Erfahrungsaustausch: "Nützlingseinsatz im geschützten Anbau"

Der Nützlingsvertrieb SAUTTER & STEPPER GmbH lud auch in diesem Jahr am 08.02.2024 zum Erfahrungsaustausch "Nützlingseinsatz im geschützten Anbau" nach Herrenberg ein. Aus ganz Deutschland reisten InteressentenInnen an, um sich auf den neusten Stand vom biologischen und integrierten Pflanzenschutz zu bringen.

Volle Reihen beim Erfahrungsaustausch "Nützlingseinsatz im geschützten Anbau". Bild: SAUTTER & STEPPER GmbH.

Da die Veranstaltung eine vom Regierungspräsidium anerkannte Fortbildung für die Pflanzenschutzsachkunde ist, deckt ein Teil des Erfahrungsaustausches die aktuellen Rechtsgrundlagen im Pflanzenschutz ab. Dieser wurde von Frau Dr. Mareille Zunker vom landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg abgedeckt. Sie brachte sehr lebhaft mit ihrem Vortrag alle TeilnehmerInnen auf den neusten rechtlichen Stand des Pflanzenschutzes hinsichtlich der notwendigen Sachkunde, der neuen Anwendungsbestimmungen und der aktuellen Zulassungssituation. Das „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“ der Bundesregierung mit dem Ziel der Umsetzung der Farm to Fork Strategie wurde diskutiert. Dabei geht es um den Schutz der Pflanzen und dem Erhalt der Arten. Es ist ganz klar, dass Innovationen und Entwicklungen, die schnell umsetzbar sind, dringend nötig sind, um Reduktionspotentiale auszuschöpfen. Noch immer sind die Insektizide das größte Risiko von Auswirkungen auf Nichtzielorganismen. Darüber hinaus erklärte Frau Dr. Zunker sehr verständlich die zusätzlichen landesspezifischen Vorgaben zum integrierten Pflanzenschutz in Baden-Württemberg, die in Landschaftsschutzgebieten, Natura-2000-Gebieten, Kern- und Pflegezonen von Biosphärengebieten, gesetzlich geschützten Biotopen und Naturdenkmalen eingehalten werden müssen. Glyphosat und dessen neue Auflagen wurde auch dieses Jahr kurz angesprochen. Zuletzt stellte Frau Dr. Zunker einen groß angelegten Spargelversuch vor, bei dem Mykorrhiza Pilze zum Einsatz kamen und die Nährstoffaufnahme zwar tendenziell oder gar signifikant verbessert wurde, aber eine gewünschte Ertragssteigerung ausblieb.

