dem Pflanzenschutzgroßhandel) wuchs nach zwei Jahren deutlich rückläufiger Geschäfte um 4,3% auf 1,273 Mrd. Euro im Jahr 2025 (2024: 1,220 Mrd. Euro). Treiber für das Marktwachstum war ein gestiegener Herbizid-Umsatz mit 606 Mio. Euro (plus 18,6%), der mit vorgezogenen Käufen des Handels infolge unklarer Zulassungsfragen einzelner Wirkstoffe zusammenhing.
Der Fungizid-Umsatz dagegen ist im Jahr 2025 auf 451 Mio. Euro zurückgegangen (minus 4,9%). Ausschlaggebend hierfür waren die überwiegend trockenen Witterungsbedingungen. Der Insektizid-Umsatz lag 2025 mit 129 Mio. Euro sogar um 7,2% unter dem Wert des Vorjahres. Gerade bei den Insektiziden macht sich der Wegfall bewährter Wirkstoffe – ohne dass Alternativen auf den Markt kommen – in der Anbaupraxis negativ bemerkbar.
Regulierung hemmt Innovation
Das größte Hemmnis für innovative Lösungen im Pflanzenschutz sieht IVA-Präsident Michael Wagner weiterhin in der strangulierenden Regulierung in Deutschland und der EU. „Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht auf eine fast 20 Jahre alte EU-Verordnung zurück, die weltweit die strengsten Kriterien für Pflanzenschutzmittel einführte, aber Planbarkeit bei der Markteinführung neuer Pflanzenschutzmittel versprach. Im Ergebnis sehen wir heute statt Innovation nur Stillstand – gerade einmal ein neuer chemisch-synthetischer Wirkstoff ist seit 2019 in der EU genehmigt worden.“
Zwar sieht Wagner in Deutschland leichte Fortschritte, weil es den Behörden gelungen ist, den Zulassungsstau von Pflanzenschutzmitteln bei den einfacheren Verfahren abzubauen, an denen Deutschland als beteiligter Mitgliedstaat mitwirkt. Gelöst ist das Grundproblem aus seiner Sicht allerdings nicht: „In Zukunft müssen auch Zulassungsanträge, die Deutschland federführend bearbeitet, effizient und fristgerecht umgesetzt werden. Eine hierzulande erteilte Zulassung galt einmal als der Goldstandard – und da müssen wir hin: Deutschland muss wieder ein attraktiver Zulassungsstandort in Europa werden!“
Aus Wagners Sicht wird dies ohne klare Zuständigkeiten nicht zu erreichen sein: „Es darf nur eine Behörde geben, nämlich das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in enger Zusammenarbeit mit den gleichberechtigten Bewertungsbehörden entscheidet. Dass dem Umweltbundesamt bis heute ein Veto-Recht zukommt, ist ein Webfehler im Pflanzenschutzgesetz, der dringend korrigiert gehört.“
Düngemittelmarkt erholt sich von historischem Tief
Auf dem Düngemittelmarkt wuchs der Stickstoffabsatz in der Düngesaison 2024/25 um 3,8% auf 1,137 Mio. Tonnen Stickstoff (Vorsaison: 1,095 Mio. Tonnen). Der positive Trend aus dem vorherigen Düngerjahr setzte sich für Kali fort, gleichzeitig stagnierte der Phosphat-Absatz nach dem starken Zuwachs im Vorjahr weitgehend.
Während bei Phosphat-Düngern ein Minus von 1,7% (139.740 Tonnen P) zu verzeichnen war, konnten Kali-Düngemittel einen Absatzgewinn von
7,3% (340.350 Tonnen K) verzeichnen. Die Kalkdünger bewegen sich nach den Rückgängen aus den beiden Vorjahren kräftig nach oben (3,178 Mio. Tonnen CaO, ein Plus von 28,2%). Ursächlich sind die guten Witterungsbedingungen während der Hauptausbringzeit nach der Getreideernte.
Klare Regeln für fairen Wettbewerb
„Was wir in den vergangenen beiden Jahren auf dem deutschen Düngemittelmarkt gesehen haben, will man nicht ernsthaft Wachstum nennen – es ist eher die überfällige Korrektur, nachdem das Absatzvolumen in der Düngesaison 2022/23 ein historisches Tief erreicht hatte. Heute ist der Markt wieder in Unruhe, ausgelöst durch die geopolitischen Herausforderungen insbesondere infolge des Kriegs im Iran“, erläuterte IVA-Vizepräsident Marco Fleischmann, Vorsitzender des Fachgebiets Pflanzenernährung.
Fleischmann forderte von der Politik konsequentes Handeln im Sinne fairer Wettbewerbsbedingungen für die deutschen und europäischen Düngemittel-Hersteller: „Wer es mit Klimaschutz in der Landwirtschaft ernst meint, findet in der Düngung den größten Hebel. Die einheimischen Hersteller haben erheblich in ihre Produktionsanlagen investiert; sie haben heute nur den halben CO2-Fußabruck wie russische Anlagen.“
Daher ist es nach Fleischmanns Ansicht unerlässlich, an Maßnahmen wie CBAM und MFN-Zöllen festzuhalten. Unterstützt werden müsste in der Krise aber auch die Landwirtschaft: „Die Lage für die Bauern ist prekär: Ihre Kosten für Betriebsmittel und Energie steigen, während die Erzeugerpreise unter Druck stehen. Es wäre wünschenswert, wenn sie aus den neuen Einnahmen wie den CBAM-Gebühren während der Krise ihren fairen Anteil erhielten.“

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