Bonusblüten: Der Trick mit dem frühen Schnitt

Wenn der Spätfrühling in den Frühsommer übergeht, präsentieren sich die meisten Pflanzen in Hochform. Ausgerechnet dann kann man einige der vitalen Stauden stutzen und dadurch erstaunliche Effekte erzielen.

Mit Fingerspitzengefühl: Auch eine früh blühende Staude wie die Katzenminze (Nepeta x faassenii) reagiert positiv auf einen Schnitt kurz vor der Blüte. Bild: GMH/Staudengärtnerei Gaißmayer.

Sie haben noch nie vom Vorblüteschnitt gehört und der Chelsea Chop ist Ihnen auch neu? Macht nichts. Damit ist ein früher Stauden-Rückschnitt – kurz vor der Blüte – gemeint. In England nennt man ihn Chelsea Chop, weil dieser Schnitt ungefähr zeitgleich mit der Ende Mai in London stattfindenden Chelsea Flower Show vorgenommen wird.

Daniel Pfeiffer kennt die Begriffe und weiß als Staudengärtner, wie und wann er die Schere dafür ansetzen muss oder ansetzen würde. Denn den Vorblüteschnitt kann man machen, muss man aber nicht. In seinem Arbeitsalltag in der bei Ulm gelegenen Staudengärtnerei Gaißmayer spielt diese Schnitt-Technik keine Rolle: „Dafür haben wir um diese Jahreszeit einfach keine Zeit.“ Warum er den optionalen Schnitt trotzdem empfiehlt? „Er beeinflusst den Blüte-Zeitpunkt, die Anzahl der Blüten und verbessert die Standfestigkeit der Pflanzen.“ Je nach Variante verlängert sich auch der Zeitraum der Blüte: Wird bei einer Staude nur ein Teil der Triebe gekappt, öffnen sich die Knospen an den ungekürzten Stielen wie gewohnt und früh, während sich die Blüten an den geschnittenen Trieben später zeigen und den Flor fortsetzen. So kann ein und dieselbe Staude, die sonst zwei bis drei Wochen blüht, doppelt so lange blühen: „Ich sehe das als Luxus, den man sich im Garten gönnen kann – zumal er nichts kostet.“ Außer ein wenig Aufmerksamkeit und Zeit müssen Sie nichts investieren.

Geeignete Kandidaten

Damit der gewünschte buschige Wuchs und zusätzliche Blüten erreicht werden, kommen für den Vorblüteschnitt nur Stauden infrage, die sich verzweigen und aus ihren Blattachseln neue Triebe bilden können. Sonnenbraut (Helenium), Hohe Fetthenne (Sedum Telephium-Hybriden), Sonnenauge (Heliopsis), Hoher Sommer-Phlox (Phlox paniculata), Duftnessel (Agastache), Indianernessel (Monarda), Raublatt- und Glattblatt-Astern (Aster novaeangliae und Aster novibelgii) gehören beispielsweise dazu. Neben diesen im Hoch- und Spätsommer blühenden Stauden reagiert auch die schon ab Mai blühende Katzenminze (Nepeta x faassenii) positiv auf den Vorblüteschnitt.

So funktioniert der Schnitt

Bei geeigneten Arten scheiden Sie vor der Blüte rund ein Drittel bis die Hälfte eines Triebs ab. Auch wenn er in England Chelsea Chop heißt, müssen Sie nicht genau in jener Woche der Chelsea Flower Show zur Schere greifen: Abhängig vom Klima in der Region kann der Zeitpunkt zwischen Mitte Mai und Anfang Juni liegen. Je nach gewünschtem Effekt lässt sich der Vorblüteschnitt variieren. Daniel Pfeiffer ermutigt zum Ausprobieren: „Es macht Spaß zu beobachten, wie die ausgewählte Staude darauf reagiert und es kann ja nichts passieren.“ Die Stauden werden nächstes Jahr unabhängig von der gewählten Variante wieder neu austreiben.

Variante 1: außen schneiden

Hier werden die Ränder der Staude oder nur der vordere Bereich zurückgeschnitten. Die eingekürzten Triebe verzweigen sich und wachsen kompakter. Durch diesen Schnitt stützen die äußeren Triebe die Mitte und die Pflanze bewahrt auch nach Regengüssen Haltung. Das ist beispielsweise bei hoch wachsenden Stauden wie einigen Herbst-Astern günstig. Außerdem verlängert sich die Gesamtdauer der Blüte: Die äußeren, gekappten Triebe öffnen ihre Knospen rund zwei bis vier Wochen nach den mittleren.