Dr. Olaf Zimmermann vom Fachreferat für zoologische Diagnostik des landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg fesselte die Zuhörer mit seinem Vortrag über die Highlights der zoologischen Diagnose. Dabei spielte natürlich die als Bienenräuber gefürchtete asiatische Hornisse eine Rolle. Bislang wurde nur durch die Entfernung der Nester versucht eine Etablierung in Deutschland zu verhindern, was leider scheiterte. Allein in Karlsruher Großraum ist dies logistisch schon nicht mehr möglich. Nach wie vor bestehen eine Meldepflicht und die Pflicht zur Eindämmung. Für den Menschen selbst ist sie so gefährlich wie eine Hummel. Der leicht erkennbare Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera) richtet in Südfrankreich große Schäden an Lavendelfeldern an und bewegt sich weiter Richtung Norden. Man geht von einem Schaden von 50-100% aus, wenn dieser erst mit dem Fressen beginnt. Es ist eine Frage der Zeit bis wir ebenfalls damit zu kämpfen habe, wie bereits der Fall bei der Mittelmeerfruchtfliege (Ceratitis capitata). Diese wurde schon in Deutschland an Äpfeln, Kaki, Birnen und Aprikosen beschrieben, ist flächendeckend in Baden-Württemberg und in Teilen Bayerns nachweisbar, hat allerdings bislang jedoch keine Überwinterungsmöglichkeit gefunden. Weitere interessante Schädlinge sind die Netzwanzen. Die Birnblattwanze (Stephanitis pyri) kann durch Chlorophyllentzug zum völligen Absterben der Pflanzen führen. Im Rheingraben sterben bereits Zwergmispeln ab, auch Mehlbeeren und Äpfel können betroffen sein. Die Eichen-Netzwanze (Corythucha arcuata) ruft Schäden an Eichen und ggf. an Ulmen hervor und wurde 2023 schon in Karlsruhe gesichtet. Ganz neu nachgewiesen wurde die aus Südindien stammende Jasmin-Netzwanze (Corythauma ayyari) in Niedersachsen. Auch neue Rüsselkäfer konnten bereits in Deutschland beobachtet werden, wie der Graue Knospenrüssler (Peritelus sphaeroides) an Zwetschgenfrüchten, Kirschlorbeer oder Apfelbäumen. Der Lixus-Rüssler (Lixus juncii) wurde bereits in Deutschland an Roten Rüben nachgewiesen. In Frankreich und Italien ist es bereits ein gefürchteter Zuckerrübenschädling. Das Monitoring des Japankäfers zeigt eine deutliche Zunahme der Funde in Deutschland. In den USA richtet dieser jährlich einen Schaden von 230 Mio. USD an, da er nicht sehr wählerisch ist und sich von über 200 Pflanzenarten durch Skelettfraß ernähren kann. Zu guter Letzt stellte Dr. Zimmermann die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und von der Atlantikküste stammende Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum/Helix aspersa) vor. Sie richtet große Schäden in Parkanlagen an, darf jedoch nicht mit Schneckenkorn bekämpft werden. Das Blühenden Barock in Ludwigsburg hatte damit bereits zu kämpfen. Da Schneckennematoden hier ebenfalls nicht angreifen, ist eine Bekämpfungsmöglichkeit noch nicht gegeben.

Erstmalig in Deutschland stellte die Firma Robtelli aus Dänemark einen neuartigen Schädlingsdetektor vor, der nach der Testphase bei SAUTTER & STEPPER erhältlich sein wird. Das akkubetriebene Gerät arbeitet mit einer selbstprogrammierten KI und einer hochauflösenden Mikroskop Kamera. Die Daten werden per WiFi in eine Datenbank zur Auswertung gesandt. Damit soll die Produktivität in Betrieben erhöht, Pestizideinsätzen gemindert oder bestenfalls gar verhindert und der rechtzeitige Nützlingseinsatz erzielt werden. Es gibt bereits mehrere Hektar große Betriebe als Pilotkunden in Dänemark, bei denen bereits Weiße Fliege, Thrips, Blattläuse, Trauermücken etc. erfolgreich detektiert werden. Durch die KI können zukünftig auch verschiedene Arten voneinander unterschieden werden, was einen schnellen und sehr gezielten Nützlingseinsatz begünstigt.

Frau Dr. Christine Dieckhoff stellte stellvertretend für Herrn Lukas Bächlin, beide vom Referat Biologischer Pflanzenschutz des LTZ Augustenberg die biologische Bekämpfung der Tomatenrostmilbe vor. Das durch das vom BMEL geförderte Projekt zur Kontrolle der Rostmilbe in Tomaten unter biol. Anbaubedingungen hatte u.a. das Ziel die Pronematus ubiquitus und Homeopronemazis anconai als mögliche Raubmilben zu testen. Dabei stellte sich heraus, dass die Tomatensorten und die damit einhergehenden unterschiedlichen Behaarung ein Unterschied für die Raubmilben macht. Die Raubmilben tun sich generell etwas schwer mit den Trichomen der Blätter.

