"Agropole Innovates": Erfolgreich durch die Ausbildung

Die Ausbildung ist für junge Menschen ein Meilenstein – doch nicht immer läuft alles glatt. Wenn Schwierigkeiten auftauchen, kann gezielte Unterstützung entscheidend sein. Genau hier setzt AsAflex an. Der Stützunterricht ist ein Förderinstrument der Agentur für Arbeit, das für "Assistierte Ausbildung flexibel" steht.

Von rechts: Lutz Fischer (Landesverband Gartenbau NRW), Bernd Leurs (BBZ), Marcus Trappe (Agrobusiness Niederrhein). Bild: Agrobusiness Niederrhein.

AsAflex unterstützt Auszubildende mit Förderbedarf dabei, ihre Ausbildung erfolgreich zu absolvieren und Prüfungen zu bestehen. Gleichzeitig hilft das Programm, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden – ein Gewinn für die Jugendlichen, die Betriebe und die gesamte Branche. Besonders in der Grünen Branche zeigt sich die Wirksamkeit dieser Maßnahme.

Im Gespräch mit Lutz Fischer vom Landesverband Gartenbau NRW und Marcus Trappe von Agrobusiness Niederrhein gibt Bernd Leurs vom Berufsbildungszentrum (BBZ) in Geldern – stellvertretend für die verschiedenen Bildungsträger – Einblicke in die Praxis des Stützunterrichts und erläutert, warum AsAflex ein Schlüssel zum Ausbildungserfolg ist. 

Ein praxisnaher Einblick

Seit über 17 Jahren begleitet Bernd Leurs Auszubildende durch den Stützunterricht. Bei den Gärtnerberufen kann er alle sieben Fachrichtungen sowie den Bereich der Landwirtschaft abdecken. Außerdem unterrichtet er Auszubildende aus dem gesamten Baubereich wie z. B. Dachdecker oder Fliesenleger. Kaum zu glauben: Im Friseurbereich hat er ebenfalls unterrichtet.

Der Unterricht findet in Kleingruppen mit bis zu acht Teilnehmende wöchentlich für 180 Minuten statt. Azubis können AsAflex bereits zu Beginn ihrer Ausbildung nutzen. "Viele haben bereits in ihrer Schulzeit große Lücken gehabt, wie z. B. in Mathe oder in den Naturfächern. Die meisten kommen, wenn abzusehen ist, dass das Bestehen der Prüfung in Gefahr ist. Manchmal sind es nur einzelne Schwächen. Junge Menschen mit mangelnden Deutschkenntnissen begreifen manche Zusammenhänge nicht - und da kommen wir Stützlehrkräfte ins Spiel", erklärt Leurs die Ursachen der Lernrückstände. 

Vertrauen als Schlüssel zum Lernerfolg

"Was ist es, dass du es hinbekommst?", will Trappe wissen. "Es ist eine sehr persönliche Betreuung. Man muss den Menschen als Ganzes betrachten, und dazu zählen die schulischen Defizite, aber auch die Psyche oder das Sprachverständnis. Das kann z. B. ADHS, Legasthenie oder Dyskalkulie sein. Wichtig dabei ist, zuzuhören und die Probleme ernst zu nehmen", erläutert Leurs. "Kann man sagen, dass du die Angst nimmst, dumme Fragen zu stellen?", hinterfragt Trappe. "Wie sagt man so schön: 'Dumme Fragen gibt es nicht.' Ich sage der Gruppe immer, dass keiner über den anderen lachen soll. Wenn persönliche Themen besprochen werden, bleiben diese innerhalb der Gruppe. Keiner soll sich davor scheuen, Fragen zu stellen", antwortet er und ergänzt: "Dieses Vertrauen ist die Basis für einen guten Stützunterricht. In der Berufsschule gehen die Auszubildenden schon mal unter, da sie sich vielleicht nicht trauen, sich zu äußern. Meine Botschaft lautet 'Ihr müsst es verstehen - wir können es stundenlang besprechen.' So kommen wir gemeinsam zum Erfolg." 

Bernd Leurs hat Agrarwissenschaften studiert und einen landwirtschaftlichen Hof geführt. Daher ist er bei den Schulfächern vielfältig aufgestellt. Vor circa 30 Jahren hat er die Projektleitung im Garten- und Landschaftsbau bei einem Bildungsträger übernommen. Insgesamt hat er mindestens 300 Auszubildende durch die Prüfung gebracht - davon rund 100 Gärtner. "Eine andere Stützlehrkraft, die den Kfz-Bereich betreut hat mal gesagt 'Ich gebe den jungen Leuten die Garantie, dass sie die Prüfung bestehen.' Was sagst du dazu?", fragt Trappe. "Das sehe ich genauso. Sie müssen sich nur darauf einlassen", so der Stützlehrer.

Dankbarkeit und Stolz

Nach dem erreichten Ziel bedanken sich viele Auszubildende für die Hilfe. Klar, dass das den Stützlehrer mit Stolz erfüllt. Dabei ist er bereits im Ruhestand und beschreibt seine Arbeit als absolut sinnstiftende Aufgabe. "Man bleibt jung!", sagt er.

Was würden Sie den jungen Menschen da draußen raten, wenn sie schulische Schwierigkeiten bekommen?", möchte Lutz Fischer wissen. "Oft ist es so, dass viele seit längerem Defizite haben und sich nicht wieder outen wollen. Nur wenige Azubis nehmen selber Kontakt auf. Meistens sind es die Betriebe oder die Berufsschule, die die AsAflex vermitteln. Wir sind im engen Austausch mit den Ausbildern und den Berufsschullehrern und klären gewisse Dinge auf kurzem Wege", berichtet Leurs und meint weiter "Mangelndes Selbstbewusstsein ist häufig ein Problem. 'Wenn Du etwas tust, dann schaffen wir das gemeinsam.' lautet meine Botschaft."

Wenn es neben den theoretischen Defiziten noch andere Probleme gibt, hilft die sozialpädagogische Betreuung. Dann werden Gespräche geführt und Hilfestellungen gegeben. Das ist das Besondere, was ein Bildungsträger leistet. Die Stützlehrkräfte sind im ständigen Austausch mit den pädagogischen Kolleginnen und Kollegen.

"Könnte man sagen, dass einige Betriebe nicht mehr ausbilden, da sie Sorge haben, dass es Probleme gibt?", fragt Fischer. "Ja, das sehe ich so. Wüssten die Betriebe über die Unterstützung der AsAflex, könnte es diesbezüglich ein Umdenken bewirken. Wir geben diesen Unterricht und helfen bei persönlichen Belastungen. Zusammen arbeiten wir daran, die Inhalte zu erlernen und die Prüfung zu bestehen", antwortet Leurs. "Bernd, wir bedanken uns für das Interview und deine Erklärungen. Dein Einsatz ist beeindruckend und ein sehr wichtiger Beitrag für unsere Nachwuchskräfte", betont Marcus Trappe, Projektkoordinator im Interreg-Projekt "Agropole Innovates" das durch das Interreg VI-Programm Deutschland-Nederland unterstützt wird, zum Ende des Gesprächs.

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