Im Interview: Verena Morasch

Die Friedhofs- und Landschaftsgärtnerei Morasch unter der Leitung von Verena Morasch hat bei der BUGA Mannheim 2023 eine besonders kurze Anreise. Das Unternehmen ist seit über 100 Jahren in Mannheim ansässig und kennt die Gegebenheiten vor Ort natürlich besonders gut. Die Preisrichter-Jury zeichnete die Grabstelle der Friedhofsgärtnerei Morasch mit einer Goldmedaille aus.

Verena Morasch. Bild: privat.

Frau Morasch, wie fühlt es sich an, die Bundesgartenschau in der eigenen Stadt zu haben?

Die BUGA in Mannheim - das ist für uns ein Heimspiel und deshalb wollten wir auch unbedingt mitmachen. Denn wann bietet sich schon einmal die Gelegenheit, die BUGA in der eigenen Stadt zu haben? So etwas möchte man natürlich nicht verpassen. Zum Glück hatten wir auf unseren Friedhöfen die Frühjahrsbepflanzung bereits abgeschlossen und konnten uns nun voll auf die BUGA-Eröffnung konzentrieren.

Was werden Sie den Besucher*innen und Ihren Kolleg*innen zeigen, die aus ganz Deutschland nach Mannheim gekommen sind?

Auf der BUGA haben wir ein Doppelgrab bepflanzt, da konnten wir uns schön austoben und hatten genug Fläche, um etwas richtig Schönes zu präsentieren. Das uns zugeloste Grabzeichen ist eine Stele, auf der zwei alte Bauarbeiterschuhe ausgearbeitet sind; die Inschrift verweist auf das Thema Strand und das haben wir gestalterisch aufgegriffen. Wir haben einen Zwerg-Duftflieder (Syringa meyeri 'Palibin') sowie eine krumme gewachsene Himalaja-Zeder (Cedrus deodora 'Pendula') in die Gestaltung hineingenommen und Sand und Holz als Dekoelemente eingearbeitet, um das Thema zu untermauern. An Bodendeckern verwenden wir Thymian (Thymus praecox 'Pygmaeus') und die Kugelblume (Globularia cordifolia) und im Frühjahrsflor Hornveilchen (Viola cornuta) und Vergissmeinnicht (Myosotis), dazu Schleifenblumen (Iberis) und Ranunkeln (Ranunculus asiaticus). Farblich arbeiten wir beim Frühjahrsflor in weiß und lila. Das Gelände ist zwar vollsonnig und es gibt keinen Schatten, aber das kennen wir schon von unseren Friedhöfen in Mannheim. Dort funktionieren unsere Pflanzkonzepte ja auch, weil wir die Gegebenheiten vor Ort kennen. Mittlerweile blühen aber viele Pflanzen drei Wochen eher, als früher der Fall war.

Welche Anforderungen stellt der Klimawandel an die Pflanzenverwendung und wie reagieren Sie darauf?

Wir sind unser „Toskana-Klima“ gewohnt und können damit umgehen, dass es selten regnet und immer sehr warm ist, doch der Klimawandel hinterlässt natürlich auch hier seine Spuren. Wir verwenden schon seit einiger Zeit im Frühjahrsbereich vermehrt Stauden wie etwa Iberis, Tiarella, Nelken oder Bergenien, während früher eigentlich nur Stiefmütterchen und Bellis und Vergissmeinnicht verwendet wurden. Wir arbeiten immer sehr bunt und nicht nur mit Frühjahrsblumen, sondern auch mit Blattstrukturen von Heuchera und mit Gräsern. Wir würden bei der Pflanzenverwendung gern auf das eine oder andere verzichten, aber Stiefmütterchen und Hornveilchen sind nun einmal der Tradition geschuldet. Wenn man sie noch verwenden will, verursacht das einen großen Gießaufwand. Das schreckt uns ein bisschen ab, aber ich habe noch keine sinnvolle Alternative gefunden, weil im Frühjahr ja auch die Bodendecker im Austrieb sind und Wasser brauchen. Das Gießen ist bei uns in der Region in der Tat eine große Herausforderung. Wir geben nach wie vor unser Bestes, aber die Gegebenheiten haben sich in den letzten Jahren stark verändert.

Was heißt das für Sie konkret?

Früher hatten wir im Sommer noch Zeit, um nebenher ein wenig Gartenpflege zu betreiben oder andere Arbeiten auszuführen, aber das fällt mittlerweile komplett aus, weil man nur noch mit dem Gießen beschäftigt ist. Da steht vieles nicht mehr im Verhältnis zum Aufwand, aber man kann nicht so ohne Weiteres den Bestand an Friedhofspflanzen von heute auf morgen ummodeln. Wir werden daher nach und nach die Grabanlagen auf die neuen Gegebenheiten umstellen. Viele unserer Kunden haben noch das alte Bild im Kopf, dass ein Grab immergrün und bedeckt sein und ganzjährig gut aussehen muss, aber der Aufwand dafür ist gerade grenzwertig hoch. Wenn wir auf diese ökologischen Dinge hinweisen, sind die jüngeren Kunden dafür leichter ansprechbar als die älteren, die natürlich noch von jahrzehntelangen Sehgewohnheiten auf Friedhöfen geprägt sind.

Macht Ihr Beruf Ihnen in diesen herausfordernden Zeiten noch Spaß?

Wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste, würde ich wieder Friedhofsgärtnerin werden. Ich liebe das kreative Arbeiten, denn mit dem Wissen, das man hat, kann man aus den Wünschen der Kunden heraus wunderschöne Ergebnisse erzielen. Was mich wirklich begeistert, ist die Dankbarkeit der Menschen: Wenn man ein schönes Grab gestaltet hat, ist es ergreifend zu sehen, wie emotional und dankbar die Kunden reagieren - das ist für mich immer wieder etwas Besonderes. Man nimmt ja auch an den Leidenswegen der Menschen Anteil, mit denen man es zu tun hat, und leidet mit ihnen mit. Aber wir haben dadurch auch eine emotionale Bindung zu unseren Kunden, die vielleicht intensiver ist als in anderen gärtnerischen Berufen. Es ist einfach schön, das Vertrauen der Menschen zu spüren!

Vielen Dank!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.