Ebenso fesselnd war der Beitrag von Herrn Jörg Klatt von der Landwirtschaftskammer NRW über die Versuche mit der Raubmilbe N. cucumeris in Cyclamen und das Auftreten verschiedener Thripsarten. Zum großen Erstaunen berichtete Herr Klatt darüber, dass bei Frankliniella occidentalis auch Puppen und Präpuppen auf den Blättern und nicht, wie klassischerweise erwartet, ausschließlich im Boden auftreten. Die Ergebnisse seiner vergleichenden Prüfung von Neoseiulus cucumeris und Neoseiulus californicus gegen Thrips tabaci und die Integrierbarkeit von Mikroorganismenpräparaten waren sehr aufschlussreich. Es konnten keine Synergien zwischen den getesteten Mikroorganismus Präparaten und den Milben festgestellt werden. Auch ein hemmender Effekt von Beauveria bassiana Stamm ATCC 74040 auf die N. cucumeris konnte nicht nachgewiesen werden. In den Versuchen mit Produkten, die Metarhizium anisopliae enthielten, schnitten N. cucumeris zur Thrips Bekämpfung sehr gut ab. In Kombination oder nur beim Einsatz der Raubmilben waren weniger Thrips pro Blüte zählbar und mehr Raubmilben pro Blüte als im alleinigen Einsatz von einem Metarhizium anisopliae Präparat. Herr Klatt stellte abschließend noch sehr eindrucksvoll neue und bekannte invasive Thrips Arten, deren Schadbilder, Auftreten und deren mögliche Bekämpfung vor.

Herr Ulrich Büsing, einer der Geschäftsführer der SAUTTER & STEPPER GmbH, moderierte nicht nur souverän durch die Veranstaltung, sondern hielt auch einen Vortrag über das kleine Einmaleins des Nützlingseinsatzes. Er führte sehr klar Do’s und Don’ts des erfolgreichen Nützlingseinsatzes auf. Dabei ging er auch auf die Probleme bei speziellen Gegebenheiten in z.B. botanischen Gärten, im Freiland oder Innenraumbegrünungen ein mit all den Schwierigkeiten, die auftreten können. Dabei wurden auch viele praktische Tipps aus der Praxis anhand von anschaulichen Fotos und Videos an die interessierten Zuhörer weitergegeben. Es wurden gute Ratschläge für sowohl den neuen als auch für bereits routinierte Anwender verdeutlicht.

Frau Sabine Krauß, eine Mitarbeiterin der SAUTTER & STEPPER GmbH stellte die beiden Schwebfliegenarten Episyrphus balteatus und Sphaerophoria rueppellii vor, da diese bei SAUTTER & STEPPER neu erhältlich sind als Puppen und als Larven. Vor allem der Einsatz als Puppen ist unkompliziert und zeigte sich bereits bei ein paar Betrieben als sehr effizient, da sie sich nicht nur etablieren lassen, sondern auch eine große Flugleistung an den Tag legen. Die beiden Arten decken sowohl die Blattlausbekämpfung an kühlen Tagen ab 8°C (Episyrphus balteatus) als auch an warmen Tagen bis 40°C (Sphaerophoria rueppellii) ab, was aufgrund der Energiekrise und des Klimawandels immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Frau Dr. Christine Dieckhoff hielt zuletzt einen sehr spannenden Vortrag über die Probleme mit der Reiswanze Nezara viridula im Unterglasanbau. Diese kann mit den 2 Generationen im Jahr einen großen Schaden in Obst- und Gemüsekulturen anrichten, da sie nicht nur äußerliche Schäden bewirken, sondern z.B. bei Himbeeren auch zur starken geschmacklichen Beeinträchtigung führen. Somit ist das Obst- und Gemüse entweder unansehnlich oder ungenießbar. Dabei wandern Adulttiere und Nymphen zwischen verschiedenen Wirten im saisonalen Verlauf. Die adulten legen die 100 Eier pro Gelege je nach Kälteperiode ab. Als Regulierungsmöglichkeiten kommen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, mühseliges Absammeln, aufwendige Kultur-Einnetzungen und der Einsatz natürlicher Gegenspieler, die jedoch noch von offizieller Seite als „einheimisch“ deklariert werden müssen, in Frage.

Abgerundet wurde das Programm durch kleine Pausen, die von allen für intensive Gespräche, Diskussionen und auch das allgemeine Kennenlernen genutzt wurden. Mit einem kleinen Brezelfrühstück, einer Kaffeepause und einem Mittagsbuffet waren alle gut versorgt und hatten ausreichend Zeit, um Neuigkeiten auszutauschen und einfach mal ins Gespräch zu kommen.