Variante 2: verteilt schneiden

Auch in diesem Fall verlängert sich die Blühdauer. Die ursprüngliche Wuchsform der Staude bleibt erhalten, da der Schnitt nicht nur einzelne Partien der Pflanze betrifft: Sie kürzen jeden dritten oder maximal die Hälfte der Triebe gleichmäßig über die gesamte Staude verteilt. Da die gekappten Triebe auch hier kompakter wachsen, stabilisieren diese ihre Nachbartriebe und erhöhen die Standfestigkeit der jeweiligen Pflanze.

Variante 3: komplett schneiden

Schnell erledigt ist der Vorblüteschnitt, wenn Sie die gesamte Staude um rund ein Drittel kappen. So bilden sich standfeste, buschige und verzweigte Pflanzen mit vielen und dafür etwas kleineren Blüten. Diese Variante verlängert den Zeitraum der Blüte nicht, sondern schiebt die Blüte der gesamten Staude um rund zwei bis vier Wochen auf. Auch das kann von Vorteil sein, erzählt Pfeiffer: „Wer zur Hauptblüte im Urlaub sein wird, kann gezielt schneiden und dafür sorgen, dass die Staude erst nach der Rückkehr ihre Knospen öffnet.“

Gar nicht schneiden ist die beste Variante, wenn die Stauden bereits blühen. Bei frühen Arten wie der Katzenminze empfiehlt sich dann der bekanntere Rückschnitt direkt nach der Blüte: Dann bleibt zwar vorübergehend eine Lücke im Beet zurück, aber Katzenminze treibt schnell wieder durch und blüht dafür im Spätsommer ein zweites Mal. Den Vorblüteschnitt können Sie bei dieser Art dann für nächstes Jahr vormerken. Nicht als Muss, sondern als jenen Luxus, den Daniel Pfeiffer empfiehlt, um noch mehr Freude an den Pflanzen zu haben.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.

Messenachrichten

Bonusblüten: Der Trick mit dem frühen Schnitt

Wenn der Spätfrühling in den Frühsommer übergeht, präsentieren sich die meisten Pflanzen in Hochform. Ausgerechnet dann kann man einige der vitalen Stauden stutzen und dadurch erstaunliche Effekte erzielen.

Mit Fingerspitzengefühl: Auch eine früh blühende Staude wie die Katzenminze (Nepeta x faassenii) reagiert positiv auf einen Schnitt kurz vor der Blüte. Bild: GMH/Staudengärtnerei Gaißmayer.

Sie haben noch nie vom Vorblüteschnitt gehört und der Chelsea Chop ist Ihnen auch neu? Macht nichts. Damit ist ein früher Stauden-Rückschnitt – kurz vor der Blüte – gemeint. In England nennt man ihn Chelsea Chop, weil dieser Schnitt ungefähr zeitgleich mit der Ende Mai in London stattfindenden Chelsea Flower Show vorgenommen wird.

Daniel Pfeiffer kennt die Begriffe und weiß als Staudengärtner, wie und wann er die Schere dafür ansetzen muss oder ansetzen würde. Denn den Vorblüteschnitt kann man machen, muss man aber nicht. In seinem Arbeitsalltag in der bei Ulm gelegenen Staudengärtnerei Gaißmayer spielt diese Schnitt-Technik keine Rolle: „Dafür haben wir um diese Jahreszeit einfach keine Zeit.“ Warum er den optionalen Schnitt trotzdem empfiehlt? „Er beeinflusst den Blüte-Zeitpunkt, die Anzahl der Blüten und verbessert die Standfestigkeit der Pflanzen.“ Je nach Variante verlängert sich auch der Zeitraum der Blüte: Wird bei einer Staude nur ein Teil der Triebe gekappt, öffnen sich die Knospen an den ungekürzten Stielen wie gewohnt und früh, während sich die Blüten an den geschnittenen Trieben später zeigen und den Flor fortsetzen. So kann ein und dieselbe Staude, die sonst zwei bis drei Wochen blüht, doppelt so lange blühen: „Ich sehe das als Luxus, den man sich im Garten gönnen kann – zumal er nichts kostet.“ Außer ein wenig Aufmerksamkeit und Zeit müssen Sie nichts investieren.

