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Im Interview: Heinz-Josef Ahrens
Herr Ahrens, wie kann man eine Meisterklasse von jungen Friedhofsgärtner*innen auf die Teilnahme an einer BUGA optimal vorbereiten?
Unsere Studierenden stecken gerade mitten in den Vorbereitungen für ihre Meisterprüfung – da ist die BUGA-Teilnahme natürlich eine enorme Zusatzbelastung. Die jungen Friedhofsgärtner stellen sich dieser Herausforderung trotzdem gern und voller Leidenschaft. Wer sich an unserer Fachschule in einem BUGA-Jahr anmeldet, fährt auch zur BUGA und manche Studierenden melden sich bewusst in einem BUGA-Jahr an, um teilnehmen zu können, und nicht in einem Zwischenjahr ohne Teilnahme an der Gartenschau. Das gemeinsame Gestalten einer Grabstelle auf einer BUGA bedeutet konkret: Jeder der Studierenden hat natürlich seine eigenen Vorstellungen und Ideen, die er mit einbringt. Daraus etwas zu machen, wohinter am Ende alle stehen können und sich ein auf ein gemeinsames Konzept zu einigen, ist immer eine spannende Herausforderung. Unser Unterricht hat natürlich zuvor die gestalterischen Grundlagen gelegt, um eine solche Aufgabe zu bewältigen. Wir haben außerdem in Essen in unmittelbarer Nähe eine Mustergrabanlage mit 60 Feldern, wo unsere Studierenden jede Menge Praxisunterricht bekommen. Bei der Umsetzung vor Ort auf der BUGA versuche ich so wenig wie möglich einzugreifen. Und generell sind unsere Studierenden ja alle schon ausgebildete Friedhofsgärtner, allerdings mit relativ wenig Praxiserfahrung und noch viel weniger BUGA-Erfahrung. Sie können noch nicht im Detail wissen, worauf es bei einer BUGA ankommt und wie detailversessen und akribisch da vor Ort gearbeitet wird. Diese Erfahrung muss ich ihnen vermitteln. Außerdem hilft es ungemein, wenn die Studierenden auf dem BUGA-Gelände mal nach links und rechts schauen und beobachten, wie ihre erfahreneren Kollegen arbeiten.
Wie dürfen wir uns die Grabstelle vorstellen, die die Studierenden gestaltet haben?
Das Grabzeichen unseres zweistelliges Wahlgrabe ist eine sehr schöne Stele aus hellem Stein und wir haben uns für eine sehr bunte Gestaltung entschieden. Als Gehölz haben wir einen Fächerahorn Acer palmatum 'Shishigashira' ausgewählt. Mit seinem pfirsichfarbenen Austrieb, der dann komplett grün durchfärbt und später eine leuchtende rotorange Herbstfärbung entwickelt, passt er sehr gut zu dem Grabzeichen, das einen leichten Farbanklang in Richtung „Peach“ hat. Als Unterpflanzung des Ahorns verwenden wir eine grün-weiß panaschierte Abelie, die Abelia x grandiflora 'Lady Peach', sie wird auf Gräbern derzeit noch nicht sehr häufig verwendet. Mit ihrer tollen Herbstfärbung und zusammen mit dem Ahorn wird sie besonders im Herbst einen schönen Kontrast zur japanischen Zwergeibe Taxus cuspidata 'Lescow' bilden. Als Bodendecker haben wir Cotoneaster dammeri 'Frieders Evergreen', der sehr verlässlich ist. Wegen des vollsonnigen Standorts und der großen Entfernung nach Essen wollten wir da kein Risiko eingehen. Der ergänzende Frühjahrsflor ist ein buntes Beet aus Hornveilchen, ergänzt von Ranunkeln, Bellis, Leucojum, Muscari, Skabiosen und Armeria. Sie bilden zusammen einen bunten Blumengarten in den Farben weiß, blau und rot. Das Grab liegt wie alle anderen auch in vollsonniger Lage - das ist eine echte Herausforderung, gerade auch im Hochsommer.
Welche Rolle spielt der Klimawandel in Ihrem Unterricht?
Das ist für uns ein sehr großes Thema. In diese Thematik steigen wir über die Bodenvorbereitung ein, also etwa mit Fragen wie diesen: Was kann ich zur Bodenverbesserung tun, was kann ich mit Substraten, mit Bodenhilfsstoffen, mit Zusatzstoffen erreichen? Der nächste Schritt ist dann die standortgerechte Pflanzenauswahl, aber eben auch die Konzentration auf trockenheitsverträglichere Arten und Sorten wie zum Beispiel Sedum. Da gibt es ja eine ganze Menge an Möglichkeiten, wenn man ein bisschen darauf achtet und sehr wasserliebende Pflanzen bei seiner Pflanzung vermeidet. Wir befassen uns in diesem Zusammenhang natürlich auch mit dem Thema Bienen- und Insektenfreundlichkeit: Wenn man etwas Abstand von den vielen hochgezüchteten, stark gefüllten Sorten nimmt, die häufig eher empfindlich sind, und sich auf die Verwendung einfacher Sorten zurückbesinnt, hat man oft auch robustere Pflanzen, die den Insekten nützen und mit dem veränderten Klima besser zurechtkommen.
Vielen Dank!

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