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Der Nützlingsvertrieb SAUTTER & STEPPER GmbH lud auch in diesem Jahr am 08.02.2024 zum Erfahrungsaustausch "Nützlingseinsatz im geschützten Anbau" nach Herrenberg ein. Aus ganz Deutschland reisten InteressentenInnen an, um sich auf den neusten Stand vom biologischen und integrierten Pflanzenschutz zu bringen.

Volle Reihen beim Erfahrungsaustausch "Nützlingseinsatz im geschützten Anbau". Bild: SAUTTER & STEPPER GmbH.

Da die Veranstaltung eine vom Regierungspräsidium anerkannte Fortbildung für die Pflanzenschutzsachkunde ist, deckt ein Teil des Erfahrungsaustausches die aktuellen Rechtsgrundlagen im Pflanzenschutz ab. Dieser wurde von Frau Dr. Mareille Zunker vom landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg abgedeckt. Sie brachte sehr lebhaft mit ihrem Vortrag alle TeilnehmerInnen auf den neusten rechtlichen Stand des Pflanzenschutzes hinsichtlich der notwendigen Sachkunde, der neuen Anwendungsbestimmungen und der aktuellen Zulassungssituation. Das „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“ der Bundesregierung mit dem Ziel der Umsetzung der Farm to Fork Strategie wurde diskutiert. Dabei geht es um den Schutz der Pflanzen und dem Erhalt der Arten. Es ist ganz klar, dass Innovationen und Entwicklungen, die schnell umsetzbar sind, dringend nötig sind, um Reduktionspotentiale auszuschöpfen. Noch immer sind die Insektizide das größte Risiko von Auswirkungen auf Nichtzielorganismen. Darüber hinaus erklärte Frau Dr. Zunker sehr verständlich die zusätzlichen landesspezifischen Vorgaben zum integrierten Pflanzenschutz in Baden-Württemberg, die in Landschaftsschutzgebieten, Natura-2000-Gebieten, Kern- und Pflegezonen von Biosphärengebieten, gesetzlich geschützten Biotopen und Naturdenkmalen eingehalten werden müssen. Glyphosat und dessen neue Auflagen wurde auch dieses Jahr kurz angesprochen. Zuletzt stellte Frau Dr. Zunker einen groß angelegten Spargelversuch vor, bei dem Mykorrhiza Pilze zum Einsatz kamen und die Nährstoffaufnahme zwar tendenziell oder gar signifikant verbessert wurde, aber eine gewünschte Ertragssteigerung ausblieb.