Geeignete Kandidaten

Damit der gewünschte buschige Wuchs und zusätzliche Blüten erreicht werden, kommen für den Vorblüteschnitt nur Stauden infrage, die sich verzweigen und aus ihren Blattachseln neue Triebe bilden können. Sonnenbraut (Helenium), Hohe Fetthenne (Sedum Telephium-Hybriden), Sonnenauge (Heliopsis), Hoher Sommer-Phlox (Phlox paniculata), Duftnessel (Agastache), Indianernessel (Monarda), Raublatt- und Glattblatt-Astern (Aster novaeangliae und Aster novibelgii) gehören beispielsweise dazu. Neben diesen im Hoch- und Spätsommer blühenden Stauden reagiert auch die schon ab Mai blühende Katzenminze (Nepeta x faassenii) positiv auf den Vorblüteschnitt.

So funktioniert der Schnitt

Bei geeigneten Arten scheiden Sie vor der Blüte rund ein Drittel bis die Hälfte eines Triebs ab. Auch wenn er in England Chelsea Chop heißt, müssen Sie nicht genau in jener Woche der Chelsea Flower Show zur Schere greifen: Abhängig vom Klima in der Region kann der Zeitpunkt zwischen Mitte Mai und Anfang Juni liegen. Je nach gewünschtem Effekt lässt sich der Vorblüteschnitt variieren. Daniel Pfeiffer ermutigt zum Ausprobieren: „Es macht Spaß zu beobachten, wie die ausgewählte Staude darauf reagiert und es kann ja nichts passieren.“ Die Stauden werden nächstes Jahr unabhängig von der gewählten Variante wieder neu austreiben.

Variante 1: außen schneiden

Hier werden die Ränder der Staude oder nur der vordere Bereich zurückgeschnitten. Die eingekürzten Triebe verzweigen sich und wachsen kompakter. Durch diesen Schnitt stützen die äußeren Triebe die Mitte und die Pflanze bewahrt auch nach Regengüssen Haltung. Das ist beispielsweise bei hoch wachsenden Stauden wie einigen Herbst-Astern günstig. Außerdem verlängert sich die Gesamtdauer der Blüte: Die äußeren, gekappten Triebe öffnen ihre Knospen rund zwei bis vier Wochen nach den mittleren.

Variante 2: verteilt schneiden

Auch in diesem Fall verlängert sich die Blühdauer. Die ursprüngliche Wuchsform der Staude bleibt erhalten, da der Schnitt nicht nur einzelne Partien der Pflanze betrifft: Sie kürzen jeden dritten oder maximal die Hälfte der Triebe gleichmäßig über die gesamte Staude verteilt. Da die gekappten Triebe auch hier kompakter wachsen, stabilisieren diese ihre Nachbartriebe und erhöhen die Standfestigkeit der jeweiligen Pflanze.

Variante 3: komplett schneiden

Schnell erledigt ist der Vorblüteschnitt, wenn Sie die gesamte Staude um rund ein Drittel kappen. So bilden sich standfeste, buschige und verzweigte Pflanzen mit vielen und dafür etwas kleineren Blüten. Diese Variante verlängert den Zeitraum der Blüte nicht, sondern schiebt die Blüte der gesamten Staude um rund zwei bis vier Wochen auf. Auch das kann von Vorteil sein, erzählt Pfeiffer: „Wer zur Hauptblüte im Urlaub sein wird, kann gezielt schneiden und dafür sorgen, dass die Staude erst nach der Rückkehr ihre Knospen öffnet.“

Gar nicht schneiden ist die beste Variante, wenn die Stauden bereits blühen. Bei frühen Arten wie der Katzenminze empfiehlt sich dann der bekanntere Rückschnitt direkt nach der Blüte: Dann bleibt zwar vorübergehend eine Lücke im Beet zurück, aber Katzenminze treibt schnell wieder durch und blüht dafür im Spätsommer ein zweites Mal. Den Vorblüteschnitt können Sie bei dieser Art dann für nächstes Jahr vormerken. Nicht als Muss, sondern als jenen Luxus, den Daniel Pfeiffer empfiehlt, um noch mehr Freude an den Pflanzen zu haben.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.