40 Jahre Bacillus thuringiensis

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Schon seit etwa 40 Jahren wird das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) für den Pflanzenschutz in der Landwirtschaft, einschließlich des biologischen Landbaus, genutzt. Als Wirkstoff dienen die lebenden Sporen. Ihre Eiweißkristalle können nur in einem hoch alkalischen Darmsaft bestimmter Larven und Raupen von einem Enzym gelöst werden. Das führt dann dazu, dass die oberste Zellschicht des Darms zerstört wird. Die Fraßschädlinge verhungern. Für alle anderen Lebewesen ist dieses Bt-Eiweiß harmlos. Es wird wie die übrigen Eiweiße in der Nahrung auch, im Magen und Darm abgebaut.

 

Wie kam es zu den ersten Bacillus-thuringiensis-Präparaten?

Auf die Spur des Bodenbakteriums kam ein Forscher namens Ernst Berliner, als er Anfang des vorigen Jahrhunderts aus den Larven kranker Mehlmotten das bis dahin unbekannte Bakterium isolierte. Da er die erste Probeeinsendung aus einer Mühle in Thüringen erhalten hatte, gab er dem Bakterium den Namen B. thuringiensis. 1938 wurde erstmals in Frankreich ein kommerzielles Insektizid auf Bt-Basis vertrieben. In den 60er Jahren folgten dann weitaus wirksamere Präparate gegen verschiedene Fraßschädlinge. In Deutschland sind derzeit Bt-Präparate gegen die Larven des Kartoffelkäfers und die Raupen des Einbindigen Traubenwicklers (Weinbau) zugelassen. Im Forst können z. B. bestimmte Schmetterlingsraupen, die Junglarven der Nonne und die in diesem Frühjahr als Plagen in Erscheinung getretenen Raupen des Frostspanners und Eichenprozessionsspinners bekämpft werden.

 

Hilfe bei der Schnakenbekämpfung

Wer kennt sie nicht, die lästigen Blutsauger, die im Frühsommer jedermann piesacken. In den Auen des Oberrheins rückt man solchen Schnakenplagen mit B. thuringiensis israelensis (Bti) zuleibe. Dabei handelt sich um einen von über 30 beschriebenen Typen von B. thuringiensis, die jeweils eine sehr spezifische Wirkung auf unterschiedliche Insektengruppen haben.

 

Von der Gentechnik entdeckt

Eine größere Aufmerksamkeit erlangte Bacillus thuringiensis im Zusammenhang mit dem so genannten Bt-Mais. Vor über zehn Jahren war es Forschern gelungen, mit Hilfe der Gentechnik Maispflanzen zu züchten, deren Pflanzenzellen das spezielle Bt-Eiweiß aus diesem Mikroorganismus produzieren. Dadurch nimmt z. B. die Larve des Maiszünsler-Falters, die sich vom Inneren des Stängels ernährt, das Eiweiß mit auf. Die Folge: Ihr Darm wird zerstört, sie verhungert. Ansonsten ist dem Schädling im Schutze des Stängels mit Pflanzenschutz- Behandlungen nur schwer beizukommen. Immerhin gehen weltweit 7% der Maisernte durch diesen Schädling verloren, das sind 40 Mio. Tonnen Mais pro Jahr. Mittlerweile werden in USA, China, Brasilien und anderen Ländern z. T. große Flächen mit Kartoffeln, Baumwolle, Raps, Mais und vor allem Sojabohnen angebaut, denen Bt-Gene - auch andere Gene - übertragen wurden. So können sie sich selbst vor bestimmten Schädlingen schützen. (Quelle: Profil-Online)

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