Tilia Awards: Wie man mit Pflanzen Probleme unserer Zeit löst

Kühlere und grünere Städte, nachhaltige Materialien, Konzepte für ein besseres Zusammenleben: Pflanzen bieten Lösungen für zahlreiche Probleme unserer Zeit. Die Tilia Awards zeichnen solche Ansätze aus.

Eine von bislang mehr als 80 Einreichungen für die Tilia Awards: ecotrii aus Stuttgart ist ein neuartiger Klimaschirm für Städte. Sie spenden dort Schatten, wo keine Bäume gepflanzt werden können. Foto: © Dominique Brewing.

Anzeige

Der neue Pflanzenpreis fördert Partnerschaften über Branchengrenzen hinweg und sorgt so für noch mehr Zukunftslösungen mit Pflanzen. Innovative Pflanzenprojekte können noch bis zum 31. Januar bei den Tilia Awards einreicht werden.

„Im vergangenen Sommer haben wir zum ersten Mal zur Urban Utopia Conference eingeladen. Das ist ein disziplinübergreifendes Treffen für die Pflanzenwirtschaft und alle, die sich professionell mit dem Einsatz von Pflanzen beschäftigen“, erklärt Paul Baumann, Gründer von Urban Utopia. „Unter den mehr als 300 Expertinnen und Experten der Konferenz herrschte schnell Einigkeit: Es gibt unzählige Ideen, die drängende gesellschaftliche Probleme mit Pflanzen lösen – oft viel einfacher als man denkt. Was fehlt: Der Austausch über Fachgebiete hinweg und Aufmerksamkeit für die nachahmenswerten Projekte, die es bereits in riesiger Menge gibt.“

Die Linde gibt dem Wettbewerb seinen Namen

Das war der Startschuss für die Tilia Awards – benannt nach dem botanischen Namen der Linde – einem Baum, der seit Jahrhunderten als Sinnbild für Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Frieden gilt. Mit dem Preis werden Menschen und Projekte ausgezeichnet, die mit Pflanzen neue Wege für eine zukunftsfähige Welt aufzeigen. Mehr als 80 Einreichungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die Organisatoren von Urban Utopia bereits erreicht – vom „wurzellosen Baum“, der an schwierigen versiegelten Stadtflächen aufgestellt werden kann, über großflächige vertikale Begrünungssysteme, die auf kleinem Raum funktionieren bis zu Gartenprojekten, die an Demenz erkrankten Menschen helfen. Bis zum 31. Januar können weitere Projekte beim Wettbewerb eingereicht werden.

Die Bandbreite der Pflanzen-Projekte ist dabei ganz gewusst breit gewählt. „Schließlich geht es besonders darum, Menschen aus möglichst vielen Bereichen zu vernetzen“, sagt Paul Baumann. Fünf Disziplinen mit verschiedenen Unterkategorien zeigen dabei auf, wie vielfältig Pflanzen das Leben und Zusammenleben von Menschen verbessern können – von grünen Lösungen in der Stadtarchitektur, in Gärten, Wohnungen und Häusern über neue Produkte und digitale Ideen wie Pflanzen-Apps sowie neuen Ansätzen in der Forschung und nachhaltige Konzepte bei Garten- und Landschaftsbauern, Baumschulen oder Gärtnereien bis hin zu sozialen Projekten, die mit Pflanzen das gemeinschaftliche Zusammenleben verbessern und medialen Formaten, die Wissen über Pflanzen auf ungewöhnliche Weise vermitteln.