Dr. Olaf Zimmermann vom Fachreferat für zoologische Diagnostik des landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg fesselte die Zuhörer mit seinem Vortrag über die Highlights der zoologischen Diagnose. Dabei spielte natürlich die als Bienenräuber gefürchtete asiatische Hornisse eine Rolle. Bislang wurde nur durch die Entfernung der Nester versucht eine Etablierung in Deutschland zu verhindern, was leider scheiterte. Allein in Karlsruher Großraum ist dies logistisch schon nicht mehr möglich. Nach wie vor bestehen eine Meldepflicht und die Pflicht zur Eindämmung. Für den Menschen selbst ist sie so gefährlich wie eine Hummel. Der leicht erkennbare Baumwollkapselwurm (Helicoverpa armigera) richtet in Südfrankreich große Schäden an Lavendelfeldern an und bewegt sich weiter Richtung Norden. Man geht von einem Schaden von 50-100% aus, wenn dieser erst mit dem Fressen beginnt. Es ist eine Frage der Zeit bis wir ebenfalls damit zu kämpfen habe, wie bereits der Fall bei der Mittelmeerfruchtfliege (Ceratitis capitata). Diese wurde schon in Deutschland an Äpfeln, Kaki, Birnen und Aprikosen beschrieben, ist flächendeckend in Baden-Württemberg und in Teilen Bayerns nachweisbar, hat allerdings bislang jedoch keine Überwinterungsmöglichkeit gefunden. Weitere interessante Schädlinge sind die Netzwanzen. Die Birnblattwanze (Stephanitis pyri) kann durch Chlorophyllentzug zum völligen Absterben der Pflanzen führen. Im Rheingraben sterben bereits Zwergmispeln ab, auch Mehlbeeren und Äpfel können betroffen sein. Die Eichen-Netzwanze (Corythucha arcuata) ruft Schäden an Eichen und ggf. an Ulmen hervor und wurde 2023 schon in Karlsruhe gesichtet. Ganz neu nachgewiesen wurde die aus Südindien stammende Jasmin-Netzwanze (Corythauma ayyari) in Niedersachsen. Auch neue Rüsselkäfer konnten bereits in Deutschland beobachtet werden, wie der Graue Knospenrüssler (Peritelus sphaeroides) an Zwetschgenfrüchten, Kirschlorbeer oder Apfelbäumen. Der Lixus-Rüssler (Lixus juncii) wurde bereits in Deutschland an Roten Rüben nachgewiesen. In Frankreich und Italien ist es bereits ein gefürchteter Zuckerrübenschädling. Das Monitoring des Japankäfers zeigt eine deutliche Zunahme der Funde in Deutschland. In den USA richtet dieser jährlich einen Schaden von 230 Mio. USD an, da er nicht sehr wählerisch ist und sich von über 200 Pflanzenarten durch Skelettfraß ernähren kann. Zu guter Letzt stellte Dr. Zimmermann die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und von der Atlantikküste stammende Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum/Helix aspersa) vor. Sie richtet große Schäden in Parkanlagen an, darf jedoch nicht mit Schneckenkorn bekämpft werden. Das Blühenden Barock in Ludwigsburg hatte damit bereits zu kämpfen. Da Schneckennematoden hier ebenfalls nicht angreifen, ist eine Bekämpfungsmöglichkeit noch nicht gegeben.

Erstmalig in Deutschland stellte die Firma Robtelli aus Dänemark einen neuartigen Schädlingsdetektor vor, der nach der Testphase bei SAUTTER & STEPPER erhältlich sein wird. Das akkubetriebene Gerät arbeitet mit einer selbstprogrammierten KI und einer hochauflösenden Mikroskop Kamera. Die Daten werden per WiFi in eine Datenbank zur Auswertung gesandt. Damit soll die Produktivität in Betrieben erhöht, Pestizideinsätzen gemindert oder bestenfalls gar verhindert und der rechtzeitige Nützlingseinsatz erzielt werden. Es gibt bereits mehrere Hektar große Betriebe als Pilotkunden in Dänemark, bei denen bereits Weiße Fliege, Thrips, Blattläuse, Trauermücken etc. erfolgreich detektiert werden. Durch die KI können zukünftig auch verschiedene Arten voneinander unterschieden werden, was einen schnellen und sehr gezielten Nützlingseinsatz begünstigt.

Frau Dr. Christine Dieckhoff stellte stellvertretend für Herrn Lukas Bächlin, beide vom Referat Biologischer Pflanzenschutz des LTZ Augustenberg die biologische Bekämpfung der Tomatenrostmilbe vor. Das durch das vom BMEL geförderte Projekt zur Kontrolle der Rostmilbe in Tomaten unter biol. Anbaubedingungen hatte u.a. das Ziel die Pronematus ubiquitus und Homeopronemazis anconai als mögliche Raubmilben zu testen. Dabei stellte sich heraus, dass die Tomatensorten und die damit einhergehenden unterschiedlichen Behaarung ein Unterschied für die Raubmilben macht. Die Raubmilben tun sich generell etwas schwer mit den Trichomen der Blätter.