Renommierte Jury kürt die Preisträger

„Ein Format, das Menschen und Know-how aus allen Bereichen zusammenbringt, in denen mit Pflanzen gearbeitet wird, das gab es bislang noch nicht“, berichtet Paul Baumann. „Daher ist uns das Treffen aller Personen bei den Tilia Awards so wichtig.“ Die Preisverleihung findet am 20. März in Berlin statt, passend zum kalendarischen Frühlingsanfang. Beim sogenannten „Pitch Day“ stellen alle Projekte ihre Ideen vor Publikum vor, die zuvor von den Jurorinnen und Juroren nominiert wurden. Die renommierte Jury setzt sich aus 24 Fachpersonen zusammen, darunter Wissenschaftlerinnen und Architekten, Künstler und Journalistinnen sowie Gärtner und Landschaftsarchitektinnen. Mitglieder der Jury sind unter anderem Dr. Jennifer Schulz, Expertin für urbane Waldgärten, Dr. Grit Bürgow, Gründerin von Roof Water-Farm, Wissenschaftspublizist Bernhard Kegel, Künstler Friedrich Liechtenstein oder TV-Gartenjournalistin Sabine Platz. Architekturpublizist Prof. Dr. Alexander Gutzmer vertritt als Professor die Quadriga Hochschule Berlin in der Jury, die wissenschaftlicher Kompetenzpartner der Tilia Awards ist. Entsprechend findet die Preisverleihung am Campus der Quadriga Hochschule in Berlin statt.

Die Tilia Awards im Überblick

  • Was: Tilia Awards, der interdisziplinäre Pflanzenpreis
  • Wann: Pitch Day am 20. März 2026
  • Wo: Berlin am Campus der Quadriga Hochschule
  • Wer: innovative Pflanzenprojekte aus allen den Bereichen
  • Einreichung: noch möglich bis 31.01.2026

Die folgenden drei Einreichungen zeigen beispielhaft die Bandbreite der Projekte. Sie adressieren unterschiedliche Probleme, haben aber eines gemeinsam: Pflanzen als zentralen Bestandteil ihres Lösungsansatzes.

ecotrii – Der wurzellose Baum

ecotrii ist ein neuartiger Klimaschirm für urbane Räume, der dort Schatten und Grün schafft, wo klassische Bäume kaum eine Chance haben – auf stark versiegelten Plätzen, über Tiefgaragen oder an Standorten mit dichter Leitungsführung. Die baumartige Unterkonstruktion braucht nur so viel Platz wie eine dünne Straßenlaterne. Im „Stamm“ darüber befinden sich sechs Pflanztöpfe, die vielfältig bepflanzt werden können, zum Beispiel mit rankenden Stauden, die sich an den „Ästen“ entlangwinden und so Schatten spenden wie ein Baum. „Der ecotrii funktioniert wirklich überall, wo Bäume nicht möglich sind, aber Schatten und Kühlung dringend gebraucht werden. Hitze ist die größte Gefahr für Menschen, die vom Klimawandel ausgeht!“, so die Stuttgarter Ingenieurin Rosa Pöttiger, Gründerin von ecotrii.

Nikolaistraße in Hannover: Innenhof als Pflanzenoase

Was vorher das Dach einer Tiefgarage war, hat das Landschaftsarchitekturbüro Lohaus Carl Köhlmos in einen grünen Innenhof verwandelt. 10 Meter hoch ranken Wein- und Pfeifenwinden-Traversen. Regenwasser wird in Boxen gespeichert. Mooswände mit Farnen verbessern das Mikroklima. Sitzinseln und Spielbereiche laden zum generationenübergreifenden Miteinander ein. Das Innenhof-Projekt zeigt, wie kleine Flächen im Bestand zu klimaaktiven, biodiversen Freiräumen mit hoher Aufenthaltsqualität umgestaltet werden können.

Der dritte Frühling: Gartengestaltung für Menschen mit Demenz

Ulrike Kreuer ist auf die Planung und Entwicklung therapeutisch wirksamer Gärten für Seniorinnen und Senioren spezialisiert. Sie ist Inhaberin des Unternehmens Der Dritte Frühling – Gärten für Menschen mit Demenz und arbeitet bundesweit mit Trägern der Altenhilfe zusammen. Während des Projektes werden Pflegekräfte und Angehörige in der Grünpflege geschult. Zusätzlich gibt es Patenschaften für einzelne Beete.

Ihre Arbeit zeigt konkrete positive Auswirkungen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Eine Angehörige aus dem Thomas-Müntzer-Haus Köln, einer Wohngruppe für Menschen mit Demenz, berichtet anonym: „Meine Mutter ist im Garten viel entspannter, und manchmal erzählt sie von ihrem eigenen Garten – das hat sie schon lange nicht mehr getan.“

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Bisher sind keine Kommentare zu diesem Artikel erstellt worden.