Ebenso fesselnd war der Beitrag von Herrn Jörg Klatt von der Landwirtschaftskammer NRW über die Versuche mit der Raubmilbe N. cucumeris in Cyclamen und das Auftreten verschiedener Thripsarten. Zum großen Erstaunen berichtete Herr Klatt darüber, dass bei Frankliniella occidentalis auch Puppen und Präpuppen auf den Blättern und nicht, wie klassischerweise erwartet, ausschließlich im Boden auftreten. Die Ergebnisse seiner vergleichenden Prüfung von Neoseiulus cucumeris und Neoseiulus californicus gegen Thrips tabaci und die Integrierbarkeit von Mikroorganismenpräparaten waren sehr aufschlussreich. Es konnten keine Synergien zwischen den getesteten Mikroorganismus Präparaten und den Milben festgestellt werden. Auch ein hemmender Effekt von Beauveria bassiana Stamm ATCC 74040 auf die N. cucumeris konnte nicht nachgewiesen werden. In den Versuchen mit Produkten, die Metarhizium anisopliae enthielten, schnitten N. cucumeris zur Thrips Bekämpfung sehr gut ab. In Kombination oder nur beim Einsatz der Raubmilben waren weniger Thrips pro Blüte zählbar und mehr Raubmilben pro Blüte als im alleinigen Einsatz von einem Metarhizium anisopliae Präparat. Herr Klatt stellte abschließend noch sehr eindrucksvoll neue und bekannte invasive Thrips Arten, deren Schadbilder, Auftreten und deren mögliche Bekämpfung vor.

Herr Ulrich Büsing, einer der Geschäftsführer der SAUTTER & STEPPER GmbH, moderierte nicht nur souverän durch die Veranstaltung, sondern hielt auch einen Vortrag über das kleine Einmaleins des Nützlingseinsatzes. Er führte sehr klar Do’s und Don’ts des erfolgreichen Nützlingseinsatzes auf. Dabei ging er auch auf die Probleme bei speziellen Gegebenheiten in z.B. botanischen Gärten, im Freiland oder Innenraumbegrünungen ein mit all den Schwierigkeiten, die auftreten können. Dabei wurden auch viele praktische Tipps aus der Praxis anhand von anschaulichen Fotos und Videos an die interessierten Zuhörer weitergegeben. Es wurden gute Ratschläge für sowohl den neuen als auch für bereits routinierte Anwender verdeutlicht.

Frau Sabine Krauß, eine Mitarbeiterin der SAUTTER & STEPPER GmbH stellte die beiden Schwebfliegenarten Episyrphus balteatus und Sphaerophoria rueppellii vor, da diese bei SAUTTER & STEPPER neu erhältlich sind als Puppen und als Larven. Vor allem der Einsatz als Puppen ist unkompliziert und zeigte sich bereits bei ein paar Betrieben als sehr effizient, da sie sich nicht nur etablieren lassen, sondern auch eine große Flugleistung an den Tag legen. Die beiden Arten decken sowohl die Blattlausbekämpfung an kühlen Tagen ab 8°C (Episyrphus balteatus) als auch an warmen Tagen bis 40°C (Sphaerophoria rueppellii) ab, was aufgrund der Energiekrise und des Klimawandels immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Frau Dr. Christine Dieckhoff hielt zuletzt einen sehr spannenden Vortrag über die Probleme mit der Reiswanze Nezara viridula im Unterglasanbau. Diese kann mit den 2 Generationen im Jahr einen großen Schaden in Obst- und Gemüsekulturen anrichten, da sie nicht nur äußerliche Schäden bewirken, sondern z.B. bei Himbeeren auch zur starken geschmacklichen Beeinträchtigung führen. Somit ist das Obst- und Gemüse entweder unansehnlich oder ungenießbar. Dabei wandern Adulttiere und Nymphen zwischen verschiedenen Wirten im saisonalen Verlauf. Die adulten legen die 100 Eier pro Gelege je nach Kälteperiode ab. Als Regulierungsmöglichkeiten kommen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, mühseliges Absammeln, aufwendige Kultur-Einnetzungen und der Einsatz natürlicher Gegenspieler, die jedoch noch von offizieller Seite als „einheimisch“ deklariert werden müssen, in Frage.

Abgerundet wurde das Programm durch kleine Pausen, die von allen für intensive Gespräche, Diskussionen und auch das allgemeine Kennenlernen genutzt wurden. Mit einem kleinen Brezelfrühstück, einer Kaffeepause und einem Mittagsbuffet waren alle gut versorgt und hatten ausreichend Zeit, um Neuigkeiten auszutauschen und einfach mal ins Gespräch zu kommen.

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